Arbeitslosenquote in Worms fällt erstmals unter 7 Prozent / 4.708 Personen als unterbeschäftigt registriert / Knapper werdendes Potenzial an Fachkräften
Konjunkturerwartungen weiter positiv
Die Arbeitslosenquote in Worms fiel von 7,2 auf 6,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte die Arbeitslosenquote bei 8 Prozent gelegen.Archivbild: Robert Lehr
Der Aufschwung in der Wormser Wirtschaft hat sich auch im Juni ungebremst fortgesetzt und hat die Arbeitslosigkeit im fünften Monat in Folge sinken lassen. Die Arbeitslosenquote lag mit 6,8 Prozent erstmals seit Beginn des statistisch auswertbaren Zeitraums (ab 1984) unter 7 Prozent. Für Agenturleiterin Susanne Decker sind die Vorzeichen auch für die zweite Jahreshälfte grundsätzlich positiv. „Der Aufschwung ist stabil und nimmt zunehmend auch Personen mit, die bislang noch wenig von der guten Arbeitsmarktlage profitieren konnten.“ So sei die Zahl der Menschen, die bereits seit über einem Jahr auf Leistungen des Jobcenter Worms angewiesen sind, gegenüber dem Vorjahr um rund 17 Prozent gesunken. Mitverantwortlich für die niedrigen Arbeitslosenzahlen von etwas über 3.000 ist unter anderem die Tatsache, dass immer mehr Menschen, vor allem zahlreiche geflüchtete Menschen, die auf der Suche nach einer Arbeitsstelle sind, zunächst an arbeitspolitischen Maßnahmen teilnehmen, die sie für den Arbeitsmarkt fit machen sollen. Ihre Zahl stieg im Juni auf rund 1.194 und lag damit um über 30 Prozent höher als vor einem Jahr. Statistisch abgebildet werden diese Personen zusammen mit den Arbeitslosen in der so genannten Unterbeschäftigung, die im Juni insgesamt 4.708 Personen umfasste. Im Zuge der positiven Konjunkturerwartungen sind die Unternehmen quer durch alle Branchen weiterhin auf der Suche nach Personal. Wegen des knapper werdenden Potenzials an Fachkräften dauert es zunehmend länger bis eine freie Stelle besetzt werden kann. Der Bestand an offenen Stellen lag im Juni um 17 Prozent höher als im Vorjahr.
Neue Modelle entwickelt
Die Agentur für Arbeit Worms geht inzwischen neue Wege, um in Kooperation mit anderen Akteuren dem Fachkräftemangel zu begegnen. „Wir haben in den vergangenen Monaten gemeinsam mit verschiedenen Netzwerkpartnern neue Modelle entwickelt, mit denen wir die Integration von Geflüchteten aber auch von Geringqualifizierten in den Arbeitsmarkt gezielt unterstützen, um so einen Teil des Fachkräftebedarfs mittelfristig decken zu können“, erläutert Decker. Viel versprechende Lösungen bieten die neuen Modelle, weil sie neben Qualifizierung auch Spracherwerb und praktische Erfahrungen im Betrieb ermöglichen. Ohne den Zusatz des Spracherwerbs bieten sie sich auch für Menschen ohne abgeschlossener Berufsausbildung an, Menschen die einen Abschluss im Ausland erworben haben, der hier nicht anerkannt wurde, oder auch für jene, die sich aus verschiedensten Gründen einem neuen beruflichen Wirken zuwenden müssen. Auch im Modell zum Einstieg in die duale Ausbildung gibt es verschiedene Formen der Unterstützung durch den Bund und die Agentur für Arbeit. Zentrale Merkmale sind der systematische Erwerb der deutschen Sprache, eine praxisbezogene berufliche Orientierung und die zeitnah beginnende duale Berufsausbildung. „Gerade in der aktuellen Situation, in der verschiedene Bereiche nicht ausreichend mit Fachkräften ausgestattet sind, kommen diese Modelle der Kooperation verschiedenster Partner bis hin zum Arbeitgeber der davon profitieren kann, zur richtigen Zeit“, ist sich Decker sicher. Zu den Schattenseiten der aktuellen Arbeitsmarktsituation zählt für die Agenturleiterin die Tatsache, dass sich die Zahl der Bedarfsgemeinschaften, die im Jobcenter Worms registriert sind, seit Juni vergangenen Jahres um 156 erhöht hat. Hierin spiegle sich vor allem der Zuzug von Menschen aus den Asylherkunftsländern. Für die Sommermonate erwartet Decker einen leichten Anstieg der Arbeitslosigkeit, weil sich um diese Jahreszeit viele junge Menschen nach Abschluss ihrer Ausbildungszeit neu orientieren müssen oder wollen und sich vorübergehend arbeitslos melden. „Die gute Nachricht ist, dass diese jungen Männer und Frauen selten auf so gute Arbeitsmarktbedingungen getroffen sind, wie in diesem Jahr“; so Decker. „Ich bin sicher, dass keiner von ihnen lange arbeitslos bleiben wird.“
Die Arbeitsmarktzahlen im Überblick
Im Juni waren in der Stadt Worms insgesamt 4.708 Personen als unterbeschäftigt registriert, das waren 51 weniger als im Mai, aber 39 mehr als vor einem Jahr. 3.076 Männer und Frauen waren arbeitslos gemeldet. Das waren 153 weniger als im Mai und 478 oder 13,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Arbeitslosenquote fiel von 7,2 auf 6,8 Prozent. Vor einem Jahr hatte die Arbeitslosenquote bei 8 Prozent gelegen. Die Nachfrage nach Arbeitskräften auf dem ersten Arbeitsmarkt lag im Juni mit 253 neu gemeldeten Stellen auf dem Niveau des Vormonats und des Vorjahres. Von den 3.076 Arbeitslosen im Juni wurden 1.000 von der Arbeitsagentur und 2.076 vom Jobcenter Worms betreut. Der Rückgang im Juni entfiel in der Hauptsache auf die vom Jobcenter betreuten Arbeitslosengeld-II-Empfänger. Die Zahl der Arbeitsuchenden im Kontext von Fluchtmigration stieg im Juni auf 705. Der Anteil an allen Arbeitsuchenden betrug damit 11,2 Prozent. 346 der Geflüchteten besuchen derzeit einen Sprach- oder Integrationskurs. Weitere 127 befinden sich in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen. Auf der anderen Seite gelingt es einer zunehmenden Zahl von Menschen aus Asylherkunftsländern auf dem hiesigen Arbeitsmarkt Fuß zu fassen. Im Juni waren 56 Geflüchtete sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Juni zeigte sich auch auf allen regionalen Arbeitsmärkten Rheinhessens. Die Arbeitslosenquoten veränderten sich wie folgt: Gesamtbezirk von 5,0 auf 4,9 Prozent, Stadt Mainz von 6,2 auf 6,0 Prozent, Stadt Worms von 7,2 auf 6,8 Prozent und im Landkreis Mainz-Bingen von 3,7 auf 3,6 Prozent. Im Landkreis Alzey-Worms blieb die Quote stabil bei 4,0 Prozent.