Mo., 26. August 2013, 12:52 Uhr
Ausstellung „Recycle“ beim Kunstverein noch bis zum 22. September mittwochs und an den Wochenenden zu sehen
Kunstwerke, geboren aus Industriematerial
VON REGINA URBACH „Recycle“ – unter diesem Motto eröffnete der Kunstverein am Sonntagnachmittag mit einer Vernissage die Ausstellung dreier Künstler aus der Eifel, die auf verschiedene Weise Industriematerial in Kunstwerke von organischer Ästhetik verwandeln. Interessanter Weise harmonieren die unterschiedlichen Objekte der Drei dabei auch miteinander sehr gut.
Dorothea Kirsch lässt sich von natürlichen Formen wie Blütenkapseln, Libellen- oder Larvenkörpern inspirieren. Diese bewundernswert komplexen Strukturen baut sie aus Eisen, Nylonstrümpfen, Holz oder Knochen nach zu fragil schwebenden Skulpturen und Mobiles. Die gelernte Puppenspielerin hat ihre Kreativität jahrelang in den Dienst von Marionettenbau und Theaterrequisite gestellt.
Bis heute ist sie den Mobiles, etwa in Form der ausgestellten „Summer Queen“, einer Libelle mit dem schillernden Kopf einer vertrauten 70-Jahres-Flurlampe, oder des „Elephant“, verbunden geblieben. „Die Ideen kommen einfach“, erzählt sie. „Manche Idee setze ich am Stück um, bis sie fertig ist, manche lasse ich länger ruhen oder fange sie noch mal ganz neu an.“ Nicht alles sei ästhetisch so eingängig wie das in Worms Ausgestellte, verrät sie geheimnisvoll.
Kalle Paltzer, gelernter Keramiker, kam auf das Papier, für ihn ein durch und durch organisches Material. Mehrere Schichten „Pulpe“, einen Brei aus Altpapier und Naturkleber, streicht er über feste, rechteckige Pappgerüste. Dann lässt er das Material wochenlang arbeiten. „Es gärt und fault, stinkt und wölbt sich, biegt und dehnt sich und offenbart verborgene Strukturen“, erzählt er. Gesteuert durch angehängte Gewichte, kann es auch das Gerüst mit verziehen und bringt erstaunliche Farben und Pigmente hervor. „Viele Betrachter schauen zuerst hinter die Skulptur und würden sie am liebsten anfassen“, beobachtet er. „Wir müssen das Anfassen mit den Augen lernen.“ Tatsächlich sind beim längeren Betrachten immer neue Details zu entdecken.
Werner Bitzigeio war zur Vernissage leider verhindert. Mit seinen Kugeln aus Moniereisen, Stacheldraht oder Schweißdrähten, die er zum Teil von Rüstungsfirmen bezieht, zeigt er gewissermaßen dem industriellen, gar martialischen Zweck des Materials die lange Nase, denn er verzaubert es in runde Formen von filigraner Eleganz, die mit ihrer vornehm-rostigen Patina alles andere als zweckmäßig wirken.
In der Einleitung lenkte Dr. Dietmar Schuth die Aufmerksamkeit darauf, wie verschieden und doch harmonisch alle Drei Organisches aus Industriematerial schaffen. In den Ausstellungsräumen kommen die Exponate großzügig zur Geltung. Leider hatten wegen des gleichzeitigen Backfischfestumzugs weniger Interessenten als üblich den Weg durch die gesperrte Innenstadt gefunden, was dem Kunstgenuss aber keinen Abbruch tat. Bis 22. September ist die Ausstellung (mittwochs 18-20 Uhr, samstags/ sonntags 15-18 Uhr) noch im Kunstverein in der Renzstraße zu sehen; die Exponate können auch erworben werden.[nggallery id=178]