Bundesfamilienministerin Schwesig (SPD) betont die Bedeutung der Sprachförderung in Kitas und sieht in der Flüchtlingsfrage die größte Herausforderung seit der Wiedervereinigung
Ministerin auf Visite in Neuhausen
Ministerin Schwesig (SPD) in der Kita "KIndertreff93" in Worms-Neuhausen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Manuela Schwesig (SPD), war am Donnerstagmorgen im Rahmen ihrer Rheinland-Pfalz-Tour für rund eine Stunde in Worms. Im Fokus des Besuches stand die Kita "Kindertreff93" in Worms-Neuhausen. Dort informierte sich die 41-jährige Ministerin in erster Linie über die Umsetzung des Bundesprogramms "Sprach-Kitas". Bei dem 2011 aufgelegten Projekt werden bundesweit 4.000 Kitas gefördert, indem jeweils eine Sprachexpertin mit einer Halbtagsstelle finanziert wird. Hintergrund des Programms ist die Erkenntnis, dass das Beherrschen der deutschen Sprache für die Kinder die Grundvoraussetzung ist, um in der Schule folgen zu können und einen erfolgreichen Abschluss zu machen. Und je früher die Buben und Mädchen mit dem Erlernen der deutschen Sprache beginnen, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie später in der Schule gute Noten erzielen. Daher wird der Ansatz verfolgt, mit der Sprachförderung bereits in den ersten Kita-Jahren zu beginnen. Die Sprachexpertin im Kindertreff93 in Worms-Neuhausen setzt hier an und coacht die Erzieherinnen, macht Fortbildungen und setzt sich auch mit den Eltern zusammen, um hier flankierend zu unterstützen. Das Bundesprogramm läuft am 31. Dezember 2015 aus, doch ist für 2016 schon ein Nachfolgeprojekt in der Umsetzung.
Ministerin kommt mit Flotte
Wer denkt, eine Bundesministerin kommt einfach so mit Dienstwagen und kleinem Gepäck in Neuhausen vorbei, der irrt. Bevor von der Politikerin irgendetwas zu sehen ist, erscheinen Kamerateams, die sich in Position bringen, dann sind da natürlich Sicherheitspersonal und schließlich trifft ein ganzer Reisebus voller Journalisten von der Bundespresse ein. Dann aber, um 10.30 Uhr, ist es soweit und Manuela Schwesig erreicht mit ihrem Wagen die Kita und steigt mit hellblauem Kostüm aus. Zunächst werden die obligatorischen Fotos gemacht, dann aber beginnt das Besuchsprogramm. Und hier gibt sich Manuela Schwesig sehr locker und unverkrampft. Bevor sie redet oder ein anderer Politiker zu Wort kommt, begrüßt sie die Kinder, spricht und scherzt mit ihnen und verteilt Spiele sowie Süßigkeiten. Jetzt ist natürlich das Eis gebrochen und alle Jungen und Mädchen schauen die "Frau aus Berlin" mit großen Augen an und singen noch zwei tolle Lieder. Doch nach etwa 15 Minuten ist der Spaß mit den Kids vorbei und die große Politik fängt an. Bundestagsabgeordneter Marcus Held (SPD) begrüßt die Ministerin, überreicht als Geschenk rheinhessischen Wein und weist Manuela Schleswig in den Stadtteil Neuhausen ein.
23 Nationen in der Kita
In Bezug auf den Kindertreff93 erfährt die Sozialdemokratin von der Leiterin, Margit Frey, dass in der Kita rund 100 Kinder betreut werden, von denen 75 in die Kita und der Rest in den Hort gehen. Zu 80 Prozent haben die Kinder Migrationshintergrund. Die meisten Zuwanderer kommen aus Osteuropa, zum Beispiel aus Kasachstan oder der Ukraine, aber es sind auch welche aus arabischen Ländern oder den Niederlanden dabei. Margit Frey führt aus, dass das Programm seit dem Start im Jahr 2011 im Kindertreff93 laufe und es seitdem große Fortschritte gegeben habe. Je früher die Kleinen in der Kita ihre Sprachdefizite ausgleichen würden, je besser wäre der Start in der Schule. Kämen Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse in den letzten Kitajahrgang, könne die deutsche Sprache bis zum Schulbeginn kaum mehr richtig gelernt werden. Die Folge seien Startschwierigkeiten in der Schule. Daher sei Sprachförderung so wichtig. Die Ministerin und Bundestagsabgeordneter Marcus Held unterstützen hier die Leiterin und sagte zu, an dem Punkt nicht locker zu lassen.
Größte Herausforderung
Beim abschließenden, kurzen Gespräch mit der Presse wurde neben der Sprachförderung auch über die Flüchtlingsproblematik, das zurzeit wohl brennendste Thema, gesprochen. Die Ministerin sprach davon, dass es die größte Herausforderung für Deutschland seit der Wiedervereinigung ist. Wichtig sei die Möglichkeit zur Arbeitsaufnahme für Flüchtlinge zu erleichtern. Denn Arbeiten heißt auch Teilhabe an der Gesellschaft. Und die allermeisten Flüchtlinge wollten arbeiten, wollten ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und niemandem auf der Tasche liegen. Manuela Schwesig hab auch das bürgerliche Engagement hervor, denn letztlich könne und müsse der Staat viel tun, aber die Integration werde nur gelingen, wenn die Bürger die Zuwanderer willkommen heißen und in die Gesellschaft einbinden. Dies geschehe schon in sehr vorbildlicher Weise.
Nach knapp einer Stunde setzte sich der Tross der Ministerin dann wieder in Bewegung. Die nächste Station war die BASF. Ganz vergnügt blieben die Kinder zurück, die sich über mitgebrachten Süßigkeiten hermachten.