FORSTAMT RHEINHESSEN: Sperrungen in Herrnsheimer Klauern wegen vertrockneter Baumkronen / Umleitung für Waldbesucher eingerichtet
„Achtung Lebensgefahr!"
Das Forstamt hat zur Sicherheit der Waldbesucher den Verlauf des Waldpfades verändert. Karte: Landesforsten.RLP.de
Die klimawandelbedingt anhaltende Trockenheit schädigt viele Wälder in Rheinland-Pfalz massiv. Der Waldpfad in den Klauern unweit der Ortslage Herrnsheim kann in einem Teilabschnitt aus Sicherheitsgründen nicht mehr benutzt werden. Es herrscht Lebensgefahr durch herabfallende Äste und tote Bäume. „Wir sind dringend auf das Verständnis unserer Gäste in den Klauern angewiesen“, sagt Förster Joscha Erbes. Sperrungen müssen zur eigenen Sicherheit unbedingt beachtet und die eingerichtete Umleitung genutzt werden. Im Waldgebiet zwischen dem Badesee im Süden und der Landesstraße 425 wachsen bunt gemischt Eschen, Ahorne, Buchen und Eichen. „Die Eschen leiden schon lange am Eschentriebsterben. In den Trockenjahren 2018 bis 2020 haben die Waldschäden nun eine neue Dimension erreicht und viele der bis zu 175-jährigen Buchen vertrocknen einfach“, berichtet Erbes. Der Konflikt: Ein Teil dieser Buchen steht entlang des Waldpfades mitten im Waldrefugium. Dieses legt fest, dass der dortige Wald soweit als möglich unangetastet und sich selbst überlassen bleibt. „Hier hat der Naturschutz Vorrang vor der Naherholung“, begründet Erbes die Maßnahmen. „Tote Buchen oder Teile davon können jederzeit ohne Vorwarnung abbrechen und Spaziergänger erschlagen.“ Daher hat das Forstamt zur Sicherheit der Waldbesucher den Verlauf des Waldpfades verändert. Statt des bisherigen großen Rundweges wurde ein „Waldrefugium-Loop“ ausgeschildert. Hinter der Sitzgruppe dreht der Weg eine Schleife, um zurück zum Ausgangspunkt zu führen.
EWR als Kooperationspartner
Um diese Veränderung für Spaziergänger sichtbar zu machen, wurden die Wegemarkierungen verändert. Außerdem wurde eine neue Tafel zum Thema Waldrefugium aufgestellt, die Eingangstafel am Parkplatz Badesee erneuert und ein neuer Flyer gestaltet. „Die EWR AG aus Worms hat sich bereit erklärt, die anfallenden Kosten dafür zu übernehmen“, lobt der Förster den Kooperationspartner. Bereits 2013 bei der Einrichtung des Waldrefugiums hatte sich das Unternehmen finanziell beteiligt.
Waldrefugium
Waldrefugien sind ökologisch wertvolle Flächen und werden dauerhaft oder für eine Waldgeneration temporär aus der Nutzung genommen. Diese Flächen sind dem Arten- und Biotopschutz gewidmet. Eine natürliche Entwicklung wird hier ganz bewusst zugelassen. In den Klauern danken es u.a. sechs nachgewiesene Spechtarten.
Klimaschutz ist der beste Waldschutz
Extreme Witterungsverhältnisse häufen sich. Die Jahre 2018 und 2019 waren durch langanhaltende Trockenphasen während der Vegetationsphase geprägt. Auch 2020 verläuft bislang deutlich zu trocken. Bodenwasservorräte sind längst aufgebraucht und wurden im Winter erst gar nicht wieder aufgefüllt. Die Waldbrandgefahr steigt. Bäume vertrocknen und der Wald kann seine Ökosystemleistungen (u.a. Klimaschutzleistungen) nicht mehr wie gewohnt erfüllen. Die Forstleute fördern die Vorausverjüngung der Wälder, entwickeln Mischwälder, pflanzen punktuell neue, trockenresistentere Baumarten und unterstützen so die Entwicklung der Wälder hin zu mehr Stabilität in der Klimakrise. „Wir werden sehen, welche Baumarten überleben und diese dann gezielt fördern“, erläutert Erbes. Aber nicht nur die Forstleute können ihr Handeln anpassen. Jede und jeder Einzelne kann ihren oder seinen CO2-Ausstoß reduzieren und so einen kleinen Beitrag leisten, denn Klimaschutz ist der beste Waldschutz.