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  • Do., 24. Mai 2018, 17:47 Uhr
    Geschichte lebendig machen / Schilder an historischen Gebäuden in Leiselheim

    Leiselheimer Heimatverein stellt Unterfauth-Haus vor

    Der derzeitige Besitzer des Hauses in der heutigen Dr.-Illert-Straße 7 in Leiselheim hat das Schmuckstück mustergültig und fachkundig restauriert. Erbaut wurde es von einem „Unterfauth“ namens Hüttner oder Hüffner. Der Unterfauth war in Leiselheim der höchste kurfürstliche Verwaltungsbeamte. Sein unmittelbarer Vorgesetzter war der Oberfauth mit Amts- und Wohnsitz in Hochheim. Ihm war der Unterfauth von Leiselheim unterstellt, den man auch „Bürgermeister“ nannte.


    Er hatte jedoch eher die Aufgaben eines Laufburschen zu erfüllen, denn bevor die Franzosen eine neue Epoche brachten, verlangte die kurpfälzische Regierung mehr als einmal im Jahr Auskünfte über alles Mögliche: Listen über die Einwohner, den Viehbestand oder beispielsweise kriegsdienstpflichtige junge Männer melden. Besonders unangenehm war es, die ebenfalls von der Regierung angeforderten Untertanen für die ungeliebten Frondienste zu benennen. Das Bürgermeisteramt verlangte also einen Mann, der gut zu Fuß und zudem des Lesens sowie des  Schreibens kundig war.


    Was dieses Haus neben den Initialen C.I.H. noch auszeichnet und einmalig macht, ist das kurpfälzische Wappen links oben neben dem Eingang: Es zeigt die wittelsbachisch-bayrischen weiß-blauen Rauten sowie den welfischen Löwen — Heinrich der Löwe war ein Sohn des Pfalzgrafen und mit einer englischen Königstochter verheiratet. Der Bauherr des Jahres 1752 muss demnach auf seine Amtsautorität stolz gewesen sein.


    Aber die herausragende Stellung des Unterfauths war nicht immer nur ein Vergnügen, denn er musste die ordnungsgemäße Zahlung der Steuern überwachen sowie die vollständige Ablieferung des „Zehnten“ in seiner „Zehntscheuer“ kontrollieren. Diese stand im heutigen Garten hinter diesem Haus; einige verfallene Mauern dieser Scheune sind vom Neuweg aus noch zu erkennen.


    Ab der Franzosenzeit gibt es keinen Fauth mehr. Die Franzosen haben den Bürgermeister zum französischen „Maire“ gemacht. Die großherzoglich-hessische Regierung in Darmstadt hat diese Neuregelung der Verwaltung beibehalten.


    Text auf dem Schild


    Der oberste „Verwalter“ Leiselheims war in der kurpfälzischen Zeit bis 1798 der Unterfauth. Er war dem Hochheimer Oberfauth unterstellt. Die Pfalzgrafen am Rhein, die Landesherrn, gehörten zur Wittelsbacher Dynastie, daher das „bayrische“ Wappen. Hinter dem Haus stand die Zehntscheuer, in der die Naturalabgaben der Dorfbewohner eingesammelt wurden. Mauerreste von dieser Zehntscheuer sind noch vorhanden. Der Unterfauth wohnte in diesem Haus. Heute ist hier ein privates Wohnhaus.


    Weitere Infos unter:  http://heimatverein-leiselheim.de/Gebaeude/7.html

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