Pfrimmtal Realschule Plus: „Cluster" statt Klassenräume / Schüler, Lehrer, Raum und Zeit bestimmen die konzeptionelle Idee
„Lernräume werden anders gedacht"
Die Pfrimmtal Realschule Plus ist eine „Schule der Zukunft“, in der Lernräume „anders gedacht“ werden. Foto: Rudolf Uhrig
Von Rudolf Uhrig > Die Debatten um Bildungs- und Lehrermangel, um Integration und Inklusion erhitzen derzeit die landesweiten Gemüter. Ist man aber nun Lehrer oder Schüler in der Pfrimmtal Realschule Plus, die an der Nievergoltstraße ihr Domizil hat, scheint es, man ist in einer anderen Welt. Jene Schule hat einen Neubau bekommen, der mustergültig in Rheinland-Pfalz ist. „12 Jahre waren Schüler nach Pfeddersheim outgesourct", vollzieht Simone Gnädig, Schulleiterin den Zeitraum nach, „aber jetzt, jetzt sind Groß und Klein endlich wieder zusammen und vereint“. Es ist eine „Schule der Zukunft, Lernräume werden anders gedacht“ – 14,5 Million wert; wovon acht Millionen Euro seitens des Landes eingebracht wurden.
Offizielle Einweihung naht
Bald ist der große Tag der offiziellen Einweihung gekommen, an dem auch Dr. Stefanie Hubig (SPD), Staatsministerin und Ministerin für Bildung des Landes Rheinland-Pfalz, teilnehmen wird. Am Donnerstag luden Stadtentwicklungsdezernent Timo Horst und die Schulleitung unter Federführung von Simone Gnädig zum Presserundgang ein; auch aus dem Grund, da das Gebäude fast gänzlich fertig gestellt ist und die Schüler ihre neuen „Klassenräume“ bezogen haben.
Im Eingangsbereich werden die Schüler von einem Kickertisch, der Cafeteria und einem Kiosk empfangen. Foto: Rudolf Uhrig
„Eine Aula, in der alles möglich ist"
Tiefdunkle, Regen geschwängerte Wolken hängen über dem Neubau, der zugegebenermaßen von außen durchaus profan wirkt. Die wahren Werte aber sind tatsächlich im Inneren verborgen, auch im ideellen und pädagogischen Ansatz. Betritt man den Eingangsbereich empfangen den geneigten Besucher Kickertische, dahinter die Cafeteria, ein Kiosk in Selbstverwaltung. Nur wenige Meter entfernt befindet sich die Aula. Ein wahres Schmuckstück. Groß, freiflächig, mit steil ansteigenden Treppen, Licht tritt durch die Dachfester herein. „Es ist eine Aula, in der alles möglich ist“, erklärt Gnädig. „Es ist fast ein Amphitheater, in dem die Akustik hervorragend ist. Aber hier ist auch ein Ort der Begegnung, der Auszeit, lernen, meditieren, alles möglich, für einzelne aber auch für 250 Schüler, Lehrer und Besucher“.
„Lernen der Zukunft"
Schnell wird klar, wenn man deren steile Treppe erklimmt, um im Gebäude weiter und voran zukommen, hier sind keine Klassenräume im eigentlichen Sinne zu entdecken. Es sind „eigene Dimensionen, sogenannte Cluster“ – offen, gläsern, freizügig. Hier findet also das „Lernen der Zukunft“ statt. Dabei verweisen Horst und Gnädig auf die neuen Philosophien: „Schüler, Lehrer, Raum, Zeit!
Früher war klar, wie Unterricht auszusehen hat: Der Lehrer oder die Lehrerin steht vorne und erklärt, die Schülerinnen und Schüler hören zu und schreiben auf engen Bänken eifrig mit. Bis heute sind die meisten Schulen – zumindest architektonisch - auf eben diesen Frontalunterricht ausgerichtet. Ein Klassenzimmer reiht sich ans nächste entlang langer Flure, vorne eine Tafel oder ein Whiteboard, dazu ein Pausenraum und vielleicht noch eine Turnhalle. Wahrscheinlich aber auch noch obendrein sanierungsbedürftig? Auch wenn der klassische vortragende Unterricht immer noch eine wichtige Säule der didaktischen Palette ist, so ist dieser Neubau auf eine moderne, dem 21. Jahrhundert gerichtete Pädagogik angelegte."
„Wir machen unsere Träume wahr!“
Karsten Bohmann, Projektleiter, und Klaus Heil, städtische Abteilung 8.3 Architektur/ Projektmanagement, stehen an diesem Nachmittag für weitere Fragen zur Verfügung. So erklärt Bohmann, dass man hier fast co2-frei und somit klimaneutral ist. Lüftungen und Klimaanlagen wurden eingebaut; mehr als 28 Celcius werden im Inneren nicht erreicht. Horst ist voll des Lobes über die naturwissenschaftlichen Räume, so probiert er nicht nur die von der Decke absenkbaren Anschlüsse aus, sondern testet auch die Notdusche am Waschbecken, das mit bunten Wasserhähnen bestückt ist. Die Sitzmöbel-Gruppen der Münchner Künstlerin Lucia Dellefant sind bereits im letzten Jahr angekommen und stehen in den jeweiligen Clustern auf den Marktplätzen. Als „Kunst am Bau“ bilden sie insgesamt den Satz: „Wir machen unsere Träume wahr!“