Oberbürgermeister Michael Kissel feierte am Donnerstag seinen 60. Geburtstag
„Konstruktives Durchsetzungsvermögen“
Prominente Gratulanten. Von links: Minister Roger Lewentz, OB Michael Kissel und Karl Kardinal Lehmann. Foto: Karolina Krüger
Von Gernot Kirch Er löst kontroverse Debatten aus und er ist mit seinen Zielen und Meinungen nicht unumstritten. Aber eines erkennen fast all seine Kritiker an, er hat Visionen, kämpft engagiert für deren Umsetzung und steht zu ihnen, auch wenn sie unpopulär scheinen. Dazu kommen eine hohe Fachkompetenz, nicht zuletzt aufgrund einer Verwaltungsausbildung, und er versteht es, den Bürgern „auf’s Maul zu schauen“, ohne den Menschen nach dem Mund zu reden. Und er ist ein akribischer Arbeiter.
Für Worms hat er wichtige Weichen gestellt und der Nibelungenstadt ein bundesweit bekanntes Image in den Bereichen Kultur, Geschichte und Tourismus gegeben. Die Rede ist vom Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel, der am Donnerstag im Mozartsaal des WORMSERS seinen 60. Geburtstag feierte.
Nie den bequemen Weg Schon lange vor dem offiziellen Beginn der Geburtstagsfeierlichkeiten um 16.30 Uhr bildete sich am Donnerstag im Mozartsaal eine lange Schlange von Bürgern, die dem Oberbürgermeister persönlich gratulieren wollten. Der erste offizielle Redner war Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek (CDU). Er betonte, dass es Michael Kissel nie um Erfolg, Ehre oder den bequemsten Weg ging, sondern darum, die Stadt fit für die Zukunft zu machen. Die Hauptcharakterzüge von Michael Kissel seien eine große Portion Humor sowie Beharrlichkeit und Gestaltungswille, was er als „konstruktives Durchsetzungsvermögen“ bezeichnete.
Anerkennung vom Minister Der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz sprach dem Oberbürgermeister seine Anerkennung aus, wie er sich für die Interessen der Stadt bei der Landesregierung einsetze und hier viel erreicht habe. Als größte, gemeinsame Herausforderung für die nächsten Jahre nannte Lewentz die Aufnahme und Betreuung der vielen Flüchtlinge, die besonders aus Syrien schon nach Rheinland-Pfalz gekommen seien und die noch kommen werden. Zum Abschluss sagte Roger Lewentz über Michael Kissel: „Er ist mir ein guter Freund.“
Mit Humor und Menschlichkeit Michael Kissel bedankte sich bei den vielen Gratulanten und fügte humoristisch ein, dass er jetzt eigentlich auch schon für den Seniorenbeirat kandidieren könne, aber dann doch lieber Oberbürgermeister bleiben wolle. In den Kern seiner weiteren Rede rückte er aber den Respekt, die Toleranz und besonders die Menschlichkeit. Dies gelte es, besonders beim Umgang mit Flüchtlingen zu beachten. Dann schilderte er eine Begebenheit aus seiner Zeit als Bürgermeister der VG Monsheim. Hier hätte es Unstimmigkeiten zwischen polnischen Erntehelfern und einigen Bewohnern der Ortschaften gegeben. Hier hätte er eine Begegnung von Polen und den Kritikern organisiert. Die Stimmung sei etwas emotionsgeladen gewesen. Doch als im Rahmen des Gesprächs einer der Polen ein Foto seiner Frau und Kinder aus der Tasche holte und es zeigte, sei aus dem „Fremden“ plötzlich ein Mensch geworden. An dieser Stelle stockte Michael Kissel und die Zuhörer im Mozartsaal spürten, wie er mit den Tränen kämpfte. Nach einer kleinen Pause fügte er an: „Und diese Menschlichkeit müssen wir uns bewahren.“
Lange Verwaltungskarriere Michael Kissel (SPD) begann 1970 bei der Stadt Worms eine Verwaltungsausbildung und durchlief bis ins Jahr 1991 zahlreichen Stationen bis hin zum Amtsleiter, ehe er für ein halbes Jahr nach Mainz ins Ministerium für Bundesangelegenheiten wechselte. 1992 wurde Michael Kissel zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Monsheim gewählt. Dieses Amt hatte er bis 2003 inne. Im gleichen Jahr erfolgte die Wahl zum Oberbürgermeister von Worms. Die erfolgreiche Wiederwahl fand im Jahr 2011 statt, sodass er zumindest bis 2019 Stadtchef bleiben wird. Ob er dann noch einmal antritt, hat Kissel am Donnerstag offen gelassen.
Erfolge Zieht man eine Bilanz der bisherigen Amtszeit als Oberbürgermeister von Worms, ist als größter Erfolge wohl die Verwirklichung des Wormser Kultur- und Tagungszentrums zu nennen, auch wenn bisher immer noch der Hotelneubau fehlt. Ein wichtiger Meilenstein in seiner Amtszeit ist sicher die nachhaltige Förderung der Nibelungen-Festspiele zu einer der bundesweit bekanntesten Kulturveranstaltungen dieser Art. In diesem Kontext ist sicher auch die generelle Orientierung von Worms hin zu einer Kunst-, Geschichts- und Kulturstadt zu nennen.
Zentrale Bedeutung hat auch die Vernetzung von Worms in die Metropolregion Rhein-Neckar, in den Ballungsraum Rhein-Main und nach Rheinhessen.
Enttäuschungen Schaut man auf die Niederlagen, rückt das gescheiterte Gewerbegebiet „Hoher Stein“ in den Fokus. Ein Punkt, den auch Kissel selbst als große Enttäuschung bezeichnet. Nicht ganz glücklich verlief sicher auch die Auseinandersetzung um das „Naturfreundehaus.“
Ausgang offen Bleiben noch die Projekte, deren Ausgang ungewiss ist. Ganz oben steht hier das „Haus am Dom“. Mit seiner klaren Positionierung für den Bau hat sich Kissel in Worms viele „Feinde“ gemacht. Aber er steht nach wie vor zu dem Vorhaben und hält es für einen Gewinn für die Stadt.
Ein weiteres zentrales Vorhaben, das in seine Amtszeit fällt, ist die Bewerbung von Worms im Rahmen der SCHUM-Städte zum Weltkulturerbe. Gemessen werden wird Kissel sicher auch daran, ob es gelingt, die B9 zügig vierspurig auszubauen und ob die Südumgehung B 47 neu realisiert werden kann.