Bündnis Hoher Stein: Riesige Flächen im Wormser Westen werden laut Bauausschuss nicht angetastet
Landschaftliches Erbe für Generationen bewahrt
„Endlich ist es geschafft!“, so das „Bündnis Hoher Stein“ in einer Pressemitteilung vom 16. Mai 2020: „Ein verbindlicher Beschluss des Bauausschusses hat am Donnerstag festgelegt, dass das riesige Suchgebiet für große Gewerbeflächen im Wormser Westen nicht angetastet wird“ . Dort würden jetzt weiterhin Lebensmittel wachsen, Kaltluft für Worms entstehen und Schutzräume für die Natur – die „Grünzüge“ – nicht angetastet werden.
725 Hektar Suchraum
Von Heppenheim über Pfeddersheim bis Herrnsheim und Abenheim erstreckte sich das Suchgebiet seit November 2019 über riesige 725 Hektar (siehe auch unter www.buendnis-hoher-stein.de), die zunächst auch den schon 2013 umkämpften Hohen Stein einschlossen, so die Pressemitteilung. Binnen Tagen hätte sich jedoch der Protest formiert und 13 Verbände und Parteien hätten vehement auf den drohenden Flächenverbrauch aufmerksam gemacht.
In gut besuchten Bürgerversammlungen in Pfeddersheim und Heppenheim hätten kundige Referenten präzise die klimatischen, landwirtschaftlichen und natürlichen Funktionen dieser Felder und Grünstreifen informiert, die eigentlich auch raumplanerisch geschützt gewesen seien. Dennoch sollte dieser Schutz ausgehebelt – oder wie das Bündnis die CDU/SPD-Koalition im Wormser Stadtrat zitiert – „überwunden“ werden.
Die 261 Hektar große Fläche links unten ist der Hohe Stein. „Wer also entgegen der städtischen Pläne ein Art von Entwarnung behauptet, verschleiert die Tatsachen und will den Bürgern Sand in die Augen streuen. In Zeiten öffentlich zugänglicher Informationen ist es jedoch wenig aussichtsreich, Bürgerinnen und Bürger einlullen zu wollen“, erklärt Richard Grünewald vom Bündnis „Hoher Stein“. Grafik aus Präsentataion Klimakonzept/Stadt Worms
Bürgerprotest bewirkt Umdenken
Hunderte Bürger hätten einen solchen Ausverkauf ihrer Heimat nicht zulassen wollen. Nach einem Beschluss des Pfeddersheimer Ortsbeirates gegen die Gewerbepläne hatten daher die Front der Befürworter eines solchen Landfraßes v.a. für Logistikansiedelungen kontinuierlich zu bröckeln begonnen. Verbal seien der Oberbürgermeister Adolf Kessel sowie die CDU und die SPD zunehmend auf Distanz gegangen, hätten aber lange keine Beschlüsse gefasst, welche „die Natur klipp und klar über den Bodenhunger der Logistikkonzerne gestellt hätte“, so die Pressemitteilung. Genau darauf habe das breite Bündnis von Umweltverbänden, Bauern, Landfrauen, Jugendorganisationen und vier Parteien immer wieder gedrungen.
Rechtsverbindlicher Beschluss
Am Donnerstag, dem 14. Mai 2020 sei es dann soweit gewesen: Der Bauausschuss beschloss, dass keine Gespräche zur sog. „Überwindung“ der „Vorrangflächen Landwirtschaft“ und der „Regionalen Grünzüge“ geführt werden sollen. Damit sei die beabsichtigte Versiegelung von mindestens 50 Hektar fruchtbarem Ackerboden und Naturgebieten endlich abgewehrt, freut sich das Bündnis.
Die nun beabsichtigte Suche nach Gewerbeflächen südlich der Kolpingstraße sei von gänzlich anderer Qualität, denn dort seien Logistikhallen klimatisch ausgeschlossen und auch sonst bliebe es spannend, in welchem Umfang eine Bebauung verträglich wäre.
Was bleibt?
„Ohne den deutlichen Widerstand organisierter Bürger, hätte dieses landschaftliche Erbe nicht für die nächsten Generationen bewahrt werden können", resümiert Bündnissprecher Richard Grünewald. „Warum es die GroKo angesichts ,fridays for future’ überhaupt noch einmal probiert hat, bleibt ein Rätsel und spricht nicht wirklich für Lernfähigkeit“.
„Ich bin unheimlich erleichtert“, sagt Bündnissprecherin Elke Goldschmidt, „jetzt können auch unsere Kinder und Enkel noch Natur in direkter Umgebung erleben und regionale Lebensmittel anbauen und genießen“. Für sie zeige Corona, dass man immer mehr auf die fruchtbaren Böden unserer Heimat angewiesen sei und nicht weniger.
„Im Namen des Bündnis Hoher Stein danken wir ganz herzlich den vielen wachsamen Bürgerinnen und Bürgern die unsere gemeinsame Kampagne für Klima, Umwelt und Landwirtschaft so vielfältig unterstützt und somit letzten Endes zum Erfolg gemacht haben. Einmal mehr hat sich gezeigt: Bürgerschaftliches Engagement lohnt sich!“ schließt das „Bündnis Hoher Stein“.
Elke Goldschmidt und Richard Grünewald vertreten als Sprecherin und Sprecher das Bündnis Hoher Stein in der Öffentlichkeit.