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  • Di., 24. Januar 2017, 16:22 Uhr
    Umsetzbarkeit des geplanten Festspiel-Bühnenbildes 2017 getestet / Regisseur Nuran David Calis im Gespräch mit dem NK

    „Vorjahresniveau erneut erreichen“

    Von links: Kevin Sock, Albert Ostermaier, Nuran David Calis, Petra Simon, Irina Schicketanz und Jens Thiele gewährten der Presse während der ersten Bauprobe einen kleinen Einblick in die Nibelungen-Festspiele 2017. Foto: Vera Beiersdörfer


    VON VERA BEIERSDÖRFER | Flatterband und seltsame Stahlkonstruktionen am Fuße des Domes ließen kaum erahnen, dass etwas Großes auf Worms zukommt. Eben diese Baustellenatmosphäre sorgte jedoch am Dienstagmorgen für ein Medienaufgebot, denn die technischen Gewerke hatten zur Bauprobe für die diesjährigen Nibelungen-Festspiele geladen. Regisseur Nuran David Calis, Autor Albert Ostermaier, Bühnenbildnerin Irina Schicketanz sowie Lichtdesigner Kevin Sock informierten die anwesenden Pressevertreter dabei über die aktuellen Planungen für die Festspiele, die vom 4. bis zum 20. August 2017 stattfinden.

    Petra Simon, Künstlerische Betriebsdirektorin der Festspiele, bedankte sich während ihrer Begrüßung vor allem bei den Kollegen, die am Montagmorgen bei eisigen Temperaturen von minus 10 Grad die Aufbauten vorgenommen hatten. Bühnenbildnerin Irina Schicketanz erläuterte die hohe Relevanz einer Bauprobe. Da die Westseite eine kompaktere Kulisse erfordere, habe sie sich für ein Bühnenbild entschieden, das sich in die Höhe begibt. Wichtig sei nun, die verschiedenen Niveaus auszutesten. Eine angedeutete Leinwand belegt, dass Filmeinspielungen auch 2017 wieder eine große Rolle spielen. Die Stahlkonstruktionen stellen Gleise dar, auf denen sich im Sommer ein Zugwagon über den Domplatz bewegen wird.

    Im dritten Jahr der Intendanz von Nico Hofmann wird es erneut eine Uraufführung auf der imposanten Freiluftbühne vor dem Wormser Dom geben. Präsentiert wird das neue Stück „GLUT. Siegfried von Arabien“  aus der Feder von Autor Albert Ostermaier. Im Vergleich zu 2016 findet die Handlung nicht in der Gegenwart statt, sondern ist ein Zeitsprung zurück in das Jahr 1915. Während des 1. Weltkrieges bahnt sich ein Zug seinen Weg durch den Orient hin zu den persischen Ölfeldern der Briten.

    Mit an Bord als deutsche Theatergruppe getarnte preußische Agenten. Verborgen unter ihren Koffern ist der ganze Zug voller Waffen und Sprengstoff. Nach dem großen Erfolg in 2016 mit dem jungen, modernen Regieansatz, konnte Nuran David Calis für eine weitere Aufführung gewonnen werden. In diesem Jahr wird der profilierte Regisseur auf der Westseite des Domes inszenieren, auf der erstmals seit 2013 wieder gespielt wird. Im Gespräch mit dem NK gab er einen ersten Einblick in Stück und Aufführung der kommenden Nibelungen-Festspiele.

    NK: Herr Calis, bereits 2016 waren Sie der Regisseur der Nibelungen-Festspiele. Wie haben Sie Ihr erstes Jahr in Worms erlebt?

    Calis: Großartig! Es macht Spaß, so tief in eine Materie eintauchen zu können. Bei den Festspielen sind alle Beteiligten auf die Nibelungen fokussiert, das sind tolle Voraussetzungen für eine gelingende Zusammenarbeit. Außerdem habe ich die Pfalz für mich entdeckt. Die Weinstraße ist ein fantastisches Ausflugsziel.

    NK: Wieso haben Sie sich für eine Fortsetzung mit dem „alten“ Team entschieden?

    Calis: Ich arbeite auch an anderen Theatern stets mit diesem Team zusammen. Im Laufe der Zeit ist daraus ein tiefe, künstlerische Freundschaft erwachsen.

    NK: Welche Herausforderungen stellt das aktuelle Stück an Sie?

    Calis: Es lastet ein hoher Druck auf dem gesamten Team. 2016 lief es sehr gut und wir müssen uns an dem hohem Vorjahresniveau messen lassen. Wir möchten dem Publikum natürlich eine mindestens genauso gute, wenn möglich, noch bessere Inszenierung als im vergangenen Jahr bieten.

    NK: Das Stück von Albert Ostermaier ist eine Auseinandersetzung mit den Umwälzungen der europäischen Geschichte. Wie verweben sich Glaubenskämpfe und Kolonialismus mit der Nibelungensage? Welchen Bogen spannt das Stück womöglich auch auf aktuelle Weltgeschehnisse?

    Calis: Autor Albert Ostermaier hat die Sagen-Figuren wie Hagen, Kriemhild etc. klar erkennbar in die Geschichte hineingeschrieben. Hinter der Theatergruppe, die angeblich deutsches Kulturgut in die Fremde bringen will, verbergen sich Agenten der preußischen Armee, die gezielt Anschläge verüben sollen, um feindliche Regionen zu schwächen. Das Thema Terror bringt man heutzutage mit dem IS in Verbindung. Tatsächlich gab es diese beschriebenen preußischen Agenten – geplanter Terror vor mehr als 100 Jahren. Geopolitische Probleme, die durch den damaligen Kolonialismus verursacht wurden, schwingen heutzutage noch in der Weltpolitik mit.

    NK: Was wünschen Sie sich für die kommende Festspielzeit?

    Calis: Ich wünsche mir, dass die Zuschauer die Inszenierung in diesem Sommer genauso gut annehmen, wie die Komödie im letzten Jahr.

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