Worms-Horchheim: Gedenkansprache zum Volkstrauertag kritisiert Aufrüstung, Gewalt und Krieg
„Mehr Weisheit wagen“
VON FLORIAN HELFERT Für die allermeisten Bürgerinnen und Bürger ist der Volkstrauertag, welcher 1919 in Gedenken an die Kriegstoten des Ersten Weltkrieges eingeführt worden war und heute traditionell zwei Sonntage vor dem ersten Advent stattfindet, ein ganz normaler Sonntag. Entsprechend verdoppelten die Mitglieder des gemischten Chores der Chorgemeinschaft 2012-Worms-Horchheim am Sonntag die Besucherzahlen in der Horchheimer Friedhofskirche.
„Viele glauben“, äußerte Horchheims Ortsvorsteher Volker Janson sein Bedauern, „dass der heutige Gedenktag unser Leben nicht mehr betreffe“. Doch wer so denke, der irre sich. „Denn unser Frieden und Wohlstand ist keine Selbstverständlichkeit“, erinnerte er an die Opfer und das Leid der beiden Weltkriege. Zugleich appellierte er mit Blick auf die Zukunft, aus den Lehren der Vergangenheit zu lernen und eine friedenssichernde Politik fortzuführen.
„Ein Gedenken ohne weiterzudenken, bleibt leeres Geschwätz“, fand Pfarrer Ralf Volk in seiner Gedenkansprache ebenfalls deutliche Worte. Der menschlichen Weisheit sei mehr zuzutrauen, wie Microchips und unbemannte Drohnen für neueste Waffensysteme – an welcher die Wirtschaft gut verdiene. Weise sei vielmehr, wer auf Atomwaffen verzichte und abrüste. Weise sei, wer an gewaltfreien Lösungen arbeite und vorhandene finanzielle Mittel – statt für Zerstörung – lieber zur Erhaltung des Lebens einsetze. „Mehr Weisheit wagen“, dazu rief er noch auf, bevor nach einem musikalischen Zwischenspiel der abschließende Gang zum Ehrenmal folgte.