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  • Di., 27. August 2024, 12:39 Uhr
    NABU Worms-Wonnegau: 35 Jahre erfolgreicher Steinkauzschutz im Wonnegau / Aktuell 55 Brutpaare

    Mit einem „Darmstädter“ fing alles an

    Ein erwachsener Steinkauz, fotografiert bei der Beringung. Foto: NABU Worms-Wonnegau


    Wenn etwas als Erfolgsgeschichte im Artenschutz bezeichnet werden kann, dann zählt das Steinkauzprojekt des NABU im Wonnegau in jedem Fall dazu. Als sich vor 35 Jahren junge Naturschützer unter Leitung eines erfahrenen Ornithologen zusammentaten und 1989 die ersten beiden Steinkauz-Niströhren bei Worms-Heppenheim in Nussbäumen aufhängten, konnten sie nicht ahnen, dass 35 Jahre später der Steinkauz vom Aussterben gerettet ist. Ohne spezielle Schutzprogramme und ein gewissenhaftes Monitoring wäre die kleine Eule nämlich auch in Rheinhessen verschwunden. Denn traditionelle Lebensräume wie Streuobstwiesen, die sich einst an Ortsrändern befanden, sind Baugebieten gewichen.

    Überraschendes im Jahr 1990
    Die Brutzeitkontrolle in Heppenheim brachte 1990 dann überraschendes zutage: Ein Steinkauz saß mit seiner Partnerin in der Brutröhre und hatte Junge zur Welt gebracht. Anhand des angelegten Ringes konnte man seine Herkunft nachweisen. Er wurde im Jahr zuvor im Darmstädter Vivarium in die Freiheit entlassen. Die Beringung im Auftrag der Vogelwarte Radolfzell führen die Aktiven des NABU seitdem gewissenhaft durch und konnten so manch interessante Zu- aber auch Abwanderungen dokumentieren.

    Reger Austausch
    Während ein reger Austausch innerhalb Rheinhessens oder mit den hessischen Brutgebieten am Main stattfindet, verzeichneten die Aktiven auch Zuflüge aus dem 80 km entfernten Butzbach in Mittelhessen oder aus dem grenznahen Hunspach oder Zutzendorf in Frankreich. „Das sind Entfernungen von knapp 100 km, die der Steinkauz bis zu uns zurücklegt!“, weiß Matthias Bösl vom NABU, einer von drei Beringern, „sogar aus dem Bereich Basel und Soest schafften es zwei Vögel zu uns“. Was ihnen im Wonnegau so gut gefällt, das kann natürlich nur spekuliert werden. „Es lebt sich hier halt so gut“, erklärt Bösl mit einem Schmunzeln, „im Ernst, wir haben natürlich auch Abgänge in andere Regionen und freuen uns über den genetischen Austausch!“

    Aus dem einen Paar von 1990 sind im Laufe der Jahre kontinuierlich mehr geworden. In 2024 zählte man bereits 55 Brutpaare. Von Wiesoppenheim im Süden bis nach Gimbsheim im Norden und Mölsheim und Gundersheim im Westen fühlen sich Steinkäuze dank der rund 100 Niströhren, die federführend vom NABU und Eulenfreunden unterschiedlicher Zugehörigkeit, z.B. BUND und GNOR oder Privatpersonen betreut werden, besonders wohl.

    Auch Gartenschläfer nutzen Niströhren
    Mehr als 150 Jungvögel ziehen die Steinkäuze jährlich erfolgreich groß, was viel Arbeit für die zahlreichen ehrenamtlichen Betreuer vor Ort bedeutet. Nach dem Ausfliegen suchen sich die kleinen Eulen dann einen Partner und eine der frei gebliebenen Niströhren. Die 2024 übrigens nicht vom Steinkauz beanspruchten Röhren bezogen in jährlich abnehmender Zahl Stare und in 18 Fällen Gartenschläfer, was beim kleinen Nager eine deutliche Steigerung gegenüber den Vorjahren bedeutet.  

    Der NABU hat die Niströhren übrigens an freistehende Nussbäume weit draußen in der Landschaft angebracht, aber auch einige Röhren an der Stromtrasse befestigt. Dort sind die Erfolge gut. Im Bereich Osthofen wurde beispielsweise eine mittlerweile 10 Jahre alte Steinkäuzin angetroffen, die aus Ober-Olm stammt und schon mindestens seit 2018 bei uns brütet. Kurioses gibt es aus dem Bereich Gimbsheim zu vermelden: Ein Team der GNOR hat dort Steinkauzröhren und Wiedehopfkästen angebracht, was dazu führte, dass die Steinkäuze die Wiedehopfkästen besiedeln und manche Wiedehopfpaare Steinkauzröhren in Beschlag nehmen.

    Spannung vor nächster Saison
    Ob die Jungen nun alle gut durch den heißen Sommer mit der Trockenheit kommen und sie ausreichend Mäuse oder Insekten finden, wird sich spätestens nächste Saison zeigen. „Dann ziehen die Steinkauzbetreuer wieder los und schauen in jede Brutröhre, ob Eulen eingezogen sind“, ist Bösl genauso gespannt wie das ganze Team.

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