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  • Fr., 12. Juli 2013, 19:32 Uhr
    Der rheinland-pfälzische Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer 
besuchte am Donnerstag die Firma Fiege und den Nibelungen Kurier

    Minister auf Sommertour in Worms

    Der Minister in den Räumen des NK. Von links: Redaktionsleiter Steffen Heumann, Alexander Schweitzer und NK-Geschäftsführer Frank Meinel. Foto: Lili J. Oberle


    VON GERNOT KIRCH Eine Sommertour bietet für Politiker die Chance, sich zu informieren, wo den Menschen und Unternehmen im Land der Schuh drückt, aber auch, um erfolgreiche und innovative Firmen näher kennen zu lernen.
    So nutzte auch der rheinland-pfälzische Arbeits- und Sozialminister Alexander Schweitzer diese Gelegenheit und besuchte am Donnerstag bei seiner Tour in der Nibelungenstadt das Logistikunternehmen Fiege sowie die Verlagsräume des Nibelungen Kuriers in der Prinz- Carl-Anlage.

    Zunächst stand die Visite bei Fiege auf dem Programm. Minister Schweitzer betonte hierbei, dass Rheinland-Pfalz ohne die Logistikbranche nicht dort stehen würde, wo es sich heute befände. Die günstige geografische Lage, gepaart mit einer guten Infrastruktur aus Schiene, Straße und Wasserwegen, habe das Land stark vorangebracht. Er verwehrte sich gegen das Negativ-
image der Logistiker, dass dort nur Kisten verpackt und diese dann mit dem Truck durch die Gegend gefahren würden. Dabei hätte sich die Branche längst zum modernen Dienstleistungsgewerbe weiterentwickelt, dessen Tätigkeit eng mit der Güterherstellung der Industrie verknüpft sei und schon an deren Produktionsstraßen beginne. Es sei sehr positiv, dass Fiege seine Aktivitäten in Worms ausbaue.

    1.600 Beschäftigte vor Ort
    Im Anschluss an die Worte des Ministers stellte der Wormser Fiege-Chef, Michael Suden, die Wormser Niederlassung des weltweit agierenden Konzerns mit seinen 11.000 Mitarbeitern in 17 Ländern und 200 Standorten vor. Suden führte aus, dass Fiege in Worms auf mehrere Stützpunkte verteilt 1.600 Vollzeitmitarbeiter habe und das Unternehmen durch die Erweiterung des Bosch-Zentrallagers auf den Gemarkungen Worms-Rheindürkheim und Osthofen noch weiter wachse.
    Ein herausragender Standortvorteil von Worms sei die verkehrsgünstige Lage zwischen Rhein-Main und Rhein-Neckar-Gebiet.
    Als ganz entscheidenden Erfolgsfaktor für Fiege hob Suden die qualifizierten Mitarbeiter hervor. Aus diesem Grund besitze die Ausbildung von Lehrlingen ein besonderes Augenmerk. Zurzeit befänden sich 70 Jugendliche in sechs Berufen in der Ausbildung. Das Spektrum reiche vom Kaufmann über den Elektriker und den Informatiker bis hin zur Fachkraft für Logistik.
    Ein niederschwelliges Angebot sei die Ausbildung zum Fachlageristen. Hier hätten auch Jugendliche mit geringer schulischer Qualifikation die Chance, einen Beruf zu erlernen und sich entsprechend weiter zu qualifizieren. Auch die duale Ausbildung mit Bachelor-Abschluss biete Fiege. Jedem Jugendlichen, der sich für eine Ausbildung hier interessiere, empfahl Suden ein Praktikum.
    Auf Nachfrage bestätigte der Geschäftsführer, dass der „Kampf“ um Auszubildende längst begonnen habe. Daher sei es für sein Unternehmen überlebenswichtig, attraktiv zu sein und sich intensiv um junge Mitarbeiter zu kümmern, wobei auch die Bezahlung stimmen müsse. Inzwischen würden bei Fiege in Worms Menschen aus 39 Nationen arbeiten.
    OB Michael Kissel stellte zum Abschluss der Gesprächsrunde die Bedeutung der Logistikunternehmen beim Abbau der Arbeitslosigkeit heraus. Für das Wachstum von Worms sei es wichtig, so das Stadtoberhaupt, dass weitere Möglichkeiten zur wirtschaftlichen Entwicklung geschaffen werden.

    Zweimal wöchentlich mit mit je 63.000 Exemplaren
    Die zweite Station bei der Worms-Visite des Ministers war der Nibelungen Kurier in der Prinz-Carl-Anlage.
    Im Rahmen einer Führung stellte Geschäftsführer Frank Meinel den Verlag vor. Dabei konnte er erfahren, dass der Nibelungen Kurier 35 feste und freie Mitarbeiter beschäftigt und seit 30 Jahren zweimal in der Woche mit einer Auflage von jeweils 63.000 Exemplaren erscheint.

    Von Bobenheim-Roxheim bis Guntersblum
    Das Verbreitungsgebiet der Gratiszeitung erstreckt sich von Guntersblum bis Monsheim, Worms und Bobenheim-Roxheim. Sehr interessiert zeigte sich der Minister an den einzelnen Produktionsschritten von der Arbeit der Journalisten über die grafische Gestaltung der Seiten am Computer bis hin zum Druck und der Auslieferung.
    Im Anschluss an die Präsentation des Verlages nutzte die Redaktion des NK die Gelegenheit, um sich mit dem Minister über aktuelle Fragen der Landespolitik zu unterhalten. Lesen Sie dazu das untenstehende Interview.


    Soziale Themen im Brennpunkt


    Arbeitsminister Schweitzer stellte sich den Fragen der NK-Redakteure


    Der Arbeits- und Sozialminister stellte sich den Fragen der NK-Redakteure. Von links: Robert Lehr, Redaktionsleiter Steffen Heumann, Gernot Kirch (alle NK) sowie Alexander Schweitzer. Foto: Lili Judith Oberle


    VON GERNOT KIRCH Seit Januar 2013 ist Alexander Schweitzer rheinland-pfälzischer Minister für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Demografie.
    Er ist 1973 in Landau geboren, hat in Mainz Rechtswissenschaften studiert und saß von 2006 bis 2009 als Abgeordneter im Mainzer Landtag. Von 2009 bis 2011 war er Staatssekretär im Wirtschaftsministerium. Nach der Landtagswahl 2009 wurde der inzwischen dreifache Vater Generalsekretär der rheinland-pfälzischen SPD und bekleidete dieses Amt bis ihn die neue Ministerpräsidentin Malu Dreyer zum Jahresbeginn in ihr Kabinett holte.
    Mit dieser steilen Karriere ist Alexander Schweitzer einer der Shooting-Stars der Landes-SPD. Dabei gilt er als ein Politiker, der Klartext redet, aber auch genauso zuhört, was Bürger, aber auch Parteigenossen, sagen. Bekannt ist Ale-xander Schweitzer für seinen lockeren und stets humorvollen Umgangsstil.
    Im Gespräch mit den Redakteuren des NK ging es zunächst um die immer schwieriger werdende, ärztliche Versorgung, gerade auch im ländlichen Rheinhessen.

    Damoklesschwert 
Ärztemangel
    Alexander Schweitzer betonte, dass die Demografie hier gleich doppelt zuschlage. Einerseits werde die Bevölkerung immer älter, benötige also mehr ärztliche Versorgung. Andererseits kämen jetzt auch viele Ärzte ins Rentenalter und nicht für jede Praxis gäbe es Nachfolger. Die Nachbesetzung zu organisieren sei Sache der Kassenärztlichen Vereinigung (KVG), wichtig ist aber, hier gegenzusteuern. Das Niederlassen von Ärzten, speziell auf dem Land, müsse gefördert werden. Ein richtiger Schritt dahin sei der Wegfall der Residenzpflicht, was bedeute, die Ärzte müssten nicht mehr dort wohnen, wo sie ihre Praxis haben.
    Auch sei es inzwischen leichter möglich, sich in Praxen anstellen zu lassen. Dies käme gerade vielen Ärztinnen zu Gute, die neben dem Beruf auch noch eine Familie gründen wollten und daher möglichst geregelte Arbeitszeiten benötigten. Hier merkte der Minister an, dass inzwischen 70 Prozent aller Medizinstudenten Frauen seien.

    Kein Kompromiss beim Mindestlohn
    Beim Thema Mindestlohn machte Alexander Schweitzer deutlich, für wie notwendig er die Einführung hält. Prinzipiell sei es zwar wünschenswert, wenn die Tarifpartner die Löhne aushandelten, aber in einigen Branchen existierten keine ausreichend starken Tarifpartner auf Arbeitnehmerseite. Daher müsse der Staat hier gesetzliche Regelungen treffen, um Menschen ein Einkommen zu sichern, von dem sie leben könnten. (Anm. d. Red.: Die SPD möchte einen Mindestlohn von 8,50 Euro einführen).

    Als sehr bedauerlich bezeichnete es Alexander Schweitzer, dass die bundesweit erfolgreichen Projekte des Städtebauförderprogramms „Soziale Stadt“ von Seiten des Bundes nicht mehr fortgeführt werden.

    Wormser Süden zeigten sich die Erfolge der 
„Sozialen Stadt“
    Gerade im Wormser Süden mit dem Brennpunkt Boosstraße habe man sehen können, welche Erfolge durch Infrastrukturmaßnahmen, aber auch der Förderung des Gemeinschaftssinns, erzielt werden konnten.
    Das Land würde die vom Bund fehlenden finanziellen Mittel zwar zurzeit ausgleichen, doch dies sei auch im Hinblick auf die Schuldenbremse nicht auf Dauer durchzuhalten. Daher müsse der Bund hier wieder ins Boot.

    Zukunft der Landesgartenchauen ungewiss
    Auf die Nachfrage, wie die Chancen bezüglich eines Förderprogramms für den Wormser Norden aussehen, antwortete Alexander Schweitzer, man würde in Mainz darüber Gespräche führen. Die Notwendigkeit sei vorhanden, aber der finanzielle Rahmen dazu müsse erst ausgehandelt werden.
    Eine Möglichkeit zur Förderung des Quartieres sei eine Landesgartenschau, zumal mit diesem Instrument in Bingen oder Trier nachhaltige städtebauliche Ziele erreicht worden seien. Ein Entscheidung über die Zukunft der Landesgartenschauen und einen möglichen Standort für die nächste Blumenschau sei aber noch nicht gefallen.

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