In vier Gebieten werden zunächst Wohnungen realisiert: In den Lüssen, Bauhaus, Monsheimer Straße und Hochheim
„Masterplan Wohnen” auf den Weg gebracht
Auf dem Nibelungencenter-Areal soll in Kürze Wohnbebauung entstehen. Nach Information der Stadt steht ein Investor bereit. Foto: Gernot Kirch
Von GERNOT KIRCH Der „Masterplan Wohnen“ soll bis zum Jahr 2025 rund 2.500 neue Wohneinheiten in der Nibelungenstadt schaffen. Die Größenordnung der angestrebten Bebauung ergibt sich aus der Analyse verschiedener Studien sowie diverser Wartelisten von Bürgern, die händeringend eine neue Bleibe suchen. Alleine bei der städtischen Wohnungsbau GmbH stehen rund 1.000 Menschen auf solch einer Liste. Zudem wächst die Stadt entgegen der Prognosen, die vor einigen Jahren erstellt wurden. Inzwischen zählt Worms 85.000 Einwohner. Die Vergrößerung der Hochschule von 2.700 auf 3.500 Studenten kommt hinzu. Besonders benötigt wird in Worms daher günstiger, bezahlbarer Wohnraum. Die Politik hat den sozialen Sprengstoff erkannt und Oberbürgermeister Michael Kissel kündigte bereits vor Monaten den „Masterplan Wohnen“ an. Am Mittwoch diskutierten in gemeinsamer Sitzung der Bauausschuss, der Sozialausschuss sowie der Haupt- und Finanzausschuss über den Plan.
Vier neue Wohngebiete
In den Ausschüssen herrschte über die Notwendigkeit und Dringlichkeit der Schaffung von Wohnungen große Einigkeit. Die Knackpunkte lagen im Detail. Daher wurde eine weitere Beratung am 31. März beschlossen.
Mit großer Mehrheit
Mit großer Mehrheit, bei nur drei Enthaltungen, wurden allerdings bereits vier Gebiete festgelegt, in denen vorrangig Häuser entstehen sollen. Hierbei handelt es sich zunächst um das Areal in Hochheim zwischen der Pfrimmtal-Realschule Plus (ehemals Diesterwegschule) und der bestehenden Ortsbebauung. Ursprünglich war dies eine Schulerweiterungsfläche, doch besteht dafür kein Bedarf mehr.
Weiteres Baugebiet „In den Lüssen“
Ein weiteres Baugebiet wird in der Siedlung „In den Lüssen“ entstehen. Hier sollen Reihen- und Einfamilienhäuser verwirklicht werden. Eine größere Fläche zur Bebauung wird auf dem ehemaligen Gelände der US-Army in der Monsheimer Straße nutzbar, wo zurzeit noch Teile des ebwo unterbracht sind. Das Filetstück ist aber sicher das innerstädtische Areal, auf dem momentan noch das Nibelungen-Center steht und das Bauhaus untergebracht war. Hier steht bereits ein grobes Nutzungskonzept und die Stadt hat schon mit potentiellen Investoren gesprochen. Neben Wohnungen sollen hier auch Geschäfte und Büros verwirklicht werden.
Weitere Bauvorhabenverfolgen
Die Zustimmung der Ausschussmitglieder zu den vier Gebieten wurde allerdings mit dem Hinweis verknüpft, dass dadurch weitere Bauvorhaben in anderen Stadtteilen ebenfalls weiterverfolgt werden können. Wichtig ist Oberbürgermeister Michael Kissel in diesem Zusammenhang, dass mit den Bauerweiterungsflächen dem Grundsatz der Innen- vor der Außenentwicklung Rechnung getragen wurde. Noch Beratungsbedarf haben die Ausschüsse im Bereich des Sozialwohnungsbaus. Besonders im Fokus steht hier die Verdichtung im Nordend. Hier wollte die städtische Wohnungsbau GmbH bestehende Freiflächen bebauen und zudem die kleinen Häuser in der Kleinen Weide abreißen und dort mehrgeschossig bauen. Doch hierüber konnten die Ausschüsse keine Einigung erzielen. Einerseits möchten nach Aussage von Oberbürgermeister Michael Kissel viele Bewohner in ihren kleinen „Datschas“ leben und nicht ausziehen möchten. Andererseits ist das Nordend schon dicht bebaut, ob dort nun unbedingt noch eine weitere, mehrgeschossige Häuser entstehen müssen, ist die Frage, die sich wohl auch so manches Ausschussmitglied. Bei den bisherigen Beratungen über den Masterplan drängt sich ein wenig der Eindruck auf, überall dort, wo mittel- bis hochpreisige Wohnangebote geschaffen werden sollen, ist die Zustimmung von allen Seiten groß. Ganz anders sieht es hingegen aus, wenn irgendwo Sozialwohnungen geplant sind. Dann ist der Widerstand sofort da, und dies selbst bei einigen Parteienvertretern vor Ort. Bestes Beispiel hierfür ist die Carl-Villinger-Straße, doch lässt sich dieses Phänomen auch an anderer Stelle beobachten. Nach Aussage von Oberbürgermeister Michael Kissel sollen zukünftig 20 bis 25 Prozent aller neuen Wohnungen eine Sozialbindung haben. Das Problem bei der Sozialbindung ist allerdings, dass die so geschaffenen Wohnungen nach einigen Jahren wieder aus der Sozialbindung herausfallen und der Eigentümer höhere Mieten verlangen kann. Im Prinzip müssen dann wieder neue Sozialwohnen gebaut werden.
Stimmen zum Masterplan
Der SPD-Vorsitzende Timo Horst begrüßte den intensiv diskutierten Masterplan Wohnen. Er sei ein gutes Instrument, um Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen zu schaffen. „Neben der Entwicklung von bezahlbarem Wohnraum muss allerdings auch die soziale Infrastruktur, wie Kindergärten oder Schulen, erweitert werden“, fordert Fraktionsvorsitzender Timo Horst abschließend.
„Das Ziel des „Masterplans“ der Verwaltung ist grundsätzlich richtig“, erklärt der CDU-Fraktionssprecher Dr. Klaus Karlin. Die CDU-Stadtratsfraktion wollte der Verwaltung aber keinen Blankoscheck bezüglich der Umsetzung ausstellen, sondern möchte eine sachorientierte Politik bei einzelnen Aspekten wie etwa der Bebauung an der Carl-Villinger-Straße.