Mo., 24.08.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Mi., 04. September 2013, 17:23 Uhr
    CDU-Bundestagskandidat Jan Metzler und CDA-Landeschef Adolf Kessel informierten sich am Tag des Tischlerhandwerks beim Lehrlingswart der Schreiner-Innung Rheinhessens, Edgar Martin,

    Metzler und Kessel: Tiefen-Einblick ins Schreinerhandwerk erhalten

    Landtagsabgeordneter Adolf Kessel und Bundestagskandidat Jan Metzler haben sich anlässlich des Tags des Schreinerhandwerks bei der Worms-Hochheimer Schreinerei Martin ausführlich über Sorgen, Nöte und Chancen im Handwerk ausgetauscht. Schreinermeister Edgar Martin, der das 1876 gegründete Familienunternehmen nun schon in vierter Generation führt und ehrenamtlicher Lehrlingswart der Tischler.Innung.Rheinhessen ist, konnte viele Probleme aus einer besonderen Sicht schildern und intensiv Einblick geben in die derzeitigen Herausforderungen kleiner und mittelständiger Handwerksbetriebe. „Das war ein Tiefen-Einblick“, fasste Metzler am Ende der rund zweistündigen Diskussion zusammen, bei der es auch um konkrete Lösungsansätze ging. Kessel, der auch Landesvorsitzender der Christlich Demokratischen Arbeitnehmerschaft (CDA) ist, richtete den Fokus insbesondere auf das Marktumfeld und die Schwierigkeit, geeignete und genügend Auszubildende für den Schreinerberuf zu bekommen.

    Nach Schwerpunkten aufgliedern
    Ein Anliegen von Martin ist, die ihm zufolge sehr komplexe Ausbildung des „Universal-Schreiners“ in die zwei Haupttätigkeitsbereiche Fenster- und Türen sowie Möbel- und Innenausbau aufzugliedern. So könnten auch Betriebe wieder ausbilden, die selbst keine Möbel mehr bauen. Dies käme sowohl der Entwicklung der Leistungsfähigkeit der Betriebe als auch den Auszubildenden entgegen. Leider finde diese Idee in den zuständigen Gremien wenig Zustimmung.

    Auch das Thema tariflich vereinbarter Mindestlohn sprach Kessel an. Martin befürwortete einen solchen Mindestlohn, bei dem allerdings „die Tarifpartner mit im Boot sitzen müssten“ – eine Forderung, auf die auch CDU und CDA besonderen Wert legen. „Der Mindestlohn muss von den Tarifpartnern ausgehandelt werden“, fassten Kessel und Metzler zusammen. Martin favorisierte auch eine Abstufung nach Regionen. Allerdings nütze diese recht wenig, wenn sie nicht für allgemeinverbindlich erklärt werde.

    Handwerk muss professionelle Imagepflege betreiben
    Martin sah ein weiteres Problem darin, dass das Handwerk, zumindest auf lokaler und regionaler Ebene, kaum professionelle Imagepflege betreiben könne. „Die Lobbyarbeit muss der Meister nebenher machen“. Auch die Innungsarbeit laufe komplett auf Ehrenamts-Basis, zumindest auf den unteren Ebenen. Dass es trotzdem möglich ist, dass sich das Image eines Berufsstandes wandelt, machte Metzler, der nicht nur internationaler Koordinator an der Fachhochschule Worms ist, sondern auch gelernter Winzer, am Beispiel seines eigenen Berufsstandes deutlich: „In den 80er Jahren galt der Winzer wenig – inzwischen ist es ein Beruf, der eine Renaissance erlebt und an Ansehen gewonnen hat“.

    Metzler berichtete von einem Besuch im Dienstleistungszentrum ländlicher Raum in Oppenheim, wo er jüngst erfahren habe, dass es derzeit auch ganz besonders viele Seiteneinsteiger bei den Winzern gebe.

    Martin schilderte anhand der eigenen Unternehmensgeschichte, wie sich der Schreinerberuf gewandelt hat und neuen Anforderungen stellen musste. Heute kämen immer mehr Kunden nur noch dann, wenn es gezielt Probleme zu beheben gebe, die in Nachbarschaftshilfe nicht zu lösen seien. Möbelbau auf Maß sei im Vergleich zu früheren Jahren deutlich weniger gefragt. Speziell die Schreinerei Martin, die lange Zeit einen Großkunden bediente und sich auf die Ausstattung von Postämtern spezialisiert hatte, musste sich, nach der Post-Privatisierung, nach neuen Aufgabenfeldern umsehen.

    Viel Wissen, Können und Flexibilität abverlangt
    „Ich habe darauf gesetzt, das komplette Leistungsspektrum eines Schreiners anzubieten und das auch noch in guter Qualität, was mir und meinen Mitarbeitern viel Wissen, Können und Flexibilität abverlangt“, schildert Martin, dessen Team aktuell aus zwei Gesellen und einem Auszubildenden besteht.

    Nur 50 bis 70 Prozent eines Jahrgangs schafften die Gesellenprüfung im ersten Anlauf, beklagte Martin. Dies liege mitunter an mangelnder Befähigung und Motivation der Jugendlichen, aber auch daran, dass die Anforderungen an das Handwerk nicht geringer geworden seien.

    Auch wenn das Image des Schreiners in der Bevölkerung recht gut sei, ließe doch die Wertschätzung für Qualitätsarbeit zu wünschen übrig. So liege die Bezahlung unter der vieler Dienstleistungsbranchen oder gar der Industrie.

    Dennoch wollte Martin die Lage nicht nur düster zeichnen: Kunden seien auch heute noch bereit, für Qualität etwas mehr Geld auszugeben, zumal sich die Kosten über die längere Lebensdauer relativierten. Metzler lobte den Handwerks-Slogan „die Wirtschaftsmacht von nebenan“ als passend, dieser bleibe lange im Gedächtnis.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Aus dem Nibelungenland
    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige dkge 1x1
    Anzeige Tip SüdhessenAnzeige Klinikum Worms - Tag der offenen TürAnzeige das Wormser
    Anzeige AmtsblattAnzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige Ticketshop