Di., 03. November 2015, 17:08 Uhr
Multimediale Installation in der Dreifaltigkeitskirche
Luthers Herzmetaphern
Ernste, tiefgründige Botschaft packend inszeniert: Was der Künstler Ingo Bracke in Worms schuf, war ein einmaliges Spektakel, das die Dreifaltigkeitskirche so noch nicht erlebt hat. Großes Kino am Abend des Reformationstages, das von vielen Wormsern besucht und angenommen wurde.
Kirche kann auch modern - und wie modern, das bewies die Dreifaltigkeitskirche am Samstagabend bei der Vermittlung klassischer kirchlicher Themen unter dem Einsatz moderner Medien und dem Engagement eines aufstrebenden Künstlers: Ingo Bracke ist studierter Architekt, Bühnenbildner und Lichtdesigner. Diese Eigenschaften verband er am Samstag, dem Reformationstag, in Worms und erschuf eine polymediale Installation, die zahlreiche Besucher in ihren Bann zog. Der Titel lautete „Lev, Dor, Kardia, Herz“ - also der Begriff „Herz“ in den Sprachen hebräisch, griechisch, lateinisch und deutsch.
Den ganzen Abend lang bis in die Nacht hinein herrschte ein reges Kommen und Gehen in der Kirche am Marktplatz. Schon von außen sah man ein gewaltiges Spektakel: Die westliche Fassade der Kirche überzog Bracke mit Worten aus der Theologie Martin Luthers - ein eindrucksvolles Spektakel, das schon ankündigte, was man gleich darauf innen sehen sollte. Der gesamte Altarraum wurde von links nach rechts eine einzige Projektionsfläche für starke Bilder: Flammen, Ausschnitte aus der Bibel, tanzende Mosaike, Menschen, berühmte Szenen der Kunst. Begleitet wurde das Ganze von einem Klangteppich vom Band; epische Musik, auf die selbst der große Filmkomponist Hans Zimmer neidisch wäre, aber auch ruhige, meditative Klänge. Hier war die Devise: Hinsetzen und faszinieren lassen.
Dramaturgisch etwas geordneter ging es am späten Abend zu, als andere Künstler Ingo Brackes Installation vervollständigten. Tänzer Michael Langeneckert, Sounddesigner Bernd Wegener, Organistin Ellen Drolshagen und Pfarrer Achim Müller unterstützten das Visuelle jeweils mit ihren eigenen Fähigkeiten. Nahezu buddhistisch mutete das Glockenspiel Wegeners an, thematisch passend Müllers literarische Vorträge zum Thema Herz. Die Besucher waren sich einig: Die Dimension dieses Gemeinschaftsprojekts von Stadt, Gemeinde und der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) ist einzigartig, einer der Meilensteine des Mottos „Bild und Bibel“ des Lutherdekadenjahres 2015.