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Do., 23. April 2015, 20:15 Uhr
Bedarf für Vereine und Schulen von allen Fraktionen im Rat anerkannt / Fragezeichen hinter finanzieller Machbarkeit
Kurz- und langfristge Lösung bei Lehrschwimmbad
Auf dem Gelände der Stadtgärtnerei soll das Lehrschwimmbad entstehen. Die Frage ist nur. "Wann?" Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Das wichtigste Thema auf der Stadtratssitzung im Wormser Rathaus war am Mittwoch die Diskussion über ein Lehrschwimmhallenbad, das in erster Linie für Schulen und Vereine zur Verfügung stehen soll. Die CDU-Fraktion hatte diesbezüglich einen Antrag eingebracht, in dem die Stadtverwaltung beauftragt werden sollte, unter Einbindung der wassersporttreibenden Vereine ein solches Bad bzw. Lehrschwimmbecken an der Carl-Villinger-Straße zu planen. Der Standort soll auf dem Gelände sein, auf dem zurzeit noch die Stadtgärtnerei beheimatet ist, die ja aber nach Herrnsheim umzieht. Die CDU wünscht sich dabei ein möglichst zeitnahe Realisierung. Nach fast einstündiger Debatte wurde der CDU-Antrag in den Bau- sowie den Haupt- und Finanzausschuss verwiesen. Die wichtigsten Argumente für die weitere Diskussion in den Ausschüssen waren die Prüfung der finanziellen Machbarkeit, der tatsächliche Bedarf der Schulen, der denkbare zeitliche Realisierungsrahmen eines Bades und eventuelle Alternativen für einen Neubau.
Alle sehen Bedarf
Zu Beginn der Aussprache im Rat wurde rasch deutlich, dass alle Fraktionen den Bedarf von Vereinen und Schulen sehen. Unterschiedlich war allerdings die Auffassung wie rasch und mit welchem Geld das Vorhaben finanziert werden kann. Zunächst begründete Stadträtin Jeanine Emans-Heischling den Vorstoss der Christdemokraten. Beim Schwimmen gehe es um eine Grundfertigkeit, die jeder beherrschen „muss“. Doch rund 50 Prozent der Wormser Kinder könnten nicht oder nur mehr sehr unzureichend schwimmen, sich also gerade mal über Wasser halten. Wobei dies auch ein bundesweiter, aber eben auch ein Trend in der Nibelungenstadt sei. Vier Wormser Grundschulen führten etwa gar keinen Schwimmunterricht mehr durch. Die meisten Grundschulen würden den Schwimmunterricht in der 4. Klasse durchführen, was bedeutet, es kommen auf eine Klasse mit 20 Kindern gerade mal 10 bis 12 Stunden, was nicht viel sei. Ein Grundschullehrer habe zu ihr gesagt: „Früher konnte eine Handvoll Kinder nicht schwimmen. Heute ist das umgekehrt.“ Jeanie Emans-Heischling ergänzte, dass in den letzten Jahren sukzessive Lehrschwimmbäder in Worms geschlossen worden seien. Sie nannte hier das Becken im Eleonoren-Gymnasium, das Hallenbad an der Kerschensteiner Schule und nun sei auch noch das Becken in der Geschwister-Scholl-Schule für Jahre geschlossen.
Kurzfristig nicht machbar
Karl Müller von der FWG bemängelte bei dem Antrag der Christdemokraten, dass keinerlei Aussagen zur Finanzierbarkeit gemacht würden. Dies sei aber Grundvoraussetzung, um über einen Antrag entscheiden zu können. Dr. Jürgen Neureuther (FDP) forderte ein „Wassenflächenmanagment“ und schlug vor, dass man über Intensivschwimmkurse in den Sommerferien im Paternus-Freibad in Pfeddersheim nachdenken sollte. Auch warf er der CDU vor, jetzt ein neues Bad haben zu wollen, wo die Partei noch vor Jahren für die Schließung des Paternus-Freibades und des Hallenbades an der Kerschensteiner Schule war.
Richard Grünewald (Grüne) stellte an die CDU die Frage: „Wie bitte, soll dies finanziert werden?“ Immerhin, so Grünewald, gehe es um eine Bausumme von rund zwei Millionen Euro.
Der Wormser SPD-Vorsitzende Jens Guth sagte an die CDU gerichtet: „Um Zuschüsse beim Land zu erhalten reicht es nicht, etwas zu wollen, sondern man muss den Bedarf durch Fakten nachweisen.“ Langfristig, so Jens Guth, sollte ein Lehrschwimmbad auf dem ehemaligen Gelände der Stadtgärtnerrei an der Carl-Villinger-Straße realisiert werden. Dort könnten auch Einrichtungen des Heinrich-Völker-Bades genutzt werden. Aber bis dies verwirklicht sei, würde es wohl rund zehn Jahre dauern. Als kurzfristige Lösung schlugen Jens Guth und sein Fraktionskollege Timo Horst die Installierung einer Traglufthalle über dem Nichtschwimmerbecken des Schwimmclubs Poseidon vor. Diese sei rund 15 Jahre nutzbar und würde rund 500.000 Euro kosten.
OB Kissel erinnert an die angespannte Finanzlage der Stadt. So sei der aktuelle Haushalt noch nicht von der Aufsichtsbehörde genehmigt. Und es gebe wichtige andere Vorhaben, wie etwa die Sanierung der Schulen und den Ausbau der Infrastruktur. Zudem sei die Aussicht auf kurzfristige Finanzmittel durch das Land unrealistisch. Er sprach sich für eine langfristige Gesamtlösung aus, was wohl den Bau in einigen Jahren an der Carl-Villinger-Straße bedeutet. Er wies aber auch darauf hin, dass der städtische Zuschuss für das Heinrich-Völker-Bad jedes Jahr zwei Millionen Euro betrage.
Enttäuschung
Der Vorsitzende des Wormser Schwimmclubs Poseidon Manfred Pfeiffer äußert sich gegenüber dem NK enttäuscht, sagte aber, er habe eine rasche Realisierung nicht erwartet. Dies hätten Gespräche mit den Faktionen im Vorfeld des Stadtrates gezeigt. Auf die Frage, wie es nun weitergehen soll sagte er: „Da das Lehrschwimmbecken nun in weite Ferne gerückt ist, möchte ich mich nicht an Spekulationen beteiligen.“
Fasst man alle Entscheidungen zusammen, sieht es wohl so aus, dass zunächst als kurzfristige Lösung eine Traglufthalle für 500.000 Euro über das Nichtschwimmerbecken im Poseidon kommen wird, während der Bau des Lehrschwimmbeckens an der Carl-Villinger-Straße wohl frühestens in zehn Jahren Realität sein dürfte. Weiterdiskutiert wird nun im Bau- und im Haupt- und Finanzausschuss, an den grundsätzlichen Standpunkten bzw. den fehlenden Finanzen wird dies wohl aber nichts ändern.