Tischtennis – 3. Bundesliga Süd: TV Leiselheim verliert das Lokalderby gegen das Spitzenteam TTC Weinheim nach 3:0-Führung noch mit 3:6
Kurz am Sieg geschnuppert
Medardas Stankevicius holte zwar mit einem Viersatzsieg über den Kroaten Filip Cipin den einzigen Einzelzähler für den TV Leiselheim in der Partie gegen TTC Weinheim. Am Ende blieb der 17-jährige Litauer aber wie alle seine drei Kollegen im Dress des TV Leiselheim hinter seinen Möglichkeiten zurück. Der TVL verlor deshalb völlig verdient mit 3:6 gegen die Bergsträßer.
4:6 und 2:6 in der Saison 2016/2017. Schon in der ersten Spielzeit des TV Leiselheim nach dem Aufstieg aus der Regionalliga Südwest in die 3. Bundesliga Süd erwies sich der TTC Weinheim als eine Nummer zu groß für die Wormser Tischtennisasse. Und auch beim Heimdebüt der Männer vom Leiselheimer Trappenberg in der Saison 2017/2018 änderte sich an der Negativ-Bilanz nichts. Die junge Truppe um Leiselheims Kapitän Raphael Graf, mit 28 Jahren bei weitem der „Oldie“ im Kader, unterlag erneut mit 3:6.
Wobei: Über eine Stunde lang schnupperte das dieses Jahr neu formierte Leiselheimer Team am Sieg. Die im bisherigen Saisonverlauf doch recht glücklos auftretenden Duos des TVL in den Kombinationen Medardas Stankevicius / Sushmit Sriram und Vladimir Anca / Raphael Graf sorgten dank brillanter Leistungen für einen 2:0-Vorsprung der Gastgeber, den der litauische Leiselheimer Spitzenspieler Medardas Stankevicius gar auf 3:0 ausbauen konnte. Nach dem Viersatzsieg des 17-jährigen „Neu-Leiselheimers“ über Filip Cipin, die kroatische Nummer zwei des TTC Weinheim, war die Laune bei Leiselheims langjährigem Trainer Christian Kaufhold selbstredend bestens.
Die Miene des 38-jährigen Leiselheimer Trainers verfinsterte sich mit zunehmender Spieldauer aber immer mehr. Das hatte zwei Gründe, wie Christian Kaufhold nach dem Spiel und einer 3:6-Niederlage bekannte. „Wir haben heute in den Einzeln kein gutes Spiel abgeliefert“, sah der erfahrene Tischtennis-Coach sowohl die beiden Neuzugänge Medardas Stankevicius und Sushmit Sriram als auch die beiden „Alt-Leiselheimer“ Vladimir Anca und Raphael Graf „nicht auf ihrem normalen Level“ agieren. „Und zweitens haben die Gäste nach dem frühen Rückstand ihre ganze Routine nebst so manchen Mätzchen ausgepackt.“
In dieser Hinsicht tat sich beim TTC Weinheim in erster Linie deren Kapitän Björn Baum hervor. Der 35-jährige Flörsheim-Dalsheimer, der Anfang des Jahrtausends einige Zeit für den TV Leiselheim aufschlug, wollte seinen ehemaligen Teamkollegen wohl ein Schnippchen der besonderen Art schlagen. Bis in die Haarspitzen motiviert schlug er zunächst seinen Freund und Trainingspartner Raphael Graf, den Teamchef des TVL.
Im finalen Einzel der Partie schließlich gegen Leiselheims 18-jährigen Youngster Vladimir Anca trieb Björn Baum die „taktischen Spielchen“ auf die Spitze. Erst war ihm der Jubel seines jungen Gegenübers über eigene Punktgewinne zu euphorisch. In den Satzpausen ging er deshalb Christian Kaufhold, seinen ehemaligen Mitspieler und heutigen Coach des TVL, verbal scharf an. Dann zog er am Tisch alle Register, um Vladi aus dem Konzept zu bringen. Wenn der zum Aufschlag bereit stand, gönnte sich Björn Baum erst mal eine kurze Pause wegen laufender Nase oder mehrfachem Reinigen des Schläger-Belages. Und dann mussten ja auch die Sportschuhe noch mal geschwind vor dem nächsten Ballwechsel gereinigt werden. Die Provokationen wirkten. Björn Baum brachte seinen Gegner aus dem Konzept, der Siegzähler in fünf engen Sätzen zum 6:3-Auswärtssieg war errungen.
„Diese Mätzchen mussten nicht sein, das war nicht die feine englische Art“, befand ein sichtlich geknickter Christian Kaufhold. In der Tat. Die Gäste des TTC Weinheim hätten die Begegnung wohl auch ohne die Kniffe ihres Kapitäns, die sich an der Grenze zur Unsportlichkeit bewegten, zu ihren Gunsten entschieden. Dazu spielte das junge Team des TV Leiselheim nach der überraschenden und scheinbar lähmenden schnellen Führung ganz einfach an diesem Abend nicht stark genug.
Tischtennis – 3. Bundesliga Süd
TV Leiselheim vs. TTC Weinheim 3:6 Spiele / 17:19 Sätze
Punkte TVL: Medardas Stankevicius / Sushmit Sriram, Vladimir Anca / Raphael Graf, Medardas Stankevicius.