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  • Fr., 30. September 2016, 23:56 Uhr
    NK im Gespräch mit Wolfgang Niedecken/ Niedeckens BAP am 12. Dezember auf Jubiläumstournee im WORMSER /Vorverkauf läuft

    „Lebenslänglich“

    Der NK hat mit Frontmann Wolfgang Niedecken über vier Jahrzehnte BAP, die Liebe zum Rhein und mehr gesprochen. Foto: Tina Niedecken

    „Verdamp lang her“, „Kristallnaach“, „Ahnunfürsich“ oder „Frau, ich freu mich“: Mit diesen und unzähligen weiteren Songs trifft die Kölschrockband Niedeckens BAP seit nun mehr 40 Jahren den Nerv der Zeit – wenn das kein Grund zum Feiern ist! Anlässlich des Bandjubiläums geht die Formation auf Jubiläumstournee – und macht auch Halt in der Nibelungenstadt: Am Montag, 12. Dezember, um 20 Uhr, dürfen sich BAP-Fans im WORMSER auf ein Best-of in musikalischer Bestbesetzung freuen. Der NK hat mit Frontmann Wolfgang Niedecken über vier Jahrzehnte BAP, die Liebe zum Rhein und gar über das Ergebnis der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern gesprochen.


    NK: Herr Niedecken, seit 40 Jahren stehen Sie als Sänger von BAP auf der Bühne. War Ihnen von Anfang an klar, dass das Ihre Berufung ist?
    W.N.: Zunächst habe ich ja Malerei studiert und nach Ende des Studiums aus einer Laune heraus mit ein paar Bekannten, mit denen ich bereits in den 60ern eine Beat-Band hatte, wieder Musik gemacht. Wir haben uns einmal in der Woche im Proberaum getroffen und ein bisschen rumgerockt. Nur so zum Spaß, bis der Kasten Bier eben leer war.30


    NK: Wie kam es dann dazu, dass Sie Musik auf Kölsch gemacht haben?
    W.N.: Ich habe versucht ein Lied von „Crosby, Stills, Nash & Young“ nachzuspielen, bin aber bereits nach den ersten beiden Akkorden gescheitert. Da ich damals Liebeskummer hatte, ist dieser wohl irgendwie auf Kölsch auf diese zwei Akkorde geflossen, und so kam es zu dem ersten BAP-Song.


    NK: Wie haben Sie die letzten 40 Jahre erlebt?
    W.N.:  Im Gegensatz zu der Zeit vor BAP hat mir persönlich die Musik zunächst die wirtschaftliche Chance auf Familie gegeben. Ich konnte mir davor nicht vorstellen, mit meinem minimalen Verdienst als freier Maler jemals Kinder zu haben. Heute habe ich vier erwachsene Kinder. Das Musikbusiness hat sich natürlich während dieser vier Jahrzehnte stark verändert. Vor allem der Tonträgermarkt ist quasi zusammengebrochen. Künstler finanzieren sich heute in erster Linie über Liveauftritte und nicht mehr durch den Plattenverkauf.


    NK: Wieso wählten Sie den Titel „Lebenslänglich“ für Ihr Jubiläumsalbum?
    W.N.: Im letzten Song des Albums „Unendlichkeit“ heißt es „lebenslänglich sucht man Zuversicht“ und schließlich geht es uns doch allen so. Klar, auf dem Cover spiele ich dabei auf den Knast an, aber ich denke, auch das Eheversprechen kann man versuchen, als tatsächlichen Bund fürs Leben zu sehen und für mich sind 40 Jahre BAP ja auch schon fast ein ganzes Leben. Daher werden wir auf der Tour auch nicht nur Stücke aus dem neuen Album zum besten geben, sondern die beliebtesten Lieder aus vier Jahrzehnten Bandgeschichte spielen.


    NK: Auf „Lebenslänglich“ gibt es zärtliche und leise Töne, fröhliche Songs und auch wachrüttelnde politische Songs wie „Absurdistan“ oder „Vision vun Europa“. Wie bewerten Sie die aktuelle politische Lage in Europa und der Welt?
    W.N.: Momentan hält man schon die Luft an. In der Heftigkeit habe ich das nur damals während der Kuba-Krise erlebt. Was derzeit abgeht, trifft unsere Textzeile „Das Eis der Zivilisation wird dünner, Tag für Tag“ genau auf den Punkt. Allein dieses absurde Ergebnis bei der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern Anfang September. Im Bundesland mit der wenigsten Zuwanderung ist die Xenophobie am größten! Da könnte ich mich direkt wieder aufregen. Das beweist, die Faulheit der Wähler, sich mit politischen Hintergründen auseinanderzusetzen. Die träge Masse läuft lieber den Populisten hinterher, statt sich ein eigenes Bild zu machen. Ich habe auch echt keine Lust, solchen Menschen in den Arsch zu kriechen. Im Gegenteil, für uninformierte Wähler habe ich kein Verständnis, dann sollen sie besser gar nicht wählen. Die stimmen letztendlich auch über die Zukunft meiner Kinder ab.


    NK: Sind es genau diese Momente, die sie zum Schreiben Ihrer Texte nutzen?
    W.N: Ja, es ist tatsächlich so, dass ich mich dann zum Schreiben hinsetze, wenn mich etwas bewegt. Ein Thema, das mich umtreibt - sei es politisch, romantisch oder sonstwie geartet - will wohl ein Song werden. Ich texte dann auf Kompositionen meiner Bandkollegen, aber auch auf andere Songs. Es ist wirklich hilfreich,  zumindest eine provisorische Akkordstruktur oder eine Melodie zur Hand zu haben, dann wird der Text flüssiger.


    NK: Ihre musikalischen Vorbilder wie Dylan, Springsteen etc. sind bekannt, aber wie sieht es mit heutigen Künstlern aus - hören Sie auch aktuelle Musik?
    W.N: Ja, ich lausche auch ganz gerne den Kollegen Clueso oder Max Prosa. Bei den Dreharbeiten zu „Sing meinen Song“ in Südafrika hat mich Samy Deluxe - wohl aus Spaß -  gefragt, ob ich nicht sein Adoptivpapa werden möchte. Es ist also nicht so, dass ich mich nur mit „Helden“ meiner Jugend widme. Ich bin auch offen für heutige Musik und die Künstler, die sie machen.


    NK: Wenn Sie keine Musik machen….
    W.N: …lese ich viel und gehe in die Natur. Es stimmt, was schon Neil Young sagte `Der Wald ist meine Kirche´. In der Natur werde ich demütig und fühle mich zugleich gut aufgehoben.


    NK: Wie geht es Ihnen gesundheitlich?
    W.N.: Gut!! Klar gibt es mit 65 die eine oder andere Sollbruchstelle, aber mental fühle ich mich nicht anders als mit 30. Auf der Tour spielen wir ein über-dreistündiges Programm, aber wir haben immerhin das Glück, etwas zu tun, was wir wirklich gerne machen und dabei verfliegt die Zeit gradezu.


    NK. Welche Erinnerung verbinden Sie mit Ihrem letzten Gastspiel in Worms?
    W.N: Das Rheinufer und den Rhein. Ich schreibe in Köln meine Text ja auch stets mit Rheinblick. Für mich ist der Fluss das eigentliche Kölner Wahrzeichen. Mehr noch als der Dom. Und in Worms gehört der Rhein einfach auch schon immer zum Leben und zum Stadtbild. Ich erinnere mich noch gut an ein Restaurantschiff in Worms.


    NK: Sie meinen den Fürst. Der ist leider gesunken.
    W.N: Oh nein, das ist aber schade!


    NK: Herr Niedecken, herzlichen Dank für das nette Gespräch und viel Spaß im Dezember in Worms - wenn auch dieses Mal nicht Open Air am geliebten Rhein.


    Das Interview führte Vera Beiersdörfer


    Kartenvorverkauf
    Im Dezember kommen Fans auch in Worms auf ihre Kosten und dürfen die Band im Mozartsaal in Höchstform erleben. Karten für das Konzert gibt es für 48,90 Euro im Vorverkauf u.a. beim Nibelungen Kurier, Prinz-Carl-Anlage 20, 67547 Worms und bei allen weiteren Ticket-Regional-Vorverkaufsstellen. An der Abendkasse kosten die Tickets 54 Euro.

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