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  • Fr., 09. Januar 2015, 11:35 Uhr
    Vermeintlich verschollenes Metall-Relief kehrt nach sieben Jahren zurück an die Fassade des Finanzamts   

    Kunst am Bau

    Die Wormser Künstlerin Gaby Gems-Manz und Felix Zillien, langjähriger Leiter des Kulturamts, freuen sich über die Rückkehr der Skulptur.

    Nach der Generalsanierung des Behördengebäudes Brucknerstraße 5 – Nebenstelle des  Finanzamts Worms-Kirchheimbolanden - war dies das Tüpfelchen auf dem i, das noch gefehlt hat: Die Kunst am Bau ist wieder da!  Das vielen Wormsern vertraute Edelstahl-Relief aus dem Gemeinschaftsatelier der Wormser Künstlerfamilie Gems hat nach langer Abwesenheit einen neuen Platz an der komplett sanierten Fassade des ehemaligen Kulturamts gefunden.


    An der Wieder-Einweihung auf Einladung des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung (LBB) am Mittwoch nahmen der langjährige frühere Kulturamtsamtsleiter Felix Zillien und für das Wormser Künstler-Atelier Gaby Gems-Manz teil. Sie konnten das Rätsel um das von vielen Wormsern bemerkte „Verschwinden“ des Reliefs und seine glückliche Rückkehr nach sieben Jahren lüften. 


    Mit ihrem Entwurf für eine stilisierte Feldlandschaft mit Ähre, Traube, Baum und Blume hatte die Künstlerfamilie Gems 1966 den Wettbewerb um die „Kunst am Bau“ für den damaligen Neubau des Kulturamts gewonnen.  Aufgabe der früheren Kulturämter war die Flurbereinigung und eine moderne Bodenordnung für Landwirtschaft und Weinbau – also die Neuordnung der agrarischen Kulturlandschaft. Das Kunstwerk aus korrosionsbeständigem Spezialstahl nahm diese Motive auf. Jahrzehntelang war es an einer frei stehenden Trennmauer neben dem Haupteingang angebracht.  Bis es Anfang 2007 verschwand.


    Gaby Gems-Manz, Tochter des Künstlerpaares Theo Gems und Hilde Gems-Haas, bemerkte das sofort und es schmerzte sie besonders. Werke aus der Ateliergemeinschaft ihrer Eltern und ihres Onkels Hubert Gems gestalten in Worms vielfach den öffentlichen Raum. „Meine Eltern haben die Sachen immer so gemacht, dass sie fürs Leben gehalten haben – und länger!“ Beispielsweise kennen Besucher des Hallenbads die großflächigen Wandmosaiken, in der Cafeteria des städtischen Klinikums gibt es Wandmalereien, und eine Keramik-Wand im Bildungszentrum (BIZ) der Berufsbildenden Schulen. Noch heute erinnert sich Gems-Manz, wie das Relief für das Kulturamt in der Kunstschmiede von Vater und Sohn Obenauer in Flörsheim-Dalsheim nach den Gems-Entwürfen in edlem V2a-Stahl gefertigt wurde. „Die haben das richtig geschweißt, und sie haben sehr gut geschweißt.“ 


    Im Jahr 2007 wurde das Wormser Kulturamt im Zuge der 2003 initiierten Agrarverwaltungsreform in das Dienstleistungszentrum ländlicher Raum (DLR) in Bad Kreuznach eingegliedert. Für das nun leer stehende Wormser Gebäude plante der Landesbetrieb LBB eine umfassende energetische Sanierung. Zudem sollte es an die Bedürfnisse seines neuen Nutzers, des Finanzamts, angepasst werden. 


    Wohin die Kunst am Bau geraten war, blieb jedoch rätselhaft. Beim LBB schloss man einen Diebstahl nicht aus und erstattete Anzeige gegen Unbekannt. „Die Preise für Altmetall waren damals in die Höhe geschossen“, sagte Andreas Nath vom Immobilienmanagement beim Landesbetrieb LBB. Die Ermittlungen verliefen jedoch ergebnislos. Die Gebäudesanierung konnte 2009 mit Mitteln aus dem  Konjunkturprogramm II  konkret beginnen. Bei der Fertigstellung anderthalb Jahre später fehlte das Relief noch immer.


    Das ließ den früheren Kulturamtsleiter Felix Zillien, Ministerialdirigent im Ruhestand, nicht ruhen. „Von 1969 bis 1988 kam ich ja jeden Tag an dem Kunstwerk vorbei“, berichtet er. Dank Zilliens Ausdauer wurde das Relief wieder ausfindig gemacht – wohlbehalten in Kisten verpackt im DLR Bad Kreuznach. Die Erklärung: Um das Werk vor einer möglichen Entfernung bei der anstehenden Komplettsanierung zu bewahren, war es abmontiert und in das neue Domizil mitgenommen worden. Tatsächlich wurde im Zuge der Sanierung des alten Kulturamts jene Trennmauer abgerissen, die das Werk bis dahin trug. Das DLR wollte das Relief in oder an seinem Gebäude in Kreuznach anbringen, dort fand sich aber keine dafür geeignete Fläche.


    Ganz anders am Behördengebäude in Worms, für das das Werk einst geschaffen worden war. „Was lange währt, wird endlich gut“, resümierte LBB-Immobilienmanager Andreas Nath. Das Relief komme an seinem heutigen Platz, in luftiger Höhe und im Kontrast mit dem warmen Braunton der Fassade, sogar besser zur Geltung als früher. 


    Für Ex-Behördenchef Zillien ist der Anblick ein echter Grund zur Freude: „Das ist ein schöner Jahresauftakt 2015, denn es ist mit vielen Erinnerungen verbunden.“ Zilliens Vorschlag, bei dem Relief einen erläuternden Text anzubringen, greife  der Landesbetrieb LBB gerne auf, versicherte Immobilienmanager Nath. Passanten sollen schließlich eine Antwort auf die naheliegende Frage erhalten, warum ein Kunstwerk mit landwirtschaftlichen Motiven die Fassade des Finanzamts ziert.

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