
VON REGINA URBACH Draußen schien die Sonne. Trotzdem nahmen zahlreiche Wormser Familien mit kleinen Kindern das Jubiläumsprogramm zu 50 Jahren Wormser Theater am Sonntag wahr. Beliebt waren die Minitrampolinshow der „Panikstaffel“ und die Lesung von Andrea Liebers aus ihrem neuen Kinderbuch „Der Drache erwacht“, die allerdings unter Kommen und Gehen und hereinschwappenden Sounds der Band „Acoustic Radio“ im Foyer zu „leiden“ hatte. Dachterrasse und Galerie wurden bei dem milden Wetter ausgiebig zum Schwatz mit Bekannten oder für einen Imbiss genutzt. Das Interesse am Familienparcours verlief sich hingegen, sodass mitunter DRLK-Helferinnen und Helfer ebenfalls beim „Spielen“ mit Luftballons gesichtet wurden. Überschaubar bleiben auch die Zuhörer bei den Hörspielvorführungen von Paul & Pantoffel aus der „Konserve“.
Gespannt folgten viele im Theatersaal der Livekamera mit Bühnenmeister Jörg Taeffner durch die Treppenhäuser unter und hinter der Bühne, auf den Schnürboden und in einige der insgesamt 150 Künstlergarderoben. Für Konzerte ermöglichen die flexibel eingezogenen Wände eines Konzertzimmers eine gute Akustik, verriet Taeffner, der seit 33 Jahren am Theater arbeitet. Die Gänge wirkten eng, die technischen Vorrichtungen wie Bühnengewichte mächtig. Eine reale Führung ist aus Sicherheitsgründen nur mit bis zu zwölf Personen möglich. Befindet sich jemand auf der Bühne, so darf niemand auf den Schnürboden, denn schon ein herabfallender Kuli kann den Schädel eines Menschen dort unten durchbohren, verriet Taeffner. Für die musikalische Lesung „Rampenlicht“ ab 16 Uhr hatten die Organisatoren um Karlheinz Deichelmann ihre letzte Heylshoflesung „Vorhang auf“ erweitert, was wieder bestens beim Publikum ankam.
Einen „Beweis für Bürgersinn“ hatte zur Theatereröffnung 1966 Bundespräsident Lübke dem Wormser Theater per Grußwort an Heinrich Völker bescheinigt, und gewünscht, es möge ein „Symbol dafür sein, dass die materiellen Werte, die wir uns schaffen, uns nur äußerlich wohlhabend, aber nicht innerlich reich machen können.“ Für den morgendlichen Festakt vor geladenen Gästen spielte Moderator und Kabarettist Arnim Töpel den entsprechenden Redeausschnitt Völkers zur Theatereröffnung 1966 vor. Dessen Botschaft wurde anschließend von OB Kissel bestätigt. Kissel verschwieg auch nicht die „Meinungsvielfalt“ in Worms zum Neubau des WORMSERS vor fünf Jahren sowie die Namengebung selbst, für die man sich „mit einem Augenzwinkern“ entschieden hatte. Musikalisch trugen neben dem Orchester der Lucie-Kölsch-Musikschule (Leitung Wolfgang Neidhöfer) auch Kulturkoordinator Volker Gallé mit Rheinhessichem, der Künstlerische Leiter von Worms: Jazz & Joy, David Maier, mit seinem Worms-Song zur Einweihung 2011 sowie Töpel selbst mit dem Eigensong „Hier im WORMSER“ bei.
96-jährige Dauerabonnentin erobert die Herzen
Doch Highlight der Herzen blieb die 96-jährige Abonnentin Margot Saxer, die seit 1966 ununterbrochen Theaterfan geblieben ist, auch wenn sie kaum noch sehen kann. Nach ihrem größten Wunsch befragt, antwortete sie auf der Bühne: „eine große Oper- auch wenn ich weiß, die Stadt hat kein Geld.“ Die gepflegte weißhaarige Dame bedauerte eloquent, dass man sich heute kaum noch fein mache fürs Theater: „Ein langes Kleid und ein Pelzjäckchen mussten her, ob man nun Geld hatte oder nicht.“ Sie erntete herzlichen Beifall – und als Geschenk den Kunstdruck der extra für den Anlass geschaffenen Theatergrafik von Klaus Krier, die es auch an der Theaterkasse zu erwerben gab.
An den Kassen wurden Veranstaltungskarten und das Weihnachtsabo verkauft. Im Rahmen der Theaterjubiläumswoche sei noch auf die Veranstaltungen am Donnerstag, 10.11. („Die Sternstunde des Josef Bieder“) Freitag, 11.11. (Farid: „Magic Unplugged“) und Samstag, 12.11. („Der Kleine Horrorladen“) hingewiesen.
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