
Margret Mayer, seit 2004 Caritasdirektorin in Worms, beendete zum 31. August 2016 ihre Vorstandstätigkeit früher, als geplant. „Es war keine leichte Entscheidung für mich. Aber nach einer Erkrankung konnte ich meine Rolle nicht mehr so ausfüllen, wie es meinen Ansprüchen entspricht.“ In einer bewegenden Feierstunde wurde sie am Mittwoch von Mitarbeitenden, Aufsichtsrat, Kooperationspartnern, Vertretern des Bistums und Direktoren anderer Caritasverbände verabschiedet.
Einen besseren Ort für diese Feierstunde hätte es kaum geben können. Denn das café gleis 7 in der Wormser Innenstadt steht für wirkliches Miteinander. Menschen mit und ohne psychische Erkrankungen arbeiten hier Hand in Hand. Und auf diese Weise laden sie alle dazu ein, hier ohne Schranken und Schubladedenken gemeinsam zu genießen.
Ihr roter Faden: Menschen Entwicklungschancen geben
Menschen Entwicklungschancen zu geben – das ist der rote Faden von Margret Mayers Arbeit im Caritasverband Worms. Jeder, ob mit einer Sucht kämpfend, psychisch erkrankt, in schwierige Familienverhältnisse hinein geboren oder als Kind alleine hierher geflüchtet soll seine Möglichkeiten voll ausschöpfen dürfen. Darum ging es ihr in allen ihren Aufgabenbereichen. Und alle Redner – unter ihnen der Aufsichtsratsvorsitzende Dekan Tobias Schäfer und die Diözesancaritasdirektoren Domkapitular Hans-Jürgen Eberhardt und Thomas Domnick - sprachen vom Mut, von der innovativen und vorausschauenden Kraft, der Leidenschaft und Herzenskraft, die Margret Mayer in ihre Arbeit einbrachte.
Unter ihrer Leitung wurde St. Marien zu einem über die Landesgrenzen hinaus gefragtem innovativen Kinder- und Jugendhilfezentrum und wurden die Kitas Regenbogen und Arche Noah in Osthofen zu kindgerechten Orten der Sinneserfahrung und Sprachförderung. Sie machte den mutigen Schritt zum Ausbau eines Hofes in Armsheim als Wohn- und Lernort für minderjährige unbegleitete Flüchtlinge und arbeitete mit am Aufbau des Netzwerkes der IVITA Rheinland-Pfalz und Saarland gGmbH, das Menschen mit seelischen Erkrankungen in Rheinland-Pfalz und dem Saarland wohnortnahe ambulante Unterstützung anbietet. Und sie ließ die Renzstraße 3 mit dem café gleis 7 zu einem Ort lebendiger Inklusion werden.
„Sie werden uns fehlen.“
Dafür hat sie sich hier in Worms 18 Jahre lang eingesetzt und hart gearbeitet. Zunächst als Leiterin des Kinder- und Jugendhilfezentrums St. Marien, seit 2004 auch als Vorstand und Caritasdirektorin an der Seite von Georg Diederich. Dafür hat sie auch gestritten. Sozialdezernent Waldemar Herder ließ schmunzelnd durchscheinen, dass es mit ihr in Verhandlungen auch schon mal anstrengend werden konnte. Aber etwas anderes war ihm in seinen Dankesworten viel wichtiger: Immer sei sie allen Beteiligten mit Wertschätzung und auf Augenhöhe begegnet. Und er schloss mit: „Sie werden uns fehlen.“
Eine Rose für die Liebe, eine Lilie für die Klarheit
Wie viele verschiedene Qualitäten Margret Mayer in ihrer Führungsposition einbrachte, brachten ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf ganz besondere Weise zum Ausdruck. Sie ließen Blumen und deren Bedeutung sprechen. Den Anfang machte Yvonne Wehrheim, Leiterin des Fachbereiches für psychische Erkrankungen und Sucht, mit einer roten Rose für die Liebe, die Margret Mayer überall in ihrer Arbeit gezeigt habe. Es folgten 14 weitere, unter ihnen die weiße Lilie für klare Worte, die Kamille als Urbild der Heilkräfte, die Margerite als Sinnbild für Humor und Natürlichkeit – und auch eine Distel als Symbol für Unangenehmes, das es auszuhalten galt.
Lass mich langsamer gehen
Darum machte Frau Mayer auch in ihren eigenen Dankesworten keinen Bogen. Ja, ihre Arbeit sei sehr bereichernd für sie selber gewesen. „Ich gehe zufrieden und mit Zuversicht für die Werke, die wir gemeinsam auf den Weg gebracht haben. Aber manchmal zeigt das Leben einem ein Stoppschild. Das sucht man sich nicht aus.“ Sie bedanke sich besonders für die gute Begleitung dieser schwierigen Phase durch den Aufsichtsratsvorsitzenden Tobias Schäfer und dessen Stellvertreter Hans-Werner Kloster.
Dekan Propst Schäfer brachte sein tiefes Verständnis zum Ausdruck, indem er die Worte zitierte, die sich Frau Mayer selber für diesen Tag ausgesucht hatte: „Mehr als auf alles gib acht auf dein Herz, denn aus ihm strömt das Leben!“ Und er fügte ein Gebet aus Südafrika an, das mit den Worten schließt: „Lass mich langsamer gehen, Herr, und gib mir den Wunsch, meine Wurzeln tief in den ewigen Grund zu senken, damit ich empor wachse zu meiner wahren Bestimmung.“
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