Für fast 30 Millionen Euro entsteht auf 5,8 Kilometern Länge eine vierstreifige Trasse / Forderung nach Unterführung an der Pfrimm
Mammutprojekt „Vierspurige B 9“
Der ADFC wünschte sich beim vierspurigen Ausbau der B 9 eine Unterführung entlang der Pfrimm für Fußgänger und Radfahrer. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 9 von der Wormser Rheinbrücke bis fast nach Rheindürkheim ist eines der großen Infrastrukturprojekte in der Nibelungenstadt. Seit 2007 wird an dem Vorhaben gearbeitet.Insgesamt wird der vierspurige Ausbau des rund 5,8 Kilometer lange Teilstücks der B 9 fast 30 Millionen Euro kosten. Wobei der Großteil des Betrages vom Bund übernommen wird, da es sich um eine Bundesstraße handelt. Lediglich an den Kosten für die neue, vierstreifige Unterführung unter der Eisenbahnstrecke nach Biblis wird sich die Bahn beteiligen.
Ziel des Ausbaus ist es, den Verkehr auf der B 9 von täglich rund 20.000 Fahrzeugen besser aufnehmen zu können. Wobei dies ein Durchschnittswert darstellt, an Werktagen sind es entsprechend mehr. Dann sind Staus zu den Hauptverkehrszeiten mittlerweile der Normalfall.
Als Information vielleicht so viel: Eine „normale“ Bundesstraße in Rheinland-Pfalz nimmt etwa 8.000 bis 10.000 Fahrzeuge auf, ab etwa 16.000 Kfz denkt man über eine vierspurige Fahrbahn zur Bewältigung der Fahrzeugmenge nach
Einzelne Bauabschnitte
Der vierspurige Ausbau der B 9 erfolgt in einzelnen Abschnitten. Zunächst wurde der Kreuzungsbereich Nibelungenring/Petrus-Dorn-Straße im Jahr 2007 angepackt und vollendet. Es folgte im Jahr 2011 der vierstreifige Ausbau ab der Kreuzung Petrus-Dorn-Straße bis zur Bahnunterführung auf Höhe des Schnellrestaurants McDonalds. Ein ganz zentraler Abschnitt war die komplette Neugestaltung der Kreuzungsbereiche am Fahrweg und am Gallborn von 2012 bis 2015. Alleine dieser Bereich kostet rund fünf Millionen Euro. Im Jahr 2019 steht die etwa einen Kilometer lange Strecke von der Firma Rowe bis zum Anschluss der Firma Grace an.
Der nächste Abschnitt soll einschließlich der Eisenbahnunterführung auf Höhe des Schnellrestaurants McDonalds bis zur Kreuzung am Gallborn gehen. Darin ist auch die Brücke über die Pfrimm enthalten. Wann Baubeginn ist, steht noch nicht fest. Ist dieser knifflige Bereich geschafft, fehlt nur noch die Strecke vom Anschluss der Firma Grace bis zum Nordzubringer. Auch dafür gibt es noch kein Zeitfenster.
Parallelentlastung für 10 Millionen Euro
Ein weiteres Element, das der Verkehrsentlastung im Wormser Norden dienen soll, ist die 3,5 Kilometer lange „Parallelentlastung“ mitten durch das Gewerbegebiet. Damit soll ein Teil des Verkehrs von der B 9 auf die Parallelentlastung gelenkt werden. Überwiegend wird es sich hierbei um den direkten Zuliefererverkehr für die dort ansässigen Unternehmen handeln. Die Kosten von rund zehn Millionen Euro für diese Entlastungsstraße trägt die Stadt Worms. Das Land beteiligt sich allerdings mit 1,75 Millionen Euro.
Zählt man die Kosten der Parallelentlastung zu den Aufwendungen für den vierspurigen B 9-Ausbau dazu, kommt man fast auf die stolze Summe von rund 40 Millionen Euro, die in den Straßenbau für Autos und Lastwagen ausgegeben werden.
Fahrradunterführung an der Pfrimm
So zweckmäßig und notwendig der vierspurige Ausbau der B 9 aus Sicht der Auto- und Lastwagenfahrer ist, so sehr schränkt er nach Auffassung des Allgemeinenschen Fahrrad-Clubs (ADFC) das Überwinden der Straße für Radfahrer und Fußgänger ein. Ein gefahrloses Überqueren der B 9 sei quasi nur mehr an Ampeln oder an Unterführungen für Fußgänger und Radfahrer möglich. Der ADFC fordert daher den Ausbau/Neubau der bestehenden Unterführung an der Pfrimm, sodass die Radler gefahrlos die B 9 unterfahren könnten. Die Berücksichtigung dieses Anliegens sei möglich, da sich der entsprechende Abschnitt von der Eisenbahnunterführung bis zur Kreuzung am Gallborn noch in der Planungsphase befindet.
Diese Unterführung für Radler und Fußgänger böte für Beschäftigte zahlreicher Firmen, wie etwa Evonik oder Grace, die Möglichkeit bequem mit dem Rad zur Arbeit zu gelangen. Zudem könnte durch die Unterführung die Veloroute am Rhein mit dem am BIZ beginnenden Zellertal-Radweg verknüpft werden. Die 300 Meter von der denkbaren Unterführung entfernte Fußgängerampel stellt für den ADFC keine geeignete Alternative dar, weil man diese zusätzliche Wegstrecke keinem Fußgänger zumuten könne und Radler gezwungen wären, diese „Umleitung“ auf einem schmalen Geh-/Radweg zu fahren. Unterstützt wird der Wunsch des ADFC vom Neuhauser Ortsvorsteher Uwe Merz (SPD) und von Klaus Harthausen, dem Fraktionssprecher der CDU in Rheindürkheim.
LBM hat Kosten im Blick
Der Landesbetrieb Mobilität (LBM), der für die Realisierung des vierspurigen Ausbaus der B 9 zuständig ist, räumt ein, dass eine Unterführung für Radfahrer wünschenswert wäre. Der Kostenaufwand sei jedoch wegen der zumutbaren Alternative (Fußgänger- und Radfahrer-Ampel) unverhältnismäßighoch.Auch könnten Radfahrer von Worms kommend auf dem Radweg „Leinpfad“ den Stadtteil Rheindürkheim erreichen, ohne einmal die B 9 benutzen oder sie queren zu müssen. Abschließend wies der Leiter des LBM in Worms, Bernhard Knoop, darauf hin, dass die Straßenplanung einschließlich der Radwegeführung zwischenzeitlich so weit fortgeschritten sei, dass die Erstellung der Unterlagen für ein Planfeststellungsverfahren zur Schaffung des Baurechts in diesem Jahr abgeschlossen werden solle. Eine Änderung der Planung sei, ohne erhebliche zeitliche Verzögerungen des Gesamtprojektes auszulösen, nicht mehr möglich.
(In der gedruckten Ausgabe des Nibelungen Kuriers vom 5. Januar 2019 ist ein Teilabschnitt des Wormser Stadtplans zu sehen, der die einzelnen Bauabschnitte an der B9 graphisch genau darstellt)