Mehrere hundert Bürger zeigten beim Demonstrationszug ihren Widerstand und suchten gleichzeitig einen Kompromiss
Massiver Protest gegen "Haus am Dom"
Die Abschlusskundgebung vor dem Wormser Dom statt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Sah es nach der Erteilung der Baugenehmigung für das "Haus am Dom" durch die untere Baubehörde vor wenigen Wochen so aus, als sei das Projekt nicht mehr zu stoppen, zeigte sich am Samstagmittag das Gegenteil. Mit einer großen Demonstration setzten die Gegner ein Zeichen ihres unermüdlichen Protestes, machten gleichzeitig aber deutlich, dass sie an einem Kompromiss interessiert sind, mit dem alle leben können, die beiden Gemeinden St. Peter und St Martin sowie die Gegner der Bebauung. Dabei betonten die Mitglieder des Bürgervereins, der den Widerstand trägt, dass sie nichts gegen ein Gemeindezentrum haben, es aber an einer Stelle gebaut werden soll, wo es nicht den freien Blick auf den Kaiserdom beeinträchtigt.
Demonstrationszug Gegen 12 Uhr versammelten sich die Teilnehmer an der Demonstration vor der Martinskirche, um sich für den Protestmarsch zum Dom zu formieren. Für ältere Männer und Frauen, die nicht mehr so gut laufen konnten, stand das Nibelungenbähnchen zur Verfügung. Von der Martinskirche aus setzte sich der Zug in Richtung Dom in Bewegung. Während die Polizei von insgesamt zirka 300 Teilnehmern sprach, nannten die Veranstalter die Zahl von 500. Gegen 13 Uhr erreichte der Protestmarsch den Domvorplatz an der Andreasstraße, dort fand die große Abschlusskundgebung statt.
Abschlusskundgebung Der erste Redner der Abschlusskundgebung war der Anwalt des Bürgervereins, Matthias Möller-Meinecke aus Frankfurt. Zunächst verlas er Grußbotschaften aus ganz Europa, deren Absender sich mit dem Protest in Worms solidarisch erklärten. Danach sprach er über die rechtliche Situation, die er in vier Teilaspekte untergliederte. Der wichtigste Argument war dabei, dass sich das "Haus am Dom nicht in die Nachbarschaftsbebauung einpassen würde. So seien alle Häuser in der Umgebung nur 12,50 Meter hoch. Das "Haus am Dom" solle aber 18,50 Meter hoch werden. Auch passe es in seiner Struktur nicht in das Wormser Domumfeld, da es dort nicht üblich sei, in zweiter oder dritte "Rheine" zu bauen, doch genau dies geschehe mit dem "Haus am Dom". Diesbezüglich hätte eine Anwohnerin aus der Andreasstraße jetzt auch Widerspruch bei der Baubehörde eingelegt.
Das zweite Hauptargument von Matthias Möller-Meinecke war die Verletzung der Denkmalschutzzone um den Kaiserdom durch das "Haus am Dom". Der dritte Kritikpunkt des Rechtsanwaltes war die unzureichende Eignung des beabsichtigen Standortes, da das Gemeindezentrum mit Rollstühlen oder Rollatoren nur ganz schwer zugänglich sei. Schließlich führte er als viertes Argument das Fehlen von Parkplätzen für Besucher des Gemeindezentrums auf und fragte: "Wo denn die Menschen parken sollten?"
Rechtliche Bewertung Zur rechtlichen Bewertung erklärte Matthias Möller-Meinecke, dass er nicht davon ausgehe, dass der städtische Rechtsausschuss dem Widerspruch der Anwohnerin stattgebe, da der Ausschuss gegenüber der Stadtspitze weisungsgebunden sei. Daher denke er, dass die Abwohnerin - und er als Rechtsvertreter - vor dem Verwaltungsgericht in Mainz bzw. dem Oberverwaltungsgericht in Koblenz klagen müssten. Dort würden die Chancen aber gut stehen. Der Anwalt wurde von den Teilnehmer der Demonstration mit kräftigem Applaus bedacht. Man spürte, die Menschen haben wieder Hoffnung, das Projekt noch verhindern zu können.
Bürger sollen entscheiden Der ehemalige Baudezernent Reinhard Schandel forderte in seiner Rede, dass die Bürger über das "Haus am Dom" entscheiden sollten. Weiter sagte er, es müsse ein Gemeindezentrum entstehen, das beiden Seiten, Gegnern und Befürwortern, gerecht werde. Er brachte hier einen Neubau an der Andresstraße ins Spiel.
5 vor 12 Mechthild Vogel sagte in einer sehr emotionsreichen Worten, die viel Beifall ernteten: "Es ist jetzt 5 vor 12!" Weiter führte sie aus und sprach damit den Zuhörern wohl aus dem Herzen: "Ich bin nicht gegen ein Gemeindezentrum, aber gegen den Standort direkt neben dem Dom!" Mechthild Vogel forderte die Verantwortlichen mit eindringlichen Worten auf, ihre Entscheidung zu überdenken. Sie schloss mit der Formulierung, dass der freie Blick auf den Dom eine würdige Ansicht sei, die die Wormser erfreue.
Menschenkette und Fazit Nach Beendigung der Reden bildeten die Teilnehmer eine Menschenkette um den Dom in dem sie ihn quasi umarmten. Das Fazit der Veranstalter fiel sehr positiv aus. Brigitte Hammel von einer Gruppe Katholiken, die gegen das "Haus am Dom" sind, war sowohl von Anzahl wie Engagement der Bürger begeistert, ebenso wie Dr. Josef Eberhard. Beide betonten, dass es nun darum gehe, gemeinsam mit den beide Gemeinden Lösungen zu finden, mit denen alle leben könnten. Es gehe nicht darum einen Konflikt auszutragen, sondern im Gespräch zu bleiben und Kompromisse zu finden. Eines betonten beide aber ebenso klar, es gehe ihnen im Kern darum, den freien Blick auf den Dom zu erhalten und dieser würde mit dem jetzt von der Domgemeinde gewählten Standort zerstört. Daher bleiben sie bei ihrer Forderung, dass ein anderer Platz, entweder ein Neubau des Liobahauses oder ein Neubau an der Andreastraße, verwirklicht werden müsse. Der Protest und Widerstand werde in jedem Fall weitergehen.