
Von Vera Beiersdörfer Seit den Übergriffen auf Frauen in der vergangenen Silvesternacht in Köln ist das Thema sexuelle Belästigung wieder verstärkt in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. „Jedoch sind sexualisierte Anmachen und auch sexuell motivierte Gewalttaten an Frauen kein neues Phänomen. Vielmehr wird das Thema nach wie vor häufig tabuisiert, die Opfer scheinen noch immer eine nahezu unsichtbare Gruppe innerhalb unserer Gesellschaft zu sein. Neu war damals nur das Ausmaß an Betroffenheit sowie der öffentliche Dialog über Konsequenzen für die Täter“, erklärt Regina Mayer vom Warbede Frauenzentrum Worms. Seit mehr als 25 Jahren ist der Frauennotruf die Wormser Anlaufstelle für Frauen und Mädchen (ab 14 Jahren), die Opfer von Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch in der Kindheit sowie sexueller Belästigung, sei es am Arbeitsplatz oder im Alltag, wurden. Im Jahr 2015 wurden 107 Frauen und Mädchen von Mitarbeiterinnen der Fachstelle gegen sexualisierte Gewalt beraten. Mit den Betroffenen sowie deren Bezugspersonen wurden 436 persönliche sowie 187 telefonische Gespräche und 43 E-Mail Beratungen geführt. Dabei wurden auch Krisenintervention, Vermittlung von Informationen und die Suche nach geeigneten Therapieplätzen sowie Fragen zu Anzeige und Gerichtsverfahren etc. angesprochen. Um dieses wichtige Angebot aufrecht erhalten zu können, ist das Frauenzentrum im Lutherring auf Spenden angewiesen. „Nach Abzug der Zuschüsse von Stadt und Land, müssen wir jährlich etwa 25.000 Euro aufbringen“, erläutert Regina Mayer.
Einsatz zur Stärkung der Rechte Betroffener
Langjähriger Unterstützer des Warbede Frauenzentrums ist die Sparkasse Worms-Alzey-Ried, die am heutigen Donnerstag erneut 2.000 Euro zur wertvollen Arbeit des Teams beisteuerte. In gemütlicher Runde übergaben Wolfhard Hensel, Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Worms-Alzey-Ried, und Steffen Burdack, Leiter Vorstandsstab und Strategie, einen Spendenscheck an Regina Mayer und ihre neue Kollegin Sibylle Weber. „Wir schätzen die von ihnen geleistete Arbeit sowohl in der Betreuung betroffener Frauen, als auch ihr fortwährendes Engagement präventiv und aufklärend in der Gesellschaft und Politik auf das Thema aufmerksam zu machen“, lobte Hensel den unermüdlichen Einsatz der Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs, die unterstrichen, dass ihr Aufgabengebiet leider manchmal als „Elendsverwaltung“ bezeichnet würde, dabei doch so vielseitig sei.
So bietet die Fachstelle beispielsweise Fortbildungen zum Umgang mit sexualisierter Gewalt für Lehrer und Schulsozialarbeiter sowie Tagesmütter an. Auch für die Reform des § 177 StGB (sexuelle Nötigung, Vergewaltigung) machten sich die Mitarbeiterinnen des Frauennotrufs Worms stark und forderten Schutzlücken im Sexualstrafrecht zu schließen. Im Juli dieses Jahres wurde schließlich die vom Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe seit Jahren geforderte Reform des Sexualstrafrechts vom Deutschen Bundestag verabschiedet. Der darin verankerte Grundsatz „Nein heißt nein“ bedeutet, dass nun nicht mehr eine Nötigung Voraussetzung für die Strafbarkeit eines sexuellen Übergriffs ist, sondern entscheidend der Wille der Betroffenen ist. „Es ist bedauerlich, dass erst ein Ereignis wie die Silvesternacht in Köln geschehen musste, um die Öffentlichkeit und Politik wachzurütteln. Aber wenigstens kam es zu dem lang ersehnten Paradigmenwechsel“, begrüßt auch Wolfhard Hensel die Reform des § 177. Als direkter Nachbar wolle die Sparkasse auch weiterhin ein verlässlicher Partner des Frauenzentrums sein. Steffen Burdack, der zum ersten Mal Gast bei Warbede war, interessierte sich sehr für die Arbeit der Notruf- und Beratungsstelle und nahm sich im Anschluss an die offizielle Spendenübergabe Zeit, um die Räumlichkeiten in Augenschein zu nehmen.
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