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  • Mo., 14. November 2016, 14:22 Uhr
    Fotos des Wormser jüdischen Tauchbades sollen zweieinhalbjährige Sperrung für Besucher „überbrücken“

    Mikwe-Sanierung hat begonnen

    Foto: Regina UrbachDas Medieninteresse an der Sanierung des kulturgeschichtlich wichtigen Gebäudes war groß. Foto: Regina Urbach


    VON REGINA URBACH Morgen starten die Sicherungsmaßnahmen für die Sanierung des jüdischen Tauchbads Mikwe unter Leitung von Architekt Jürgen Hamm. Das Gebäude aus dem Jahr 1185 war zuletzt Ende der 50er Jahre saniert und wiederaufgebaut worden und weist mittlerweile laut Gutachten bedrohliche Durchfeuchtungen, Risse und Verformungen auf. Der Erddruck des ca. acht Meter in die Tiefe gebauten Bauwerks hat bereits statische Schäden hervorgerufen, wie Architekt Jürgen Hamm am Montag vor der Presse erklärte.

    Zudem bescheinigen Messungen dem Klima in dem Gebäude eine so hohe Keimbelastung, dass nun Handeln gefordert sei, wie Dr. Roswitha Kaiser von der Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (GDKE) deutlich machte. Das Land Rheinland-Pfalz sei gegenüber dem Wormser Synagogenkomplex in der Verantwortung und bemühe sich hier, auch aus Töpfen des Bundes weitere Förderungsmöglichkeiten zu erwirken. Denn wie wichtig Worms für die Erinnerung an jüdisches Leben in Deutschland ist, zeige sich schon im Jüdischen Museum Berlin, in dem man sofort auf Worms stoße, sagte sie.

    Gsesamte Sanierung dauert bis zu 10 Jahren
    Die gesamte Sanierung, schätzte Oberbürgermeister Michael Kissel, werde sich über bis zu zehn Jahre erstrecken, von Gesamtkosten von einer halben bis einer Dreiviertel Million sei nach derzeitigem Stand auszugehen. Die Stadt Worms trage die Hälfte der Kosten des ersten Bauabschnitts, der Sicherung, mit 75.000 Euro, die andere Hälfte wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt übernommen, die auch weitere Sanierungsmaßnahmen wie die mikrobiologische Oberflächen-Untersuchung im Rahmen eines Forschungsprojekts unterstützt.

    Das Mainzer Institut für Steinkonservierung, die Hochschule Hildesheim, die FH Erfurt und andere Hochschulen sind ebenfalls mit drittfinanzierten Projekten in die Sanierung eingebunden. Sicherung und Konsolidierung werden voraussichtlich bis Herbst 2017 abgeschlossen sein, anschließend erfolgen Oberflächenanalyse und –konservierung sowie die Wiedereinbindung des Baus in sein Umfeld.

    Für Besucher wird der Bau, von dessen historischer Aura Touristen wie Wormser schwärmen, erst einmal für mindestens zweieinhalb Jahre nicht betretbar sein.

    Bessere Chancen bei Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe
    Doch Dr. Gerold Bönnen (Leiter des Wormser Stadtarchiv) macht sich bereits Gedanken über Möglichkeiten, den Besuchern Eindrücke in Form von Fotos oder Projektionen im Sinne einer „lebendigen Baustelle“ zu bieten. Mit der Maßnahme erhöhe Worms laut Dr. Susanne Urban, Geschäftsführerin des SchUM-Städte-Vereins, die Aussichten für den SchUM-Städte-Antrag, über dessen Aufnahme ins UNESCO-Weltkulturerbe 2021 entschieden wird: Denn so untermauere Worms den Willen zur Konservierung seines heute noch erfahrbaren jüdischen Erbes. „Die Mikwe ist DAS Gebäude überhaupt, das von einer jüdischen Gemeinde in einer Stadt zeugt“, bestätigte Stella Schindler-Siegriech, Jüdische Gemeinde Mainz/ Worms, die Bedeutung des Sanierungsvorhabens.

    Jürgen Hamm, Stella Schindler-Siegreich, Michael Kissel und Dr. Roswitha Kaiser, GDKE (von links). Fotos: Regina Urbach


     

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