Erster Stolperstein für verfolgten Zeugen Jehovas in Worms unter großer Beteiligung der Bevölkerung verlegt
Mahnung und Erinnerung zugleich
Der Stolperstein für Jakob Krämer wurde am Mittwoch unter großer Teilnahme der Bevölkerung in der Sitzinger Straße in Worms-Pfiffligheim verlegt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Verlegung von Stolpersteinen ist ein Projekt des Künstlers Gunter Demnig, das im Jahr 1992 begann. Mit im Boden verlegten kleinen Gedenktafeln soll an das Schicksal der Menschen erinnert werden, die in der Zeit des Nationalsozialmus verfolgt, deportiert und ermordet wurden. In Worms wurde der erste Stolperstein 2006 verlegt, inzwischen sind es rund 170 dieser Messing-Gedenktafeln, die über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. Sie sind Mahnung vor Rassismus und Nationalismus genauso wie sie ein wichtiger Teil der Erinnerungskultur an das düsterste Kapitel deutscher Geschichte sind.
Am Mittwoch wurden in der Nibelungenstadt wieder mehrere Stolperstein verlegt, darunter erstmals einer, der an einen Zeugen Jehovas erinnert. Rund 100 Bürger waren trotz nasskaltem Wetter nach Worms-Pfiffligheim in die Sitzinger Straße gekommen, um an der würdevollen Zeremonie teilzunehmen. Der Stein mit der Messingtafel erinnert an Jakob Krämer, der aufgrund seiner Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas dreimal festgenommen wurde und in neun verschiedenen Haftanstalten und Konzentrationslagern insgesamt acht lange Jahre der Demütigung und Misshandlung ausgesetzt war. Seine Schwiegertochter Erika Krämer erzählte mit getragenen Worten die Lebensgeschichte von Jakob Krämer, der kurz nach der Jahrhundertwende in Worms geboren wurde und Schreiner war. Erstmals wurde Jakob Krämer wegen seines Glaubens im Jahr 1934 verhaftete und damit begann das Martyrium, das mit kurzen Unterbrechungen bis 1945 andauern sollte. Jakob Krämer überlebte die Konzentrationslager als kranker Mann und verstarb im Jahr 1959.
Oberbürgermeister Michael Kissel sagte in Gedenken an Jakob Krämer: „Wir verbeugen uns vor den Opfern der NS-Diktatur.“ Weiter führte er aus, dass die Steine auch Mahnung sind, um für Demokratie und Rechtsstaatlichkeit einzustehen . Bundesweit sind 250 Stolpersteine für Menschen verlegt wurden, die Aufgrund ihrer Zugehörigkeit zu den Zeugen Jehovas oder „Bibelforschern“, wie es früher hier, zu Opfern der NS-Schergen wurden.