Für 60 Asylbewerber soll eine Unterkunft in Modulbauweise auf dem Motorpool-Gelände entstehen
Langfristig höhere Flüchtlingszahlen in Worms
Auf dem ehemaligen Gelände der US-Army könnte eine Flüchtlingsunterkunft entstehen. Foto: gernot Kirch
Von Gernot Kirch Jeder, der in diesen Tagen den Fernsehapparat einschaltet und die Bilder von den Krisengebieten mit Flüchtlingsströme in Syrien, dem Irak der Ukraine und Teilen Afrikas sieht, ist bewusst, dass das Leiden und die Not der Menschen auch in der Region ankommen wird. Die Konsequenz daraus ist, dass die Stadt Worms und der Wonnegau sich in den nächsten Jahren auf mehr Asylbewerber und Kriegsflüchtlinge einstellen müssen. Und dies wohl nicht nur kurzfristig, sondern als eine längerfristig Aufgabe. Ein Blick alleine auf Syrien macht die Dramatik deutlich. Aufgrund des dort seit Jahren tobenden Bürgerkrieges sind von den rund 20 Millionen Einwohnern rund zehn Millionen auf der Flucht, davon etwa 7,5 Millionen in Syrien selbst und 2,5 Millionen im Ausland. Alleine die Türkei hat rund 1,4 Millionen Syrer aufgenommen und der Libanon fast eine Millionen. Viele Experten sprechen von der weltweit größten Flüchtlingskatastrophe der jüngsten Zeit. Deutschland selbst hat bisher übrigens nur 8.000 Syrer aufgenommen und hat Zusagen für weiter 12.000 gegeben. Am 28. Oktober will Deutschland eine Konferenz zum Umgang mit Bürgerkriegsflüchtlingen aus Syrien abhalten.
300 Asylbewerber bis Ende 2014 Worms ist von der weltweit ansteigenden Flüchtlingszahl ebenfalls betroffen, wobei zwischen Asylbewerbern und Kriegsflüchtlingen unterschieden werden muss, letztlich aber dann doch wieder vieles zusammenhängt, weil viele Asylbewerber vor Kriegen und Verfolgung fliehen. Zu den Fakten. In der Nibelungenstadt gibt es zurzeit 220 Asylbewerber, bis Jahresende sollen noch einmal 90 dazukommen, was bedeutet, es werden dann rund 300 sein. Als Vergleich eine Zahl, im gesamten Jahr 2006 sind Worms nur 20 Asylbewerber vom Land Rheinland-Pfalz zugewiesen worden. Im nächsten Jahr könnten es nach vorsichtigen Schätzungen noch einmal rund 200 sein. Wobei zu den bis Ende 2014 prognostizierten 300 Asylbewerber in Worms nicht einfach 200 dazu gerechnet werden könne, sondern ja auch welche anerkannt werden oder abgewiesen werden und es somit keine 500 werden. Dennoch ist von einer hohen Zahl auszugehen, die auf Jahre auf einem hohen Niveau bleiben werden, denn von einem Ende der Krisen und Kriege ist nicht auszugehen.
Wie damit umgehen? Die Zahlen von alleine 300 Asylbewerber in diesem Jahr bedeuten einen so großen Sprung nach oben, dass die Menschen nicht problemlos aufgenommen und untergebracht werden können, da es keine geeigneten Unterbringungskapazitäten zur Verfügung stehen. Sah ein Konzept von Dezernent Waldemar Herder im Juni 2014 noch vor, Asylbewerber möglichst dezentral unterzubringen, um Gettos zu vermeiden, hebeln die jetzt erfolgten, massiven Zuweisungen diesen Ansatz teilweise aus. Zwar soll es möglichst dabei bleiben, dass in Worms nur die alleinstehenden Männer in sogenannten Gemeinschaftsunterkünften untergebracht werden, während Familien und alleinstehende Frauen in Wohnungen auf das Stadtgebiet verteilt werden, doch ob sich dies halten lässt, bleibt abzuwarten.
Bei den nun eintreffenden Flüchtlingszahlen ist Worms aber gezwungen, rasche Lösungen noch im Laufe des Jahres 2014, also bis November oder Dezember umzusetzen. Daher hat jetzt der Ältestenrat des Stadtrates aus Vertretern aller Fraktionen beschlossen, einen Prüfauftrag an die Verwaltung zu geben, ob auf dem Motorpool-Gelände, einem ehemaligen US-Areal, an der Bensheimer Straße eine Gemeinschaftsunterkunft in Modulbauweise errichtet werden kann. Dort sollen rund 60 alleinstehende Männer untergebracht werden. Als Information so viel, rund 70 Prozent aller Asylsuchenden sind alleinstehende Männer. Waren die Worms zugewiesen Asylsuchenden bisher überwiegend aus Afghanistan, Pakistan, dem Iran und Somalia, sind die Ethnieen inzwischen bunt gemischt. Sogar Ukrainer sind dabei, die aufgrund der russischen Aggression ihre Heimat verlassen mussten.
Einwohnerversammlung Dezernent Waldemar Herder möchte die Bürger des betroffenen Stadtteils in die anstehenden Maßnahmen einbinden und beabsichtigt daher - sobald es für die Machbarkeit am Standort „Motorpool“ grünes Licht gibt - noch in diesem Jahr eine Einwohnerversammlung durchzuführen. Die Entscheidung über den Bau müsse schnell geschehen, da die Zeit drängt, denn die Flüchtlinge werden jetzt sukzessive in Worms eintreffen. Weiter führte Waldemar Herder aus, dass die Stadt nur über begrenzte Flächen verfüge, auf der solche Anlagen entstehen könnten. Er würde sich daher freuen, wenn sich Privatpersonen finden, die geeignete Grundstücke besitzen und diese an die Stadt vermieten. Denn die Errichtungen weiterer Anlagen ist denkbar. Wobei diese über das gesamt Stadtgebiet verteilt werden sollen, um keine Gettos entstehen zu lassen. Daher sind eine Kapazität von 60 Personen am Motorpool die Obergrenze.
600.000 Euro pro Jahr Die Stadt Worms erhält für jeden Asylsuchenden pro Monat rund 500 Euro. Der Betrag setzt sich aus Bundes- und Landesmitteln zusammen. Die 500 Euro reichen jedoch nicht aus, sodass die Stadt Worms jedes Jahr insgesamt rund 600.000 Euro zuschießen muss. Hier fühlt sich Worms, wie auch viele andere Kommunen, von Land und Bund im Sich gelassen.