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  • Sa., 04. April 2020, 08:05 Uhr
    INTERVIEW: NK im Gespräch mit Daniel und Florian Ferino / Von Rheinhessen in die weite Welt

    Kreativer Kopf mal 2

    Florian und Daniel Ferino kommen ursprünglich aus Osthofen.


    Von Vera Beiersdörfer | Daniel und Florian Ferino sind Zwillinge, die sich auf den ersten Blick zum Verwechseln ähnlich sehen. Nicht nur äußerlich gleichen sich die Brüder, beide sind äußerst kreativ und in ihrer Kunst extrem erfolgreich. Florian lebt als Make-up-Artist in Berlin und arbeitet dort für namhafte Kosmetikfirmen und berühmte Persönlichkeiten. Daniel ist passionierter Graffiti-Künstler und erledigt Auftragsarbeiten längst nicht mehr nur für regionale Kunden – seine Bilder haben auch den Sprung über den großen Teich geschafft und hängen unter anderem in Florida.

    NK: Ihr beide lebt in Berlin und Eich, woher kommt Ihr ursprünglich?
    Florian: Wir sind in Worms geboren und in Osthofen aufgewachsen und zusammen zur Schule gegangen. In der Grundschule waren wir in einer Klasse, in der Realschule in verschiedenen.

    NK: Wann habt Ihr Eure kreative Ader entdeckt?
    Daniel: In der Schule, so ab der 5. Klasse würde ich sagen. Wenn nicht gerade Kunstunterricht gehalten wurde, sondern andere Fächer, habe ich währenddessen die Hausaufgabenhefte und Mäppchen der Klassenkameraden und Freunde bemalt und gestaltet.
    Florian: Ich würde sagen in der Realschule wurde mir klar, dass ich einen kreativen Beruf ausüben möchte, da mir die künstlerischen Fächer am meisten Spaß gemacht haben.

    Auch Sylvie Meis hat sich bereits in die fähigen Hände von Florian begeben.


    NK: Florian, wie war Dein Weg von Rheinhessen nach Berlin?
    Florian: Nicht ganz so einfach, schon vor der Friseurausbildung war mein Ziel, als Hair- & Make-up-Artist zu arbeiten. Jeder hat mir geraten, erst eine Friseurausbildung zu machen, welche ich dann bei Michael Vonderschmitt in Worms absolvierte. Danach arbeitete ich bei MK Haarschnitt, um Berufserfahrung zu sammeln und Geld für die private Make-up-Artist-Ausbildung zu sparen.
    Ich zog nach Berlin, um dort an einem dreimonatigen Make-up-Kurs teilzunehmen. Schließlich blieb ich dort, um mein Glück zu versuchen und mir ein Standbein aufzubauen. Das war schwierig und hat einige Zeit gedauert – Rückschläge und Misserfolge haben mich allerdings nicht mutlos gemacht, sondern ich habe aus Fehlern gelernt und mich weiter durchgebissen. Heute – sechs Jahre später – fühle ich mich beruflich und auch privat angekommen! Ich bin froh, dass ich meinen Traum immer verfolgt habe und mich nicht entmutigen ließ. Ich bin auch sehr dankbar, dass mich mein Bruder und meine Familie dabei immer unterstützt haben und an mich geglaubt haben.

    NK: Daniel, bist Du der Liebe wegen der Heimat treu geblieben?
    Daniel: Das hört sich so gezwungen an … Nein, beruflich habe ich mir hier in der Umgebung über die Jahre ein sehr gutes Netzwerk und einen großen Kundenstamm aufgebaut. Um künstlerisch erfolgreich zu sein, muss ich nicht zwingend in eine große Stadt so wie mein Bruder, er braucht die großen Events und Veranstaltungen zum Arbeiten. Ich kann zuhause Leinwände besprühen und sie in die ganze Welt schicken, von mir hängen schon Bilder in Florida oder Mallorca. Für meine Aufträge vor Ort fahre ich auch durch ganz Deutschland oder fliege nach Fuerteventura. Ich habe hier mit meiner Frau und den zwei Kids ein Haus gebaut mit einem eigenen Atelier und Büro. Hier kann ich optimal arbeiten.

    NK: Was verbindet Euch als Zwillinge vielleicht mehr als andere Geschwister?
    Florian: Diese Frage hören wir oft, da wir aber keine anderen Geschwister haben, kann ich das gar nicht so genau sagen. Ich denke, der Unterschied liegt hauptsächlich darin, dass wir uns sehr ähnlich sehen und von Sekunde 0 an zusammen aufgewachsen sind. Wir waren also nie alleine, alle großen Ereignisse der Kindheit wie Einschulung, Geburtstage etc. haben wir miteinander geteilt.

    Daniel ist Sprayer aus Leidenschaft.


    NK: Gibt es eine (witzige) Zwillingsgeschichte, an die Ihr Euch immer wieder gern erinnert?
    Daniel: Da gibt es einige, sie ähneln sich aber dann doch alle. Es läuft darauf hinaus, dass man sich minutenlang unterhält und irgendwann fällt dem Gegenüber auf, dass es uns völlig verwechselt hat und mit dem ‚falschen‘ Bruder spricht. Dann wird gelacht und alles ist gut. Ich erinnere mich gerne daran, dass ich am Ende der Schulzeit manchmal Flos Mofa-Führerschein und Ausweis geschnappt habe und mit seinem Roller rumgeheizt bin, weil ich keinen Führerschein hatte.

    NK: Was trennt/unterscheidet Euch beide – wo tickt Ihr völlig unterschiedlich?
    Daniel: Wir hatten während der Schulzeit und danach eigentlich immer den gleichen Freundeskreis und haben auch immer viel zusammen unternommen. Auch Klamotten haben wir öfter mal getauscht – obwohl ich eigentlich mehr Klamotten von Flo bekommen habe. Wir interessieren uns immer dafür, was der andere macht oder vorhat. Die Meinung meines Bruders ist mir sehr wichtig, vor allem auch in beruflichen Dingen. Trotzdem haben wir komplett unterschiedliche Interessen und Musikgeschmäcker. Ich fahre seit fast 20 Jahren zu Fußballspielen, ich habe es genau 1x geschafft, dass Flo mitkommt … er fand es schrecklich.
    Florian: Oh, da gibt es ganz viele Dinge. Die Leute denken immer, nur weil wir gleich aussehen, seien wir auch charakterlich gleich, dabei sind wir total unterschiedlich – Daniel hat eine Frau, zwei Kids und hat ein Haus gebaut; ich lebe in Berlin in einer Altbauwohnung mit meinem Freund zusammen. Wir haben zwar auch gemeinsame Interessen, aber eben auch total unterschiedliche, ich glaube, das ist nicht anders als bei anderen Geschwistern.

    NK: Leider ist das Thema Corona allgegenwärtig – wie sehr trifft Euch die aktuelle Lage?
    Florian: Als Selbstständiger bin ich auf Aufträge bei Fernsehen, Veranstaltungen, Fotoproduktionen usw. angewiesen. Aufgrund der aktuellen Situation werden diese alle abgesagt und somit kann ich im Moment nicht mehr arbeiten. Das wird wohl die nächsten Monate so bleiben, und diese Ungewissheit macht mir natürlich ein mulmiges Gefühl. Ich kann wie alle anderen nur hoffen, dass es so bald wie möglich weitergeht und ich wieder arbeiten kann.
    Daniel: Ich glaube, jeder Selbstständige sowie Arbeitgeber, der nicht gerade Toilettenpapier herstellt, wird die Folgen dieser Krise zu spüren bekommen. Der eine mehr, der andere weniger. Ich musste meine bevorstehende Ausstellung im Mai in Berlin absagen und auch Workshops an Schulen, die jetzt angestanden hätten, sind erst einmal abgesagt. Die Auftragslage ist aber gut und ich kann Aufträge teilweise vorziehen und Leinwände zuhause bearbeiten, um das zu überbrücken. Da trifft es viele Selbstständige, Freiberufler usw. schlimmer, und ich drücke allen die Daumen, dass keiner daran zugrunde geht.
    Es liegt an jedem Einzelnen, diese Zeit zu verkürzen. Bleibt bitte zuhause!

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