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  • Fr., 07. November 2014, 07:38 Uhr
    Studienreise der rheinhessischen LandFrauen nach Portugal

    Mehr als Portwein und Kork

    Gespannt waren die TeilnehmerInnen der Portugalreise des LandFrauen-Verbandes Rheinhessen, ob Ihnen Reiseleiterin Silvia alles zeigen würde, was beim Vorbereitungstreffen versprochen wurde. Da gab es schon bald keine Zweifel, denn gleich nach der Anreise kam das erste Extra, eine kleine Führung über das ehemalige Expo-Gelände, die 1998 den portugiesischen Entdeckern gewidmet war. Im Küstenort Ericeira wurden die ersten Nächte im direkt am Atlantik verbracht. Eine Lissabon-Stadtrundfahrt mit Besuch des Belem-Viertels, Belem-Turm an dem ein kleines Rhinozeros nach Dürers Vorlage angebracht ist, das Seefahrer-Denkmal (von 1960 ist 50 m hoch) und die Besichtigung des Hieronimus-Klosters, waren die ersten Etappen, bevor die auf Fels errichtete Festung Sao Jorge, die einzigartige Aussichten auf die Stadt bietet, erkundet wurde. Lissabon heißt „Liebliche Bucht“ und die Stadt ist wie Rom auf 7 Hügeln erbaut.

    Die Gebäude sind überwiegend aus Basalt und Kalkstein erbaut, was der Stadt ein mediterranes Flair verleiht. Die Stierkampfarena hat 9000 Plätze, neben Stierkämpfen gibt es in der Arena auch Konzerte. Die Altstadt (Alfama) bot interessante Einblicke in enge Gassen und das Leben der Bewohner, oft steht ein Grill vor der Tür, volle Wäscheleinen, Stromkabel und so mancher Vogelkäfig ziert die Außenwände. Im Zentrum sind viele Leerstände zu verzeichnen, nach einem 10jährigen Wirtschaftswunder auf Kredit liegt die Verschuldung bei 125%. Portugal hat die höchste Frauenarbeitsquote Europas, leider gibt es ganz viele Billiglohn-Jobs. Die Blüte des Handels lag im 15. Jhdt. als die Portugiesen ihre Entdeckungsreisen unternahmen. Prinz Heinrich der Seefahrer machte mit der Seefahrerschule 1415 seine erste Eroberung. Templer und Christusritter gaben Geld für die Entdeckungsreisen. Zeichen des Reichtums sind die zahlreichen Kacheln, meist in blau-weiß gehalten, die viele Gebäude zieren.

    Am nächsten Tag führte die Route durch das Sintra-Gebirge mit kleinteiliger Landwirtschaft, Windmühlen, weiß gekalkten Häusern. Das Portugal steinreich ist, kann man an den Marmor-, Granit- und Kalksteinbrüchen erkennen.  Über 2000 Sorten Blumen gedeihen im mediterranen Klima. Sintra, die Burgen- und Paläste Stadt zählt seit 1995 zum Weltkulturerbe, im Palácio da Vila König Alfons faszinierten die Kacheln in den verschiedenen Räumen, die Kapelle  aber auch die großartige Küche mit ihren hohen 33m hohen Kaminen. Nebenbei erfuhr man auch einiges über die Kuchenrezepte der Nonnen, die viele Eier, Zucker und Mandeln enthalten. Das Eiweiß wurde zum Stärken der Kleidung gebraucht, mit dem Eigelb wurde gebacken oder mit  Zucker versetzt den Kranken zur Stärkung verabreicht.

    Weiter führte die Fahrt zum „Ende der Welt“, Coba da Roca, dem westlichsten Punkt des europäischen Festlands mit atemberaubenden Ausblicken. Die Badeorte Estoril und Cascais sind traditionsreich und viele Prominente haben hier ein Anwesen, in Estoril gibt es eine  Rennstrecke und das berühmteste Casino Portugals, auch als Agententreffpunkt bekannt.  Neben Weinbau findet man auch Mispeln und Eukalyptus, im Süden gibt es wenig Wasser, was die Landwirtschaft schwierig macht. Viele der Kleinbauern können nicht lesen und schreiben. Das portugiesische Rothenburg, das mittelalterliche von einer Stadtmauer umgebene Obidos lädt zum Schlendern ein. Die Zisterzienser hatten hier gesiedelt, in der fruchtbaren Gegend gedeihen Äpfel, Birnen und Pfirsiche auch zur Ausfuhr. Im Alcobaca-Kloster erbaut 1178, waren 999 Mönche, ab 1000 musste eine Steuer entrichtet werden. Sie förderten die Landwirtschaft, sorgten für Bewässerung, Wein und Obst wurden angebaut, sie stellten Keramik her und beschäftigten sich auch mit der Fischerei.  Die erste öffentliche Schule entstand 1269.

    In der Klosterkirche sind die Sarkophage von Pedro und Ines. Im Fischerort Nazare erinnert die Wallfahrtskirche an ein Marienwunder. Das Kloster Santa Maria in Batalha fasziniert auch mit seiner unvollendeten Kapelle bevor Fatima, der Wallfahrtsort der Engelerscheinung von 1917 erreicht wird, 1932 wurde das Wunder offiziell anerkannt. Papst Johannes Paul war 3 Mal hier.  2007 ist eine neue Basilika nach den Plänen eines griechischen Architekten erbaut worden, über 8000 Menschen kann sie aufnehmen, der gesamte Platz ist doppelt so groß wie der Petersplatz in Rom. Zum Tagesabschluss steht der Besuch der Universität in Coimbra mit der antiken Bibliothek an, von 1610-1910 gab es nur diese. Coimbra war eine römische Stadt von 711-1064, 1125 Königsstadt am Fluss Mondego, war bis 1255 die Landeshauptstadt. Die Nacht wurde einem Palast-Hotel verbracht, davon gibt es mehrere, auf diese Weise können  die Paläste erhalten werden.

    Das Dourotal, ähnelt mit seinen Terrassen unserem Weinbaugebiet an Mosel und Rhein. Völker den Norden, 711 kamen die Araber. 15 Prozent der Portugiesen leben vom Weinbau, 15-25Euro pro Tag wird in der Landwirtschaft verdient. Lamego ist der Beginn des Douro-Tals, es ist bekannt für Schaumwein, Wurst und Schinken. Neue Terrassen machen sogar teilweise Maschinenernte möglich, zur Handlese kommen Marokkaner. Vom Bahnhof „Pinhao fuhren wir mit dem Zug durch zahlreiche Tunnels bis Regua und gelangten danach in ein Weingut mit Portwein, 50 ha werden mit 50 festen Angestellten und 50 Helfern bei der Ernte bewirtschaftet, nach intensiver Besichtigung, auch der Tretbecken und der Weinprobe im Freien, mit herrlicher Aussicht, erreichte man das moderne Hotel in Porto.

    Der 6. Tag führte in die Provinz Minho nach Braga mit seinen über 30 Kirchen. Hier hören wir den Spruch: „In Porto arbeiten – in Braga beten“. 1070 entstand die Kathedrale mit Doppelkanzel in der Stadt der Bischöfe. Die Kirche spielt noch immer eine große Rolle, Prozessionen in der Karwoche und Wallfahrten werden regelmäßig abgehalten. Beim Erreichen der Wallfahrtskirche Sameiro, wird der Ehrgeiz geweckt, wer schafft die annähernd 600 Stufen?  Ein weiterer Höhepunkt am Nachmittag ist die Besichtigung des Weinguts „Quinta de Aveleda“, da wir etliche Fachleute dabei haben, brauchen wir eine Extra-Führung. Wir sind fasziniert von der 12 ha Parkanlage des 220 Hektar Weingutes. Es gibt auch 100 Kühe und Schafe aus deren Milch Käse produziert wird, der genau wie der Wein, Portwein und Sekt ab Hof vermarktet wird. Doch erst die Verkostung, dann landet das ein oder andere Mitbringsel im Gepäcknetz.

    Am vorletzten Tag endlich Panoramafahrt durch Porto, das durch seine Granitgebäude dunkler ist als Lissabon. Porto heißt Hafen, sie war Hafenstadt der Römer aber auch Griechen, Sweben und Araber fühlten sich hier in früheren Zeiten wohl. Im 9. Jahrhundert hieß es Portuscale (Ruhiger Hafen). Porto ist Geburtsstadt Henirich des Seefahrers (geb. 1394). Porto wurde nie erobert, war schon immer Industrie-und Handelszentrum und Bankensitz, Kaufleute, Bischöfe und der Adel lebten hier. Die Konzerthalle Casa Da Musica wurde für 33 Millionen geplant und kostete dann 111,2 Millionen, die Fertigstellung war zur EM 2002 geplant, aber erst zwei Jahre später beendet.

    Doch Portugiesen haben Geduld: „Es gibt für alles eine Lösung außer den Tod!“ Brücken, eine sogar von Eiffel, die hl. Johannes-Brücke. Auf der anderen Seite der Stadt sind die Lagerhäuser. Der Bahnhof von 1916 wurde mit 20 000 Kacheln verziert, es gibt vieles aus der Geschichte Portugals darauf zu sehen. Prächtig der Börsenpalast, mit arabischem Prunksaal mit Intarsien, Gerichtssaal und imposanten Treppenaufgang oder die St. Franziskus Denkmalkirche mit ihren zahllosen vergoldeten Holzschnitzereien, in der nur ein Gottesdienst jährlich abgehalten wird. Keiner ließ sich die altehrwürdige Buchhandlung entgehen, bevor wir uns auf den Weg in die Korkfabrik Amori aufmachten. Jeder 3. Weinkorken stammt hochgerechnet von diesem Unternehmen. Bei einer sehr interessanten und fundierten Führung  durften wir den Werdegang der unterschiedlichen Korken verfolgen. Staunten, was hier noch manuell verarbeitet und kontrolliert wird und was sonst noch aus Kork gefertigt werden kann.  Nach so viel Theorie über Flaschenver-schlüsse war es Zeit, mal wieder Flaschen zu entkorken und zwar auf der Schattenseite des Duoro, wo die Kellereien angesiedelt sind gab es nach einer weiteren Führung den „Calem-Porto“ zu probieren und schon war es Zeit für das Abschiedsessen mit Dorade bei Fado-Gesang.

    Jede Reise geht mal zu Ende und voller Eindrücke und vielen Informationen über Land, Leute, Wirtschaft, Politik und Geschichte trennten man sich dankbar von Reiseleiterin Silvia und Busfahrer Pedro

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