Nach einer emotionsreichen Aussprache im Stadtrat votierten CDU und SPD für eine Anhebung der städtischen Unterstützung / 15 Gegenstimmen
Mehrheit für Erhöhung der Festspiel-Zuschüsse
Am Montag diskutierte der Wormser Stadtrat über die Höhe der Zuschüsse für die NIbelungenfestspiele.
Von Gernot Kirch Bereits vor knapp zwei Wochen sorgte die geplante Erhöhung der städtische Zuschüsse für die Nibelungenfestspiele von jährlich 1,5 Millionen auf 1,7 Millionen für heftige Diskussionen im Haupt- und Finanzausschuss. Am Montagnachmittag stand das Thema nun auf der Tagesordnung des Wormser Stadtrates und musste endgültig entschieden werden. Am Ende der etwa einstündigen, hitzigen Aussprache setzten sich die Befürworter aus CDU, SPD und Linken mit einer deutlichen Mehrheit durch. Gegen die Erhöhung der Zuschüsse votierten 15 Stadträte, dies waren die Mitglieder der Fraktionen von Grünen, FWG, FDP sowie Patricia Sonek von der SPD und die fraktionslose Isabel Mehlmann.
Kosten von 4,3 Millionen Euro
Der Abstimmung vorangegangen war eine leidenschaftliche Debatte, in deren Verlauf die Meinungen von Befürwortern und Gegnern aufeinanderprallten. Fundamental neue Ansichten gegenüber der Diskussion im Haupt- und Finanzausschuss gab es dabei kaum. Weitgehende Einigkeit herrschte dabei, dass die Nibelungenfestspiele insgesamt rund 4,3 Millionen Euro kosten. Die reinen Einnahmen, also jene durch den Ticketverkauf und Sponsorengelder, belaufen sich auf 1,2 Millionen Euro. Die restlichen 3,1 Millionen Euro sind Spenden sowie Zuschüsse von Land und Stadt. Das Land gibt dabei rund 650.000 Euro und die Spenden belaufen sich auf etwa 250.000 Euro. Dazu kommen nach dem Stadtratvotum vom Montag 1,7 Millionen Euro an direkten Zuschüssen von der Stadt für die Festspiele. Noch dazu gerechnet werden müssen 500.000 Euro, die von der Stadt Worms für die Herrichtung des Heylshofes ausgegeben werden. Letztgenannte Ausgaben werden jedoch über die Kultur- und Veranstaltungs GmbH (KVG) verbucht.
Emotionsreiche Aussprache
Oberbürgermeister Michael Kissel hob zunächst die Bedeutung der Nibelungenfestspiele, gerade was die positive Außendarstellung der Stadt angehe, hervor. Die Kultur sei ein Motor der Wormser Wirtschaft.
Der CDU-Fraktionsvorsitzende Dr. Klaus Karlin unterstütze den Stadtchef und sagte, die jährlich Erhöhung der Zuschüsse sei sachlich begründet. Hier nannte er etwa das Thema Sicherheit. Zudem seien alle Fraktionen im Gesellschafterausschuss der Festspiele vertreten, sodass die Zahlen allen Parteien seit Jahren bekannt seien. Auch Dr. Klaus Karlin hob die Bedeutung der Nibelungenfestspiele als Werbeträger, im Besonderen für den Tourismus, hervor. Bezüglich der Premierenkarten sagte der CDU-Fraktionsvorsitzende, dass er bereit sei, darüber zu diskutieren, dass etwa 500 Karten in den freien Verkauf kämen. Auch habe er kein Problem damit, wenn Ratsmitglieder etwas bezahlen müssten. Dies solle aber im Gesellschafterausschuss diskutiert werden, dort gehöre die Thematik hin.
Heidi Lammeyer (SPD) sagte, man dürfe die Nibelungenfestspiele nicht gegen andere Ressorts ausspielen, zudem sei die Kultur ein wichtiger Standortfaktor.
Sebastian Knopf (Linke) machte deutlich: "Die Qualität der Festspiele ist nicht mit weniger Geld machbar."
Zahlreiche Kritiker
Richard Grünewald (Grüne) blieb auch im Stadtrat der heftigste Kritiker der Erhöhung der städtischen Zuschüsse. Er sagte, der Stadt liefen die Kosten davon, für viele Bürger seien die Festspiele inzwischen ein „Fass ohne Boden“. Er befürchtete, dass die Erhöhung um jährlich 200.000 Euro nicht ausreicht und es schon bald Forderungen nach mehr Geld gebe. Bezüglich der Tatsache, dass fast alle Premierenkarten kostenfrei vergeben werden, sagte er, hier sei eine „Freibiermentalität“ entstanden.
Skeptisch war auch Dr. Jürgen Neureuther (FDP), er befürchtete ebenfalls, dass es in ein paar Jahren erneut den Wunsch nach einer Erhöhung der Zuschüsse gebe. Matthis Englert (FWG) lehnte die zusätzlichen 200.000 Euro ab und forderte stattdessen: "Entweder die Kosten senken oder die Einnahmen erhöhen, oder am besten beides."
Die fraktionslose Isabel Mehlmann führte aus, dass eine Erhöhung von einer Millionen Euro in fünf Jahren eigentlich nicht viel Geld sei. Es sei jetzt aber eine rote Linie erreicht, daher lehne sie die Mehrausgaben ab, zumal von dem Geld nur ein kleiner Teil der Wormser etwas hätten. Sie selbst sei nach 15 Jahren einmal wieder bei den Festspielen gewesen. Sie habe sich mit ihrer (kostenfreien) Premierenkarte aber geschämt.
David Hilzendegen (Grüne) betonte, das niemand die Festspiele abschießen wolle, aber man müsse fragen, wie viel Steuergelder dafür ausgegeben werden dürften, zumal die Stadt hoch verschuldet sei. Mit den Schulden würde die Stadt die Verantwortung auf die nachfolgende Generationen verschieben. Abschließend merkte er an, dass seine Partei es mittragen könne, dass Schulden für Kitas und Schulen gemacht werden, nicht jedoch für die Nibelungenfestspiele. Insgesamt forderte er mehr Transparenz, denn es gehe um öffentliche Gelder.