
Von Regina Urbach. Angesichts des trüb feuchten Wetters am Neujahrstag tat ein musikalisch beschwingter Start ins Neue Jahr dringend not. Die Karten waren wieder einmal ausverkauft, die Pauluskirche der Dominikaner restlos gefüllt und das Publikum so angetan vom Konzert, dass die Musiker nach eineinviertel Stunden Konzert eine Zugabe gaben – per Abstimmung und natürlich aus dem „musikalischen Spaß“.
Damit keine Missverständnisse über die mangelnde Spielkunst des hoch qualifizierten Barockensembles Pulchra Musica aufkamen, und auch weil so mancher über 200 Jahre alte „Spaß“ für heutige Ohren gar nicht so ungewöhnlich klingt wie für das 18. Jahrhundert, holte der musikalische Leiter Christian Bonath zu höchst anschaulichen Erklärungen aus. Sogar während des konzertanten Vortrags zeigte er dem Publikum durch übertriebene Dirigiergesten, wo es spaßig wurde. Mal wurden die Harmonien der Geigen „verschleift“, mal jaulten die Hörner schiefe Terzen, mal wurden Rhythmik und Einsätze des ganzen Orchesters durcheinander gewirbelt wie buntes Laub im Herbst.
Der vom 31-jährigen Mozart komponierte „Spaß“ sollte vermutlich als schlechtes Beispiel für hapernde Kompositionskünste dienen. Umrahmt wurde er auf dem Konzertprogramm von zwei frühen Symphonien, die Mozart im Alter von15 und 16 Jahren komponiert hatte. Schon hier zeigt sich vor allem in den Moll-Passagen die typische Mozartfärbung. Dirigent Christian Bonath, der „hauptberuflich“ den Reutlinger Knabenchor leitet, saß mit dem Rücken zum Publikum am Cembalo und dirigierte gleichzeitig das kleine, feine Orchester aus sieben Streichern (vier Geigen, Viola, Cello, Kontrabass) und vier Bläsern (zwei Hörner, zwei Oboen) mit federnden Gesten. Deutlich arbeitete er auch bei den „ernst gemeinten“ Symphonien die innere Rhythmik heraus. Und selbst im musikalischen Spaß mit seinen künstlich einfachen „Holzhammer“-Motiven und eintönigen Wiederholungen schimmerte hier und da Mozarts musikalisches Universum als angedeutete Möglichkeit durch. Ein heiterer Start in 2015, der durch den traditionellen Umtrunk im Dominikanerkreuzgang anschließend noch an Fröhlichkeit gewann!