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  • Mi., 26. Juli 2017, 00:21 Uhr
    OB Michael Kissel hält die Schaffung von 2.500 Wohnungen in 10 Jahren für realistisch / Herausforderung Sozialwohnungen

    „Masterplan Wohnen” auf dem Prüfstand

    Das alte Bundeswehrareal in Pfeddersheim wird demnächst bebaut und Wohnraum in dem Wormser Stadtteil schaffen. Der Spatenstich wurde für Mitte August terminiert. Foto: wormser-bilder.de


    Von Gernot Kirch Vor rund einem Jahr hat der Wormser Stadtrat den „Masterplan Wohnen“ verabschiedet. Ziel des Plans war es, in einem Zeitrahmen bis 2025 rund 2.500 Wohnungen in Worms neu zu bauen. Rund 25 Prozent dieser Wohnungen sollen eine Sozialbindung haben. Um eine Bilanz zu ziehen, ist es zu früh, aber Grund genug einmal nachzuschauen, was aus der Initiative geworden ist. In einem Gespräch mit dem Nibelungen Kurier äußerte sich Oberbürgermeister Michael Kissel zuversichtlich, dass dieses Ziel erreicht, vielleicht sogar übertroffen werde. Kritiker sehen hingegen mit Blick in die nahe Zukunft weiterhin ein Fehl bei günstigen Mietwohnungen für Menschen mit kleinem Einkommen.

    Worms wächst

    In den vergangenen Jahren ist Worms, entgegen vieler Einschätzungen, kontinuierlich gewachsen. Hatte die Nibelungenstadt laut Demografiebericht der Stadt im Jahr 1985 noch knapp 72.000 Einwohner, verzeichnete Worms im Jahr 2000 schon 80.000 Einwohner. Inzwischen zählt die Nibelungenstadt rund 87.000 Einwohner und die Prog­nosen sagen bis etwa zum Jahr 2030 eine weitere Zunahme der Bevölkerung voraus. Selbst die 100.000-Einwohner-Grenze ist keine reine Utopie mehr. Ein Drittel der Wormser Bürger besitzt einen Migrationshintergrund.

    Mieten steigen

    Das Wachstum der Stadt ist einerseits ein Indiz für die Attrak­tivität der Nibelungenstadt mit der optimalen Lage zwischen Rhein-Main und Rhein-Neckar; Pendler können von Worms aus gut nach Mannheim, Mainz oder Frankfurt fahren. Andererseits hat die Bewölkungszunahme auch etwas damit zu tun, dass die Nibelungenstadt noch über relativ überschaubare Mieten und Grundstückspreise verfügt. Laut Mietspiegel aus dem Jahr 2017 liegt der Durchschnittspreis in Worms bei 7,40 Euro pro Qua­dratmeter, macht für eine 60- Qua­dratmeter-Wohnung 444 Euro kalt. Im Vergleich dazu beträgt in Mainz die Durchschnittsmiete pro Quadratmeter 11,75 Euro, ähnlich wie in Heidelberg und Darmstadt, in Frankfurt sind es gar 13,48 Euro. Und was bei Mieten gilt, lässt sich in der Relation auf Wohneigentum übertragen. Die Folge ist, viele Menschen können sich Mainz oder Frankfurt schlichtweg nicht leisten oder müssten dort in einem viel kleineren Appartement wohnen. Auch aus diesem Grund besitzt Worms eine große Anziehungskraft für Neubürger. Zur Wahrheit gehört natürlich auch, dass in Rheinland-Pfalz alle Städte am Rhein wachsen, während Kommunen in Eifel oder Westpfalz, etwa Pirmasens oder Zweibrücken, schrumpfen. Die Ballungszentren üben mit gut dotierten Jobs eine Sogwirkung, besonders auf junge Menschen aus.

    Herausforderung Wohnungs­bau

    Dem seit einigen Jahren auch in Worms immer lauter werdenden Ruf nach mehr Wohnungen ist die Stadt gefolgt. Ein Ausdruck davon ist der „Masterplan Wohnen“ aus dem Jahr 2016 mit seinen anvisierten 2.500 neuen Wohnungen. Inzwischen ist bereits viel geschehen, auch wenn nicht jede Erschließung auf den Masterplan zurückzuführen ist, sondern ohnehin geschehen wäre. Aber es passiert etwas in Worms, dies ist nicht zu bestreiten. So wurde etwa gerade das Gelände der ehemaligen Gärtnerei Fröhling bebaut, ähnlich wie ein Mehrfamilienhaus in der Töpferstraße und auch in Herrnsheim ist südlich der Dalberschule ein kleines Baugebiet für Einfamilien- und Doppelhäuser entstanden. In der Carl-Villinger-Straße soll für 24 Reihenhäuser noch im Herbst 2017 Baubeginn sein.

    Fast neuer Stadtteil

    Vor dem Abschluss steht die Erschließung des Liebenauerfeldes. Auf der ehemaligen US-Liegenschaft „Thomas Jefferson Village“ an der Bebelstraße ist seit 2003 mit zahlreichen Wohnungen und Häusern für rund 2.000 Menschen fast ein kompletter Stadtteil mit optimaler Anbindung Bahn und City entstanden. Dies sind allerdings zumeist hochpreisige Wohnungen.

    Ein weiteres Großprojekt ist die Entwicklung des Bauhaus-Geländes an der Schönauerstraße, das unter dem Namen „Gerbergasse“ völlig neu bebaut wird. Hier läuft gerade der Architektenwettbewerb. Der Abriss des Nibelungencenters ist für diesen Herbst geplant. Dann sollen dort insgesamt 150 hochwertige Wohnungen sowie Praxen, Büros und vielleicht ein Hotel entstehen.

    "In den Lüssen"

    Mit oberster Priorität verfolge die Stadt, so Oberbürgermeister Michael Kissel, die Erweiterung des Baugebietes „In den Lüssen.“ Diesbezüglich werden drei Gutachten erstellt, eines über Lärm, eines über den Naturschutz sowie eines bezüglich des Verkehr. Der Oberbürgermeister plant zudem eine Einwohnerversammlung. Es seien Einfamilien- und Doppelhäuser sowie eine maßvolle Geschossbebauung ins Auge gefasst. Es sollen auch Wohnungen mit Sozialbindung entstehen.

    Ein weiteres innerstädtisches Baugebiet, so OB Kissel, könnte das ehemalige Rheinmövegelände werden. Hier hänge es davon ab, ob das Möbelhaus BOSS zum Umzug auf ein freies Areal an der Klosterstraße bewegt werden könne. Gelinge dies, stünde einer Wohnbebauung nichts mehr im Wege.

    In einigen Jahren könnte auch, so der Stadtchef, an der Monsheimer Straße, in der ehemaligen US-Kaserne, in der momentan noch der Baubetriebshof untergebracht ist, ein Wohngebiet entstehen. Dazu müsste aber zunächst der ebwo auf das ehemalige Schlachthof-Areal am Rhein umziehen. Dies würde aber noch einige Zeit dauern.

    Altes Bundeswehrgelände in Pfeddersheim

    Kurz vor der Realisierung steht auch das ehemalige Bundeswehrgelände in Worms-Pfeddersheim. Nachdem die alten Gebäude der Feldjägerkaserne abgerissen wurden, sollen dort auf 60 Baugrundstücken Einfamilien- oder Doppelhäuser realisiert werden.

    Ein großes, innerstädtisches „Sahneschnittchen“ ist das Areal von Valckenberg am Weckerlingplatz, welches in Kürze an einen Investor verkauft werden soll.

    Zu nennen sind auch noch die Baugebiete „Im Mersch“ zwischen Hochheim und Leiselheim und ein mehrgeschossiges Wohngebäude neben dem Klinikum für Ärzte und Schwestern.

    Richtfest in der Bebelstraße

    An der Bebelstraße wird am heutigen Tag Richtfest an zwei Häusern der städtischen Wohnungsbau GmbH gefeiert, die 2018 bezugsfertig sein sollen. Hier werden zeitnah 90 Wohnungen fertig sein. Und der positive Aspekt dabei, zwei Gebäude, bei denen 25 Prozent der Wohnungen eine Sozialbindung haben werden.

    Was wird aus dem Hochstift?

    Als attraktives Baugebiet ist auch das Hochstiftgelände noch in der Hinterhand, denn 2018 sollen die letzten Stationen vom Hochstift ins Klinikum auf die Herrnsheimer Höhe ziehen. Spätestens dann stellt sich Frage, was passiert mit dem Gebäude? Eine weitere Nutzung als Krankenhaus ist eher unwahrscheinlich, für ein weiteres Seniorenheim besteht in Worms kein Bedarf und für ein Hospiz sind die Baulichkeiten eher ungeeignet, da ein Hospiz eher den Charakter eines Hotels im Grünen haben soll. Daher wird der Abriss des Hochstiftes wahrscheinlich.

    Ausblick

    Rechnet man alle Vorhaben zusammen, kommt man bis zum Jahr 2015 leicht über 2.500 Wohnungen. Bleibt die Frage, ob auch genügend bezahlbarer Wohnraum entsteht oder Geringverdiener in die Röhre schauen. Lesen Sie dazu den zweiten Teil des Berichtes in unserer Samstagsausgabe.

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