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Do., 28. Juli 2022, 15:38 Uhr
ZUCKERRÜBENANBAU: Feldbegehung NIKIZ in Ibersheim mit Staatssekretär Andy Becht
Lösungen für neue Herausforderungen entwickeln
Bei dem Termin vor Ort wurden die Aufgaben des Projektes NIKIZ erläutert.
Klimawandel und zunehmende Wirkungsverluste oder auch Verbote von Pflanzenschutzmitteln stellen den Zuckerrübenanbau aktuell vor große Herausforderungen. Insbesondere im Südwesten Deutschlands führen klimatische Veränderungen zu einem erhöhten Schädlingsdruck und Krankheiten. Klar ist: der Zuckerrübenanbau will sich klimaresilient, nachhaltig und zukunftssicher aufstellen. Ganz wichtig ist dabei die Forschung und Entwicklung. Vor zweieinhalb Jahren begann daher das NIKIZ-Projekt (Nachhaltiges Insekten- und Krankheitsmanagement im Zuckerrübenanbau der Zukunft) mit Förderung des Landes Rheinland-Pfalz und der Europäischen Union. Hier sollen Lösungen für die neuen Herausforderungen entwickelt werden. Staatssekretär Andy Becht vom Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau besuchte die Forscher auf dem Rübenacker in Worms-Ibersheim und stellte fest, dass das NIKIZ-Projekt dank der Förderung durch die Europäische Innovationspartnerschaft in Rheinland-Pfalz eine hervorragende Forschungs- und Entwicklungsplattform für Südwestdeutschland gebildet hat. 16 Partnerbetriebe in Rheinland- Pfalz, Hessen und Baden-Württemberg arbeiten in dem Projekt mit Beratung und Forschung zusammen.
Helen Pfitzner und Johannes Knab vom NIKIZ-Projekt erläuterten, dass es die Aufgabe des Projektes sei, neue Methoden zum Schädlingsmanagement der Zukunft zu entwickeln. Dabei hat das Projekt erstmalig eine Datengrundlage für die digitale Befallsvorhersage der untersuchten Schädlinge und Krankheiten geschaffen und damit schon jetzt ein wesentliches Ziel erreicht. Basis dafür bildet die Durchführung eines überregionalen Monitorings der Schädlinge Schilf-Glasflügelzikade und Blattläuse. Insekten, wie beispielsweise Blattläuse, vermehren sich durch den Klimawandel in ungewohnt hoher Zahl.
Eine Promotion an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, die durch die Stiftung Südwestdeutscher Zuckerrübenanbau finanziert wird, erarbeitet gemeinsam mit dem Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie in Gießen neuste Erkenntnisse zu Insektenschädlingen und Vergilbungskrankheiten in der Zuckerrübe. Pflanzen- und Insektenzuchten im Gewächshaus ermöglichen ganzjährig Versuche mit den Schaderregern. In Gießen fand auch ein umfangreiches Screening insektenfeindlicher Mikroben statt, die in Zukunft den Pflanzenschutz ergänzen könnten.
Am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Bad Kreuznach haben NIKIZ-Mitarbeiterinnen gleichzeitig tausende Analysen der eingesammelten Zuckerrüben auf Krankheiten durchgeführt. Dadurch erhielt man neue Karten über das räumliche Auftreten der Erreger. Am Standort Gießen wurden darüber hinaus hochsensible Nachweismethoden für SBR weiterentwickelt, die jetzt mehr und genauere Analysen erlauben.
Andy Becht zeigte sich begeistert davon, wie gut und vielversprechend das NIKIZ-Projekt vorangeschritten ist. „Hier wird wichtige Grundlagenarbeit für die spätere Praxisanwendung geleistet. Alternative Pflanzenschutzangebote oder neue Sorten sind zukunftsweisende Lösungen für den Zuckerrübenanbau“, betonte Becht. Auch Walter Manz, Vorsitzender des Verbandes der hessisch-pfälzischen Zuckerrübenanbauer, machte deutlich, dass durch NIKIZ entscheidende Impulse für das Überleben des Zuckerrübenanbaus gesetzt wurden. Bestes Beispiel dafür sei die gelungene Veränderung des Sortenspektrums der angebauten Rübensorten.
Anna Dettweiler, Teamleiterin des zukünftigen Projektes SONAR, betonte, dass eine auf die Region abgestimmte Sortenwahl einen wichtigen Pfeiler im Krankheits- und Schädlingsmanagement des integrierten Pflanzenschutzes darstelle. Das Projekt SONAR (Sortenwahl für Nachhaltigkeit und Resilienz) soll die optimale Sortenwahl digital ermöglichen.
Anhand der Streifenversuche konnten sich die Besucher des Feldtages ein gutes Bild von der Vielfalt angebotener Sorten und ihrem Leistungsprofil machen. Die Exaktversuche am gleichen Standort ermöglichen nach der Ernte im Herbst die Feststellung von Ertrag und Qualität aller neuen Sorten für die Region.
Das Projekt wurde fortlaufend durch bisher 7 Praktikanten sowie 6 Bachelor- und Masterarbeiten an Hochschulen unterstützt.
Andy Becht lobte die großartige Zusammenarbeit der NIKIZ-Projektpartner unter Leitung des Verbandes. Konstruktiv von Seiten der Praxis gemeinsam die Probleme mit der Beratung und der Forschung anzupacken, sei eine zukunftsweisende Strategie und die Saat für Innovation. Er wünschte den Projektpartnern weiterhin viel Erfolg und sicherte die Unterstützung des Landes zu, wenn es darum gehe, den Rübenanbau und insgesamt den Ackerbau in Rheinland-Pfalz klimaresilient und zukunftsfähig zu erhalten.