
Von Vera Beiersdörfer Dutzende Eltern im gesamten Wormser Stadtgebiet sind entsetzt. Nachdem über 20 Familien betreuter Kinder am 23. Januar die Nachricht erhalten hatten, dass der „Hort im Grünen“ geschlossen werden soll, stehen etliche Mamas und Papas vor einem erneuten Betreuungsproblem ihrer lieben Kleinen. „Was bringt uns eine Betreuung für Zweijährige und ein Kindergartenplatz bis in den Nachmittag, wenn wir berufstätigen Eltern mit Schulbeginn unserer Kinder wieder bei Null anfangen müssen? Bedarfsgerechte Betreuungsmöglichkeiten für Grundschüler in Worms sind extreme Mangelware!“, bemängelt Britta Käufer, Mutter eines neunjährigen schulpflichtigen Sohnes.
Der „Hort im Grünen“ ist ein Eckpfeiler in der außerschulischen Betreuung Wormser Grundschüler und für zahlreiche Familien unverzichtbar. Derzeit werden 23 Wormser Kinder, die aus insgesamt acht verschiedenen Grundschulen im Stadtgebiet stammen, nach Schulschluss im Wäldchen betreut. Neben dem außergewöhnlichen Konzept, das auch viele Aktivitäten im Freien vorsieht, wissen die Hort-Eltern vor allem auch die flexiblen Betreuungszeiten zu schätzen, was die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erheblich erleichtert. Nachdem sich im vergangenen Sommer die Trägerschaft des Horts geändert hatte – zuständig ist nicht mehr der DRK-Ortsverein Worms, sondern der DRK-Landesverband Rheinland-Pfalz mit Sitz in Mainz – wurde die Kapazität bereits heruntergefahren. Die Eltern wurden nun durch die Nachricht, dass der Hort zum Ende des laufenden Schuljahres u.a. aus finanziellen Gründen geschlossen wird, vor vollendete Tatsachen gestellt. Die Benachrichtigung über das Aus des Horts wiegt schwer und trifft auch Ivonne Skroblin erheblich: „Als zweifache Mutter mit einem Arbeitspensum von 30 bis 40 Stunden pro Woche hängt die Ausübung meines Berufs von einer guten außerschulischen Betreuung ab. Ich muss mich auf eine flexible Unterbringung verlassen können, bei der ich die Kinder zwischen 16 und 17 Uhr abholen kann. Mir ist wichtig, dass es dort ein warmes Mittagessen gibt, eine qualifizierte Hausaufgabenbetreuung und die Möglichkeit von Aktivitäten im Freien. All das hat mir der "Hort im Grünen" geboten und deshalb setzte ich mich für seine Erhaltung ein“. Ivonne Skroblin arbeitet in Ludwigshafen und Mannheim, ihr Sohn besucht die 2. Klasse der Westend-Grundschule, ihre Tochter geht derzeit in den DRK-Waldkindergarten und kommt nach den Sommerferien in die Schule.
Elterninitiative gegründet
In der vergangenen Woche hat sich daher eine Elterninitiative gegründet, die sich gegen die Schließung des „Hort im Grünen“ und der „Ferien im Grünen“ einsetzt und sich für eine Verbesserung der misslichen Betreuungsmöglichkeiten von Grundschülern in Worms stark macht. „Wir fordern eine Fortführung der Betreuung und wollen auf die insgesamt prekäre Lage der Betreuungsmöglichkeiten von Grundschülern aufmerksam machen. Wir verstehen uns aber nicht bloß als Sprachrohr der betroffenen Familien, sondern stehen auch für all diejenigen, die bislang vergeblich einen nachmittäglichen Betreuungsplatz ihrer schulpflichtigen Kinder suchen sowie für Eltern der nachrückenden Kindergartenkinder“, erklärt die Mutter das Vorhaben der Elterninitiative.
Weiterhin bedauern die betroffenen Eltern, dass die Chancen, die bislang vom DRK betreuten Hort-Kinder in einer anderen, vergleichbaren Einrichtung unterzubringen, sehr schlecht stünden. Sofern überhaupt an die Grundschule angegliederte Betreuungsmöglichkeiten vorhanden sind, gibt es bereits lange Wartelisten dafür. Nächstes Problem ist die Ferienbetreuung: Denn auch die „Ferien im Grünen“ sollen ebenfalls eingestellt werden. Diese vom DRK organisierten Ferienspiele waren stets eine „feste Bank“ im Ferienangebot der Stadt, die mit Betreuungszeiten von 8 bis 17 Uhr auf die Bedürfnisse berufstätiger Eltern zugeschnitten waren. Die neu gegründete Elterninitiative möchte auch die Schließung dieser elementaren Wormser Betreuungsmöglichkeit für Grundschüler nicht einfach hinnehmen. „In Zeiten, in denen Themen wie Bildung, Kinderbetreuung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie allerorts – gerade wieder im Vorfeld der Landtagswahl – diskutiert werden, fordern wir deshalb, dass alle Möglichkeiten zur Aufrechterhaltung beider Angebote geprüft werden“, so die Eltern. „Ein mangelndes Betreuungsangebot für Grundschulkinder schlägt sich übrigens in den Augen berufstätiger Eltern auch auf die Attraktivität von Worms sowie für die Stadt als Wirtschaftsstandort nieder. Es handelt sich hierbei also keineswegs um ein reines Elternproblem, sondern auch die Stadt sollte – selbst wenn es in Rheinland-Pfalz keinen Rechtsanspruch gibt, sondern „nur“ eine Soll-Vorschrift – ein Interesse daran haben, dass für eine ausreichende Zahl an Betreuungsplätzen gesorgt ist“, appelliert Britta Käufer im Namen der Elterninitiative abschließend an die zuständigen Stellen.
Das nächste Treffen der Elterninitiative ist für Samstag, dem 20. Februar, um 10 Uhr, anberaumt und findet im BLIQ in der Boosstraße 3 statt. Alle betroffenen und interessierten Eltern sind herzlich dazu eingeladen.
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