
Von Regina Urbach Worms, 18. April 1521. Martin Luther, aus dem Kloster ausgetretener Mönch und derzeit größter Unruhestifter im Reich, wird vor Kaiser Karl V. zitiert, um seine aufrührerischen Lehren auf dem Reichstag zu widerrufen. Dank 3D-Technik können sich Besucher der Ausstellung „Luther in Worms 1521“ (13.02.-29.05.) vom Museum Heylshof in den verschwundenen Bischofshof und in Luthers Worms „beamen“. Aus Hunderten von Zeichnungen, vor allem von Peter Hamman (um 1689), einer Unmenge topographischer Daten, Luftbildern, Grunddaten der Stadt und historischen Stadtplänen stellte die 3D-Spezialfirma faber courtial im Auftrag der Stadt Animationen zu fast allen möglichen Stadtperspektiven her. Luthers Worms lässt sich erstmals wie in einem Film in 3D durchschreiten und sogar in Einzelheiten heranzoomen.
Worms durchschreiten wie im Film
Gemeinsam mit OB Michael Kissel gab Medienkünstler Eichfelder am Dienstag der Presse Einblick in die Erlebniswelten der Ausstellung. Dass die Stadtansichten die Betrachter sofort in einen Film zu versetzen schienen, ist kein Zufall: „Wir haben faber courtial angesprochen, weil wir erfahren haben, dass das Unternehmen zurzeit an einer kompletten 3D-Animation von Worms für einen abendfüllenden Lutherfilm arbeitet. Dadurch konnten wir einen relativ guten Preis erzielen", verriet Eichfelder. Das ZDF widmet sich ebenfalls dem Thema Reformation und begann nun mit dem Dreh zum Zweiteiler "Himmel und Hölle". Dementsprechend ist der Sendetermin im Rahmen des ZDF-Angebots zur 500 Jahre Reformation im Oktober 2017 geplant.
Für die aus Bundesmitteln finanzierte 3D-Animation waren so 26.000 Euro zu berappen. Insgesamt schätzte Kissel die Ausgaben für die Wormser Luther-Events 2017 auf ca. 200.000 Euro, zu denen 35.000 der Bund zuschieße und weitere Mittel aus anderen Spendenquellen stammten.
Die Ausstellung bietet neben einem zwei Meter breiten Bildschirm für Animationen und Film (Texte von Dr. Fritz Reuter) ansprechend aufbereitete historische Netzwerkdiagramme sowie eine Übersicht über ca. 50 sachkundig von Dr. Gerold Bönnen kommentierte Darstellungen Luthers vor dem Kaiser, der Reformations-Urszene schlechthin. Insgesamt sind etwa 1.000 solcher Darstellungen bekannt, die meisten davon historisch nicht authentisch. Das Logo aus dem Luther-Veranstaltungsheft wurde übrigens original aus der Bannschrift gegen Luther entwickelt, die in der Stadtbibliothek aufbewahrt ist. Das Lutherporträt auf dem Titel ist eine 3D-Entwicklung aus der zeitgenössischen Zeichnung von Lucas Cranach d. Ä.
Verwertung für Luther-Stelen, Ausstellungen/ Luther zu Festspielen 2021
Auch die Verwertungsrechte an den Animationen hat sich die Stadt gesichert, sodass sie auch in eine Verbesserung der Luther-Stelen oder in eine Präsentation zur Päpste-Ausstellung im Mannheimer Museum Zeughaus (21.05.-31.10.17) einfließen werden. Zur großen Lutherausstellung 2021 im städtischen Museum Andreasstift soll ein Update der Animationen mit eventuellen Berichtigungen herausgebracht werden. OB Kissel lenkte den Blick auf kommende Luther-Events von Stadt wie Evangelischem Dekanat Worms-Wonnegau, etwa die Eröffnung des Erlebnisparcours im Heylshofpark am 14. Mai bis hin zu einer für 2021 angedachten Aufnahme des Lutherthemas zu den Nibelungenfestspielen. Eichfelder, nicht um Visionen verlegen, sprach vom Wunsch, den Reichstagsauftritt mittels Virtual Reality und 3D-Brille sogar persönlich erlebbar zu machen. Mag dies auch ein wenig teurer ausfallen, so zeigen doch die bereits jetzt erreichten 3D-Animationen, wohin die Reise geht: Geschichte immer hautnaher erlebbar zu machen. Dies entwickelt sich zunehmend zu einem Alleinstellungsmerkmal des Wormser Kulturprofils.
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