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  • Sa., 29. Juli 2017, 00:31 Uhr
    Fortsetzung der Reportage über den Wohnungsmangel / Richtfest bei Gebäudekomplex mit 98 Wohnungen an der Bebelstraße

    „Masterplan Wohnen“ auf dem Prüfstand - Teil II

    Das ehemalige Nibelungencenter soll noch in diesem Herbst abgerissen werden. Nach Vorstellung des Investors sollen dort 150 Wohnungen sowie Büros und Praxen entstehen. Foto: Wormser-Bilder.de


    Von Gernot Kirch Im ersten Teil der Reportage am Mittwoch, dem 26. Juli, über den „Masterplan Wohnen“ stellte der NK die neuen Wohngebiete in Worms vor und ging auf den Mietspiegel im Städtevergleich ein. Heute geht es im Schwerpunkt um Sozialwohnungen und warum davon so wenige gebaut werden. Passend dazu gab es am Mittwoch eine erfreuliche Nachricht, denn an einem Neubau der städtischen Wohnungsbau GmbH an der Ecke Bebelstraße/Würdtweinstraße konnte Richtfest gefeiert werden.

    98 Wohnungen entstehen

    Insgesamt werden in diesem Gebäude und in dem, das direkt nebenan errichtet wird, 98 Wohnungen mit bis zu vier Zimmern entstehen. Sieben dieser Appartements sind rollstuhlgerecht und alle sind barrierefrei. Eine ganz wichtige Nachricht, 25 Prozent der Wohnungen werden eine Sozialbindung haben. Damit unterscheidet sich dieses Bauvorhaben grundlegend von vielen anderen in Worms. Denn in den meisten Baugebieten werden nur mehr Einfamilien- und Doppelhäuser sowie mehrgeschossige Mehrfamilienhäuser mit Appartements im hochpreisigen Segment verwirklicht. Hier genügt ein Blick etwa auf das Liebenauerfeld, die ehemalige Fröhling-Gärtnerei oder das beabsichtigte Baugebiet „Gerbergasse (Nibelungencenter)“ an der Schönauer Straße. Überall dort wurde und wird gebaut, aber eher für ein Klientel mit einem guten Einkommen.

    Sozialwohnungen

    Damit sind wir beim Knackpunkt, der für Worms, wie für nahezu alle anderen deutschen Städte gilt. Es wird zwar gebaut, und durchaus viel, aber was fehlt und den Menschen unter den Nägeln brennt sind bezahlbare Wohnungen. Denn ein privater Investor verwirklicht in erster Linie teure oder zumindest mittelpreisige Wohnungen, mit denen er hohe Mieteinnahmen oder einen hohen Verkaufserlös erzielen kann. Und dem Investor ist in einer freien Marktwirtschaft kein Vorwurf zu machen. Jeder möchte möglichst viel Gewinn erzielen. Und mit Sozialwohnungen macht dies kein Investor, zumal das Bauen durch Verordnungen des Bundes hinsichtlich Wärmedämmung im vergangenen Jahrzehnt erheblich verteuert wurde. Laut einem Artikel der FAZ ist das Bauen durch die Umweltauf­lagen um bis zu 40 Prozent teuerer geworden.

    Geringverdiener im Abseits

    Auf der Strecke bleiben Menschen mit kleinem oder auch schon Normaleinkommen, ganz zu schweigen von Alleinerziehenden, Senioren mit Mini-Rente, Arbeitslose, Zuwanderer und Geringverdienern. Sie suchen häufig vergeblich bezahlbare Wohnungen. Und dies gilt für Worms, aber auch bundesweit. Laut einem Bericht von Fokus-Online vom 2. Februar diesen Jahres verschlingt die Miete samt Nebenkosten bei vielen Menschen inzwischen schon 40 bis 50 Prozent vom Einkommen. Viel bleibt da zum Leben nicht mehr, besonders wenn auch noch Kinder im Haushalt leben. Hohe Mieten sind zu einer Bedrohung für die gesellschaftliche Teilhabe geworden.

    Wohnungsbau als Retter

    In der Wormser Stadtspitze ist das Problem erkannt und es wurde daher das Ziel formuliert, dass 25 Prozent der neu gebauten Wohnungen eine Sozialbindung haben sollen. Aber ein Ziel formulieren und die Umsetzung sind eben zwei paar Schuhe. Und die Stadt, dies räumte auch OB Kissel ein, kann einem privaten Investor nur schwer vorschreiben, wie und was er bauen soll. Bleibt als Ausweg, dass die Stadt selbst Sozialwohnungen baut. Dies tut sie auch durch die städtische Wohnungsbau GmbH, wie etwa an der Bebelstraße. OB Kissel äußerte diesbezüglich, dass die Wohnungsbau nach Jahren, in denen sie „nur“ Bestandspflege betrieb, nun wieder selbst baut. Ob dies reicht, um das Ziel des „Masterplans Wohnen“ mit 25 Prozent Sozialwohnungen zu realisieren, bleibt abzuwarten, da auch die Wohnungsbau GmbH nur begrenzte Mittel hat. Aber private Investoren werden „freiwillig“ nur sehr eingeschränkt Sozialwohnungen realisieren. Wobei sich hier fragen lässt, warum die Stadt bei der Erteilung von Baugenehmigungen nicht mehr darauf drängt, dass auch Wohnungen mit Sozialbindung verwirklicht werden? Vieles hängt beim Bau von Sozialwohnungen von der städtischen Wohnungsbau GmbH ab. Dort existiert übrigens eine Warteliste mit 1.300 Personen, die eine Wohnung suchen. Wobei nicht jeder dieser Menschen auf der Straße steht, sondern sich die Mehrzahl „nur“ verbessern möchte. Gefordert sind hier auch das Land und der Bund, denn alleine stemmen können die Kommunen den Bau von Sozialwohnungen nicht. Auch beim Bund scheint man wach geworden zu sein und hat die Mittel zur Förderung von Sozialwohnungen erhöht. Alleine im Jahr 2016 flossen nach Angaben der Tagesschau rund eine Milliarde Euro an Fördergelder in den Sozialwohnungsbau.

    Jeder Neubau nutzt

    Oberbürgermeister Michael Kissel wies daraufhin, dass jedes Bauvorhaben in Worms zu begrüßen sei, da etwa dadurch, dass ein Bürger sein Einfamilienhaus realisiere, eine Wohnung frei werde. Auch wies der Stadtchef darauf hin, dass die Stadt bei ihren Bemühungen günstigen Wohnraum zu schaffen nicht nachlassen werde. So sollen bei der Erweiterung des Wohngebietes „In den Lüssen“ Sozialwohnungen entstehen und auch die 24 Reihenhäuser an der Carl-Villinger-Straße seien für Menschen mit mittlere Einkommen gedacht. Ein Problem bei Wohnungen mit Sozialbindung ist übrigens, dass diese nicht ewig diese Bindung haben, sondern sie nach einigen Jahren ausläuft und sie auf den ganz normalen Wohnungsmarkt kommen. Dies bedeutet im Klartext, es müssen stets neue Sozialwohnungen gebaut werden, weil alte aus dieser Kategorie fallen.

    Öffentliche Hand ist gefordert

    Worms ist in der glücklichen Lage, dass es stets an der stadteigenen Wohnungsbau GmbH mit ihrem Wohnungsbestand festhielt. Andere Städte, wie etwa Dresden, haben hingegen alle Wohnungen, die im Besitz der Stadt waren, verkauft und damit zwar kurzfristig ihren Etat ausgeglichen, stehen aber nun vor riesigen Problem. Die Nibelungenstadt besitzt hingegen mit der städtischen Wohnungsbau GmbH die Möglichkeit, regulierend für den „kleinen Mann“ auf dem Wohnungsmarkt einzuwirken. Positiv dabei auch, dass die Wohnungsbau wieder selbst baut.

    Mehr kleine Wohnungen

    Wobei auch ein anderer Trend auf dem Wohnungsmarkt zu beobachten ist und diesen belastet. Immer mehr Menschen leben alleine als Singles, egal ob als junge Erwachsene oder Senioren. Dies hat zur Folge, dass immer mehr und zwar kleine Wohnungen benötigt werden. Die Journalistin Dunja Hayali präsentierte in ihrer Politik-Sendung im ZDF, am 19. Juli 2017, die Zahl von 2,7 Millionen Kleinwohnungen, die in Deutschland fehlen.

    Am Mittwoch erfolgte das Richtfest an einem Neubau der Wohnungsbau GmbH. Insgesamt sollen in dem Komplex 98 neue Wohnungen entstehen. Foto: Gernot Kirch

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