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    GESUNDHEIT: Klinikum Worms möchte langfristig auf „Händeschütteln“ verzichten / Interview mit Dr. Marc Szczyrba

    „Lächeln statt Händedruck“

    Dr. Marc Szczyrba (links) und Torsten Koßwig vom Team der Krankenhaushygiene. Foto: Klinikum Worms


    Hände sind Keimträger schlechthin. Deshalb möchte das Klinikum Worms auch langfristig auf das Schütteln der Hände als Begrüßungs- oder Verabschiedungsgeste verzichten. Unter dem Motto „Lächeln statt Händedruck“ macht das zu den größten Kliniken in Rheinland-Pfalz gehörende Krankenhaus ab März darauf aufmerksam, wie sinnvoll der Verzicht auf das Händeschütteln aus hygienischer Sicht ist.

    „Das Reichen der Hände war in unserem Kulturkreis sehr lange fest als Höflichkeitsgeste verankert. Die Coronapandemie hat uns zwischenzeitlich – mitunter auf sehr kreative Art und Weise – gezeigt, dass es durchaus andere Begrüßungsrituale gibt, die ebenso höflich, aber deutlich ‚hygienischer‘ sind“, erklärt Klinikum-Geschäftsführer Bernhard Büttner.

    „Wir möchten in unserem Krankenhaus deshalb gerne auch langfristig auf das Schütteln der Hände verzichten und so einen wichtigen Beitrag dazu leisten, das Krankheitserregen auch in einer Zeit nach Corona deutlich weniger Chancen haben.“

    Übertragungsweg für Krankheitserreger

    Warum es insbesondere die Hände sind, die als Übertragungsweg für Krankheitserreger dienen, erklärt Dr. Marc Szczyrba, der Ärztlicher Leiter der Krankenhaushygiene am Wormser Klinikum ist: „Wir alle tragen an unseren Händen Bakterien, Viren und andere potenzielle Krankheitserreger. In unserem Alltag kommen unsere Hände dabei mit zahlreichen Gegenständen in Berührung: Türklingen, Münzgeld oder Einkaufswägen. All diese Gegenstände sind vorher bereits von vielen anderen Menschen angefasst worden, die dort wiederrum mögliche Krankheitserreger hinterlassen haben, ohne es zu merken.

    Diese Keime tummeln sich anschließend in teils hohen Mengen auf den Händen. Greife ich mir anschließend ins Gesicht, können die Erreger über die Schleimhäute von Mund, Augen oder Nase in den Körper eindringen und mich krank machen. Indem wir auf das Schütteln der Hände als zusätzlichen Baustein in der Händehygiene verzichten“, da ist sich der Hygieneexperte sicher, „können wir die Übertragung von Krankheitserregern deutlich reduzieren.“

    Das Projekt „Lächeln statt Händedruck“ wird im März von vielen Aktionen auf den Social Media Kanälen des Klinikums begleitet. Neben Informationsvideos rund um die Händehygiene demonstriert das Hygieneteam des Klinikums unter anderem, welche „unsichtbaren Gäste“ sich an Schmuck anhaften können oder wo man bei unzureichender Händehygiene überall seine Spuren hinterlassen kann.

     

    „Gute Händehygiene ist das A und O“
    Interview mit Dr. Marc Szczyrba

    Dr. Marc Szczyrba, Ärztlicher Leiter der Krankenhaushygiene am Klinikum Worms. Foto: Klinikum Worms, pakalski


    Herr Dr. Szczyrba, wir wären wahrscheinlich sehr erschrocken, wenn wir wüssten, was sich auf unseren Händen alles tummelt, oder?
    Dr. Marc Szczyrba: Wahrscheinlich schon. Unsere Hände sind im Alltag unser wichtigstes Werkzeug. Deswegen tragen wir im wahrsten Sinne des Wortes tausende von Keimen mit uns herum. Dazu gehören Viren, Bakterien oder Pilze. Die meisten von ihnen sind für uns erst einmal harmlos, können uns aber auch krank machen.

    Könnten Sie kurz und knapp den Unterschied zwischen Viren und Bakterien erklären?
    Dr. Marc Szczyrba: Viren sind insgesamt viel kleiner als Bakterien. Der wesentliche Unterschied ist aber der Bauplan. Bakterien haben beispielsweise eine richtige Zellwand sowie eine Innenstruktur und einen Zellkern. Viren sind da deutlich einfacher aufgebaut. Ihnen fehlt ein Zellkern, stattdessen ist das Erbgut in einer Hülle aus Proteinen, dem Capsid, eingeschlossen. Einige Viren besitzen zusätzlich eine Virushülle bestehend aus einer Lipid-Doppelschicht. Bakterienzellen vermehren sich, wie auch menschliche Zellen, in der Regel durch Zellteilung. Viren benötigen so genannte Wirtszellen, in die sie sich einschleusen, um das Erbgut der Wirtszelle so umzuprogrammieren, dass sie viele weitere Viren produziert.

    Welche davon sind harmlos und welche können gefährlich werden?
    Dr. Marc Szczyrba: Generell tragen wir alle etwa zwei Kilogramm Bakterien mit uns herum. Hinzu kommen auch andere potenzielle Krankheitserreger. Die machen uns aber nicht zwingend krank. Wenn wir aber immungeschwächt sind oder beispielsweise eine große Operation oder einen Unfall haben, dann haben diese Krankheitserreger leichtes Spiel, gelangen in unseren Körper und können dort Infektionen auslösen. Hinzu kommt, dass unsere Schleimhäute (Augen, Mund, Nase) auch als Eintrittspforte für bestimme Erreger dienen können, wie z.B. Durchfall-Erreger.

    Wie gelangen diese Erreger von meinen Händen in meinen Körper?
    Dr. Marc Szczyrba: Von den Händen ist es meist nur ein kurzer Weg ins Gesicht. Wir fassen uns im Alltag – meistens ganz unbewusst – immer wieder ins Gesicht und schon können Erreger über die Schleimhäute von Mund, Nase oder Augen ins Körperinnere gelangen. Dazu reichen schon ein paar wenige Viren aus, um sich hier z.B. mit einem Durchfallerreger anzustecken. Auf der anderen Seite können Erreger von den Händen immer dann in den Körper gelangen, wenn die Barriere der Haut durchbrochen wird, z.B. durch Katheter oder Wunden. Und genau aus diesem Grund ist eine gute Händehygiene so wichtig, was wir uns alle immer wieder ins Gedächtnis rufen sollten.

    Wann sollte ich mir die Hände denn waschen?
    Dr. Marc Szczyrba: Wir haben es ja meistens schon im Kindesalter von unseren Eltern gelernt: Vor dem Essen oder nach dem Spielen, also sagen wir immer dann, wenn wir nach Hause zurückkommen, sollen wir uns auf jeden Fall die Hände waschen. Außerdem wenn ich erkennbar Kontakt mit „Schmutz“ hatte oder mit Abfall hantiert habe. Auch nach dem Streicheln von Tieren, dem Nießen oder dem Putzen der Nase. Händewaschen macht auch vor der Zubereitung von Mahlzeiten Sinn. Und nicht zu vergessen: nach dem Toilettengang. Eigentlich selbstverständlich, klappt aber nur bei etwa einem Drittel der Menschen zuverlässig mit Wasser und Seife…
    Im Klinikum hingegen nutzen wir eher die Möglichkeit der Händedesinfektion, um hier noch gezielter Krankheitserreger abzutöten und die Haut insgesamt bei der Häufigkeit der notwendigen Händehygiene nicht noch mehr zu belasten.

    Und wie wasche ich mir die Hände richtig?
    Dr. Marc Szczyrba: Zunächst werden die Hände unter fließendes Wasser gehalten. Anschließend die Hände überall gründlich einseifen. Der Daumen, die Räume zwischen den Fingern und auch die Fingerkuppen werden erfahrungsgemäß leider gerne vergessen – also hierauf nochmals gesondert achten. Während des Einseifens am besten möglichst langsam bis 20 zählen und dann gründlich abspülen. Mittlerweile helfen auch Smart-Watches dabei, die richtige Zeit des Händewaschens einzuhalten. Wichtig ist es außerdem die Hände anschließend gut zu trocknen. Ist man unterwegs, sollten hierfür am besten Einmalhandtücher benutzt werden. Zu Hause sollte jeder sein eigenes Handtuch benutzen. Gerade in den Herbst- und Wintermonaten sollten wir den Hautschutz mittels Cremes nicht vergessen, damit unsere Hautbarriere intakt bleibt.
    Haben Sie vielen Dank, Herr Dr. Szczyrba.

     

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