
Das Rheinhessen-Jubiläum nahm die Evangelische Erwachsenenbildung zum Anlass, einen ganz besonderen Akzent zu setzen. 160 Interessierte aus der gesamten Region fuhren am vergangenen Sonntag mit dem Schiff rheinabwärts von Worms nach Bingen. Eine Zeitreise durch zwei Jahrhunderte – mit Musik, Theaterbegegnungen und auch jeder Menge Informationen über Menschen, die die Region geprägt hatten. Los ging es am Nachmittag am Wormser Hagen Denkmal mit der „Robert Stolz“, dem Flaggschiff der Familie van de Lücht.
"Eine Region wie diese wäre ohne die Kirchen nicht denkbar", wandte sich Dr. Klaus-Volker Schütz, Propst für Rheinhessen, in seiner Begrüßung an die Gäste auf dem Schiff. Daher sei von vorn herein klar gewesen, dass auch die Evangelische Kirche sich am Rheinhessen-Jubiläum beteilige, erläuterte Schütz. Dass die verschiedenen Veranstaltungen im Jubiläumsjahr so viel Zuspruch fänden, damit hätte er nicht gerechnet und freute sich deshalb umso mehr über die vielen Menschen auf dem Schiff.
Hartmut Müller, Marianne Steinmetz, Jürgen Kuntze und Roland Tenten starteten im Anschluss eine musikalische Zeitreise, angefangen im Jahr 1816 in Wien, der Stadt, der wir unser Rheinhessen zu verdanken hätten, wie die Musiker erklärten. In Halbjahrhundertschritten ging es weiter von gefühlvollen Balladen wie „These boots are made for walking“ von Nancy Sinatra oder Songs von Udo Jürgens, bis hin zu rheinhessischen Liedern über Loreley und den Rhein und die heutige Zeit.
Die musikalischen Pausen nutzen Prof. Dr. Werner Zager, Isa Mann und Martina Schott für eine literarische Zeitreise durch Rheinhessen: Neben Johanna Senfter, Albert Schweitzer, Karl Bechert, Franz Joseph Helferich fand auch Elisabeth Langgässer, die eigentlich sogar katholisch war, Erwähnung.
Der Blick vom Schiff auf Rheinhessen erlaubte den Mitreisenden eine neue Sicht auf die Region. Besonders der musikalische Gruß vom Mainzer Ufer durch den Präfekt Jeanbon St. André und seinen Jakobinern aus dem 19. Jahrhundert war eine gelungene Abwechslung zur ruhigen und entspannten Schifffahrt auf dem Rhein.
Ebenfalls für beste Unterhaltung auf der Robert Stolz sorgten vier Schauspieler der Theatergruppe Kauderwelsch, die Szenen aus dem rheinhessischen Alltag vollkommen authentisch erzählten. Voll in seiner Rolle war „Walter vom Schalter“, ein Bankmitarbeiter, der eine Fahrrad-Reise bei der Zeitung gewonnen hatte, jetzt jedoch aufgrund eines platten Reifens mit dem Schiff unterwegs war. Hebamme Magdalena saß gemeinsam mit Salome Schnäbele, einer Haushälterin und Liesbeth Steigmüller, einer Magd, die unentwegt am Sockenstopfen war, am Tisch. Immer wieder entbrannte die Diskussion über die Rolle der Frau am Tisch.
"Eine insgesamt gelungene Reise durch 200 Jahre evangelisch in Rheinhessen", resümierte auch Prof. Dr. Zager am Ende der Fahrt. Auch die Stimmen der Schiffsreisenden waren sehr positiv. So befanden die beiden Cousinen Heike Dittmar und Bärbel Welke, die gemeinsam mit ihren Freundinnen unterwegs waren, die Reise als "sehr informativ, abwechslungsreich und gut vorbereitet - ein gelungener Sommertag auf dem Schiff."
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