Do., 10. August 2023, 14:32 Uhr
Die Betrugsmaschen am Telefon bleiben weiterhin ein Mittel für Straftäter, um schnell an Geld zu kommen. In Rheinland-Pfalz konnte im Juli dieses Jahres eine Anrufwelle mit über 1.000 Callcenter-Betrugsfällen, davon etwa 120 vollendete Taten, registriert werden. Vor kurzem schlugen falsche Polizisten im Raum Koblenz zu und konnten ihr Opfer um einen sechsstelligen Betrag betrügen. Für das Nibelungenland erklärte Jan Magdic, Pressesprecher der Wormser Polizeidirektion: „Im Allgemeinen gibt es zwar häufig Fälle von Betrugsmaschen, in den vergangenen Monaten hat es jedoch keine erhöhte Aktivität gegeben. Dabei ist jedoch auch eine Dunkelziffer zu bedenken, da nicht jeder Vorfall angezeigt wird.“
Vorwiegend ältere Menschen werden als Opfer ausgewählt und mit ständig neuen Tricks und erfundenen Geschichten unter Druck gesetzt, um Bargeld, Schmuck und andere Wertgegenstände zu erbeuten. Hier die gängigsten Maschen im Überblick:
Falsche Polizisten
Die erste Kontaktaufnahme verläuft über das Telefon. Die Betrüger geben sich dabei als Amtsperson, oft als Polizeibeamte aus. Häufig nutzen die Straftäter eine spezielle Technik, die auf dem Telefondisplay der Angerufenen die Notrufnummer 110 oder der örtlichen Polizeidienststelle anzeigt. Unter einem Vorwand wie beispielsweise, die Polizei habe Hinweise auf einen geplanten Einbruch, gelingt es den Betrügern immer wieder, glaubwürdig zu vermitteln, dass Geld und Wertsachen im Haus nicht sicher seien. Daher müsse alles in Sicherheit gebracht werden und einem Polizisten in Zivil ausgehändigt werden, der vorbeikäme.
Enkeltrick
Beim Enkeltrick geben sich die Täter als Verwandter aus. Rhetorisch geschickt wird eine ausgeklügelte Geschichte erzählt, um das Vertrauen zu gewinnen. Hierbei wird eine finanzielle Notlage, wie beispielsweise eine Notoperation oder der Kauf einer Immobilie vorgetäuscht. Die Situation wird immer als äußerst dringlich dargestellt. Der angebliche Enkel gibt an, dass jemand anderes das Geld abholen komme, da er selbst verhindert sei.
Messenger-Betrug
Weit verbreitet ist inzwischen auch die Betrugsmasche per Messenger-Dienst. Dabei geben sich die Täter als Verwandte oder Bekannte aus und behaupten, dass die angezeigte Rufnummer die neue Erreichbarkeit sei. Im Anschluss wird um die Überweisung von Geldbeträgen gebeten, da man sich in einer Notlage befinde oder aktuell selbst keine Überweisungen vornehmen könne. Meist beginnt die Textnachrichten der Betrüger mit: „Hallo Mama/hallo Papa, mein Handy ist kaputtgegangen. Hier meine neue Nummer. Die alte Nummer kannst du löschen.“ Das im Laufe des Gesprächs geforderte Geld, meist einige tausend Euro, landet auf einem Konto der Betrüger.
Falsche Bankmitarbeiter
Ebenfalls weit verbreitet und sehr erfolgreich agieren die Täter indem sie sich am Telefon als Bankmitarbeiter ausgeben. Meist haben die Täter bereits vor dem gezielten Anruf Zugang zum Online-Banking des Opfers. Daher verfügen die Täter über hinreichende Informationen und können die Opfer leicht täuschen. Im Gesprächsverlauf fordern die Täter die Bestätigung einer pushTAN um angeblich eine ungerechtfertigte Abbuchung zu verhindern. Durch die Bestätigung der pushTAN wird den Tätern ermöglicht, zahlreiche Abbuchungen durchzuführen. Die Schadenssumme variiert von 1.000 bis über 100.000 Euro.
Das Landeskriminalamt und die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz geben Tipps, wie Sie sich und Ihre Angehörigen vor den Betrügereien schützen können:
- Hörer auflegen! Das ist nicht unhöflich
- Die Polizei ruft niemals unter der Polizeinotrufnummer 110 an
- Nie Geld oder Wertsachen an Unbekannte übergeben!
- Die Polizei wird niemals dazu auffordern, Geld oder Wertsachen herauszugeben
- misstrauisch sein, wenn sich jemand am Telefon mit den Worten "Rate mal, wer hier spricht!" meldet, ohne sich selbst namentlich vorzustellen
- Nicht die Rückwahltaste nutzen! Bei Rückfragen an die Polizei die Telefonnummer der örtlichen Dienststelle selbst über die Tasten eingeben
- In allen Fällen telefonische Rücksprache zu Angehörigen halten oder diese unter der bekannten Nummer kontaktieren
- Banken benötigen keine pushTAN-Bestätigung um eine unberechtigte Überweisung zu stoppen
Weitere Informationen finden Sie unter:
www.polizei-beratung.de/themen-und-tipps/betrug/enkeltrick/
www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/aktuelles/detailansicht/sicher-im-messenger-dienst-schuetzen-sie-sich-und-ihre-kontakte-vor-betrug/
www.verbraucherzentrale-rlp.de/wissen/digitale-welt/mobilfunk-und-festnetz/hallo-mama-hallo-papa-betrugsversuche-ueber-whatsapp-und-sms-72910
www.verbraucherzentrale.de/wissen/vertraege-reklamation/abzocke/unerwarteter-anruf-von-der-verbraucherzentrale-vorsicht-falle-11112