So., 30.08.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • So., 01. September 2024, 18:06 Uhr
    NABU und BUND: Erhalt der wertvollen Böden und der Schutz des Natura 2000-Gebietes bei Offstein gefordert / 25 Hektar große Fläche soll für Gewerbegebiet vorgehalten werden

    „Landwirtschaft und Natur haben Vorrang“

    Ein Teil der Ackerfläche für das vorgesehen Gewerbegebiet bei Offstein. Foto: NABU Worms-Wonnegau

    „Nur wenigen ist bekannt, was gerade auf der Ebene der sogenannten Regionalplanung für den Bereich zwischen Offstein und der Zuckerrübenfabrik vorgesehen ist: Auf rund 25 Hektar, was in etwa der Fläche von 35 Fußballfeldern entspricht, soll auf Betreiben der Verbandsgemeinde ein Gewerbegebiet vorgehalten werden“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung des NABU Worms-Wonnegau und des BUND. Dabei sei dieser Standort laut NABU und BUND eigentlich aus mehreren Gründen ungeeignet: Die Wirtschaftsachsen seien zu weit peripher gelegen, es würde ein zusammenhängendes Siedlungsband entstehen und es befände sich auf zumindest der Hälfte der Fläche auf sehr guten Böden für die Landwirtschaft.


    Fläche soll im Ranking verbleiben

    „Obwohl die Regionalplanung in einer ersten Bewertung zu einem negativen Gesamtergebnis kommt, soll die Fläche dennoch weiter im Ranking verbleiben“, wundert sich Matthias Bösl, NABU Worms-Wonnegau, über die Entscheidung. Weitere Kriterien, die an dieser Stelle eigentlich ein Gewerbegebiet als ungünstig bewerten, sei, dass Offstein keine zentralörtliche Funktion hat. Die klimatische Situation werde sich laut den beiden Naturschutzorganisationen insbesondere im westlichen Offstein verändern: denn wo jetzt im Sommer Kaltluft entstehe, werde zukünftig Hitze produziert.


    „Wir befinden uns hier im ländlichen Bereich und nicht in einer Metropole“, beschreibt Bösl die Situation vor Ort. „Landwirtschaft und Natur haben eindeutig Vorrang. Wie sich die Situation verändern kann, sieht man an der einst idyllischen Weibaugemeinde Monsheim, die von zahlreichen Logisthallen und weithin sichtbarem Gewerbe in die Zange genommen und das Landschaftsbild nachhaltig massiv negativ verändert wurde“, so der NABU und der BUND.


    Umweltverträglichkeit im Fokus


    Für die Naturschutzverbände wird insbesondere die Umweltverträglichkeit des geplanten Gewerbegebiets im Fokus stehen, da das Gebiet an die rund 65 ha großen Natura 2000-Gebiets „Klärteiche Offstein“, ein Schutzgebiet von europäischem Rang, angrenzt. Denn das bisher vorliegende Gutachten habe erhebliche Defizite in der methodischen Erfassung der Auswirkungen auf das Landschaftsbild, die geschützte Vogelwelt mit ihren Brutstätten und auf das Vogelschutzgebiet. „Die umliegenden Ackerflächen sind nämlich wertvolle Nahrungsgebiete für eine ganze Reihe von Vogelarten, die auf dem Zug ins Vogelschutzgebiet Klärteiche rasten oder im VSG brüten und auf den Agrarflächen nach Nahrung suchen. Nahe an die Grenzen des VSG gebaute Industrieanlagen werden Vögel stören“, heißt es in der Pressemitteilung weiter. Die Störung erfolge vor allem durch Lärm, Bewegungsstörungen der Menschen und Fahrzeuge sowie Bau. Und Wirtschaftsaktivitäten.


    Verschlechterung der Lebensraumsituation vermeiden


    Zudem gebe es seit einigen Jahren am Rande des Gebietes ein Landesprojekt zur Unterstützung des Kiebitz, das in diesem Jahr erfolgreich verlief. Es bestehe laut NABU und BUND die große Gefahr, dass ein Gewerbegebiet die Kiebitze erheblich stören und Nahrungsflächen verkleinern würde.


    „Im Natura 2000-Gebiet gilt es, eine Verschlechterung der Lebensraumsituation für die Zielarten zu verhindern, eher sollten diese verbessert werden“, fordert Daniel Steffen vom Vorstand des BUND Wonnegau. „Durch den Bau eines Gewerbegebietes ist aber davon auszugehen, dass die Lebensraumsituation eher verschlechtert wird, was unbedingt verhindert werden muss, wenn man die Schutzgebietsbestimmungen ernst nehmen möchte“.


    Umfassende Erhebung gefordert


    „Mittig im Plangebiet befindet sich ein vermutlich von Jägern angelegtes Biotop mit einem dichten Bestand an Büschen, Obstbäumen und naturnaher Wiesenfläche, in dem streng geschützte Tierarten einen Lebensraum haben. Auch diese und das Biotop würden verschwinden.“ NABU und BUND fordern daher die Planungsgemeinschaft auf, eine aktualisierte und umfassende Erhebung durchzuführen, die den aktuellen wissenschaftlichen Standards entspricht. Die Naturschutzverbände regen die Bevölkerung an, sich mit den Planungsunterlagen auseinanderzusetzen und Stellungnahmen einzureichen oder Unterschriften zu sammeln.


    „Die erneute Öffentlichkeitsbeteiligung bietet eine wichtige Gelegenheit für die Bürgerinnen und Bürger, noch bis zum 1. Oktober ihre Stimme zu erheben und die zukünftige Entwicklung ihrer Region aktiv mitzugestalten. Das könnte auch durch eine lokale Initiative vor Ort geschehen“, so Bösl abschließend.

    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige AmtsblattAnzeige Klinikum Worms - Tag der offenen TürAnzeige Ticketshop
    Anzeige das WormserAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige Tip Südhessen