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  • Mo., 27. August 2018, 12:41 Uhr
    Klinikum Worms reagiert auf zunehmende Gewaltbereitschaft in der Notfallambulanz

    Mehr Sicherheit in der Notaufnahme

    Christian Herr (links) und Martin Gieß (rechts) vom Sicherheitsdienst mit Bettina Schmalz (Ltd. Schwester Notaufnahme) und der stellv. Ärztlichen Leiterin der Notaufnahme Verena Plötz (2.v.r.).


    In der Notaufnahme des Wormser Klinikums kommt ab sofort ein externer Sicherheitsdienst zum Einsatz, der am Wochenende für eine zusätzliche Sicherheit der Klinikmitarbeiter sorgt.

    „Aggressive Verhaltensweisen seitens Patienten oder Angehörigen sind in der Notaufnahme leider keine Seltenheit mehr“, weiß Thomas Waldhofer, der die zunehmende Gewaltbereitschaft als Ärztlicher Leiter der Notaufnahme tagtäglich erlebt. „Gerade in den letzten Monaten haben wir festgestellt, dass die Hemmschwelle für gewaltsame Übergriffe deutlich gesunken ist. Es kommt immer wieder vor, dass versucht wird nach uns zu treten oder uns zu schlagen, aber auch spucken und beißen erleben wir immer wieder“. Hinzu kommt eine enorme Zunahme an verbaler Aggressivität. „Beschimpft“, so Waldhofer, „werden wir eigentlich täglich“.

    „Hierauf mussten wir reagieren“, erklärt Klinikum Geschäftsführer Bernhard Büttner die Entscheidung für die Etablierung des Sicherheitsdienstes. „Es ist unsere Aufgabe unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bestmöglich zu schützen. Unsere Notaufnahme ist ein Ort, an dem schwerstverletzte bzw. kranke Menschen Hilfe finden sollen und an dem Gewalt absolut unangebracht ist. Der neue Sicherheitsdienst ist deshalb ab sofort jedes Wochenende in der Notaufnahme präsent, um den Beschäftigten im Fall der Fälle zur Seite zu stehen. An Brückentagen oder bei besonderen Veranstaltungen – wie etwa Fasching oder dem Backfischfest – wird der Sicherheitsdienst entsprechend ausgeweitet.

    Die Gründe für das angestiegene Gewaltpotenzial sind vielfältig und kein spezifisches Wormser Problem, wie Waldhofer berichtet: „Dass das Aggressionspotenzial allgemein gestiegen ist, ist aus vielen Notaufnahmen in ganz Deutschland zu hören.“ In der Regel sind es auch nicht die Patienten selbst, die auffällig werden, sondern deren Angehörige, wie Waldhofer zu berichten weiß: „Gerade die teils langen Wartezeiten sind für viele Betroffene nur schwer zu verstehen. Hier hat sich das Erwartungsverhalten deutlich geändert. Verständlicherweise möchte man, dass seinem Angehörigen so schnell wie möglich geholfen wird. Wir behandeln in der Notaufnahme nach medizinischer Dringlichkeit – wenn wir also feststellen, dass der Patient eigentlich kein Notfall ist, der Angehörige ihn aber als einen solchen empfindet, führt das oft zu Auseinandersetzungen“. Andere werden aggressiv, weil es dem Patienten nicht sofort wieder besser geht. Die Angst und Sorge um einen Angehörigen ist selbstverständlich absolut nachvollziehbar, aber natürlich keine Rechtfertigung für ausfallendes Verhalten gegenüber den Helfern.

    Zwar informiert das Klinikum seine Patienten mithilfe einer digitalen Informationstafel darüber, wie viele Behandlungsräume aktuell belegt sind, ob gerade ein Schockraumeinsatz stattfindet und zeigt einen Film, der erklärt, warum es zu den teils langen Wartezeiten kommt, aber trotzdem stößt dies oft auf Unverständnis. Aggressives Verhalten seitens der Patienten ist laut Waldhofer hingegen vor allem auf zwei Ursachen zurückzuführen: den Konsum von Alkohol und Drogen oder einer Demenzerkrankung.

    Zwar durchlaufen die Mitarbeiter der Notaufnahme seit vielen Jahren regelmäßig ein Deeskalationstraining, um brenzligen Situationen so gut wie nur möglich begegnen zu können, zum Einsatz eines Sicherheitsdienstes gibt es laut Büttner aber keine Alternative. „Das Sicherheitsgefühl unserer Beschäftigten steht an erster Stelle. Der Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes ist zwar in der Notaufnahme positioniert, kann im Bedarfsfall aber auch von anderen Bereichen des Klinikums angefordert werden. Natürlich hoffen wir, dass unser Wachpersonal so selten wie nur möglich eingreifen muss, im Fall der Fälle aber bestmöglich für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da ist“, berichtet Büttner, für den eine Notaufnahme in erster Linie eins sein soll: Ein sicherer Ort, an dem schwer- und lebensbedrohlich verletzten Patienten rund um die Uhr geholfen wird. Der neue Sicherheitsmitarbeiter soll deswegen in erster Linie deeskalierend wirken. „Aus diesem Grund trägt er auch keine Uniform, sondern einen schwarzen Anzug“, so Büttner abschließend.

     

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