Do., 07. Januar 2021, 13:36 Uhr
WORMS: Stellungnahme des ADFC zum Mobilitätskonzept / Viele positive Beispiele
Lebenswerte Innenstadt als Chance für den Einzelhandel
„In der Diskussion um das Mobilitätskonzept wird immer wieder ein Argument strapaziert: Ein mutiges Verkehrskonzept sei der Todesstoß für den Einzelhandel und eine autogerechte Stadt sei die Grundvoraussetzung für eine prosperierende Stadt. Wenn dieses Argument stimmen würde, wäre Worms das Eldorado des Einzelhandels. In kaum einer anderen Stadt in der Region gibt es so viele innenstadtnahe Parkplätze, in kaum einer anderen Stadt ist das Parken so billig und in kaum einer anderen Stadt ist der Anteil des Fahrradverkehrs so gering wie in Worms. Irgendwas scheint an diesem Argument nicht zu stimmen", so der ADFC in einer Stellungnahme zum Mobilitätskonzept.
„Brutaler Wettbewerb"
Analysiere man die Wormser Misere ehrlich, komme man laut ADFC zu anderen Ursachen: „Der innerstädtische Einzelhandel steht in einem brutalen Wettbewerb mit den Einkaufszentren auf der grünen Wiese und mit dem Online-Handel. Unsere Innenstadt kann unter diesen Umständen nur überleben, wenn sie sich neu definieren. Sie muss Charme und Lebensqualität bieten. Sie muss zu einem Ort werden, an dem sich Menschen wohl fühlen. Nicht umsonst zählen Städte wie Heidelberg, Freiburg oder Marburg zu den schönsten Einkaufsstädten." Dies würde man laut ADFC nicht erreichen, wenn man dem Auto immer mehr Raum gäbe. „Die Folgen sieht man überall: Emissionen von Treibhausgasen, Verkehrslärm, Feinstaub, zugeparkter öffentlicher Raum und Dauerstaus."
Viele positive Beispiele
Laut ADFC gäbe es viele positive Beispiele, wie sich Städte mit einem mutigen Verkehrskonzept zu lebenswerten Orten entwickeln können. Die Vorbilder seien Luxemburg im Westen oder die Fuggerstadt Augsburg im Süden. „Dort wird der ÖPNV von allen bezahlt und alle dürfen ihn `umsonst` nutzen. Nicht so weit im Süden, in Offenburg, hatte man vor über 20 Jahren genau die gleiche Diskussion. Einer Stadt, die Worms in Struktur und Größe ähnelt, auch sie mussten vor wenigen Wochen ihren Karstadt schließen. Aber sie haben die Verkehrswende schon vor Jahrzehnten umgesetzt. 30 km-Zonen flächendeckend in der Innenstadt, teilweise als Spielstraßen ausgebaut. Keinen Durchgangsverkehr in der Kernstadt. Heute findet man dort Grünflächen, Ruhezonen, Gastronomie und natürlich auch einen vielfältigen Einzelhandel. Und es funktioniert!", erklärt der ADFC. Die Innenstadt pulsiere, man treffe sich nach dem Einkauf, man halte sich gerne in der Stadt auf und der Einkauf werde zum Erlebnis. „Und man glaubt es kaum: Dort darf man rund um die Uhr mit dem Fahrrad durch die Fußgängerzonen fahren."
Ein anderes Mobilitätskonzept sei laut ADFC daher nicht nur für den Umwelt- und Klimaschutz dringend notwendig, sondern auch, um Worms zu einer liebenswerten Einkaufsstadt zu machen und ihr damit eine Zukunft zu geben.