Das von Stadt Worms und dem Verwaltungsgericht Mainz untersagte Krippenspiel konnte abseits des Weihnachtsmarktes aufgeführt werden
Kompromiss ermöglichte Krippenspiel
Die Aufführung fand nur geringes Interesse der Bevölkerung
VON GERNOT KIRCH Die Stadt Worms hatte die Aufführung des Krippenspiels des „Runden Tisches der Luthergemeinde“ am Dienstagnachmittag auf dem Weihnachtsmarkt unmittelbar vor der Krippe am Römischen Kaiser untersagt. Das Hauptargument war, dass die geplante Aufführung nicht zu der besinnlichen Atmosphäre des Weihnachtsmarktes passe. Gerade Kinder könnten irritiert werden. In dem Krippenspiel sah die Stadt eher eine gesellschaftskritische und politisch motivierte Protestnote. Der Weihnachtsmarkt solle hingegen ein Raum sein, der von gesellschaftskritischen Problemen frei ist.
Piraten oder Runder Tisch? Für Verwirrung bzw. Missverständnisse hatte in dem ganzen Genehmigungsverfahren gesorgt, dass der Antrag zur Aufführung des Krippenspiels auf einem Schreiben mit dem Briefkopf der Piratenpartei erfolgt sei, so Pfarrer Fritz Delp vom Runden Tisch gegenüber dem NK. Dies konnte geschehen, da Klaus Thys die Aufführung des Krippenspiels bei der Stadt beantragt habe. Und Klaus Thys sei sowohl Mitleid bei den Piraten wie auch aktiver Teilnehmer am Runden Tisch. Die Stadt Worms, so Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek gegenüber dem NK, sei daher davon ausgegangenen, dass die Piratenpartei die Aufführung des Krippenspiels beantragt habe und nicht der Runde Tisch. Und die Stadt lehne jede Beteiligung von politischen Parteien an Veranstaltungen wie dem Weihnachtsmarkt habe. Dies gelte für alle Parteien.
Gericht bestätigte Stadt Das Verwaltungsgericht in Mainz hatte am Dienstagmittag einen Eilantrag des Runden Tisches abgelehnt, das Stück - wie bei der Stadt Worms beantragt - direkt an der Krippe auf dem Weihnachtsmarkt aufführen zu dürfen. Der NK berichtete darüber.
100 Meter entfernt Die Organisatoren des Krippenspiels gaben aber nicht auf und konnten am Dienstagnachmittag mit der Wormser Polizei und dem städtischen Ordnungsamt einen Kompromiss erzielen. Dies geschah nach Redaktionsschluss des NK.
Der Kompromiss sah vor, dass der Runde Tisch sein Krippenspiel etwa 100 Meter entfernt vom Weihnachtsmarkt im Bereich der Fußgängerzone vor einem großen Textilbekleidungshaus aufführen durfte. Somit war beiden Seiten gedient: Es wurde das Verbot von Stadt und Gericht befolgt und gleichzeitig wurde das kurze Stück im Zeitfenster von einer Stunde fünfmal gezeigt.
Pfarrer Fritz Delp erläuterte gegenüber dem NK, dass das Krippenspiel im biblischen Kontext steht, aber gleichwohl Bezug zur heutigen Zeit mit der Flüchtlingsproblematik hatte. Als Ergänzung hierzu sei erwähnt, dass der Runde Tisch seit dem Einzug der NPD in den Wormser Stadtrat vor den monatlichen Sitzungen des Rates sogenannte Mahnwachen abhält, um gegen die NPD zu demonstrieren.
Geringes Interesse So groß die Medienaufmerksamkeit zu dem Krippenspiel sowie dem Verbot und der Gerichtsentscheidung auch war, so gering war das Interesse der Wormser Bürger am Dienstagnachmittag. Nur wenige Passanten blieben stehen und hörten sich die kritischen, nachdenklichen texte an.