NIBELUNGEN-FESTSPIELE: Schauspielerin Lisa Hrdina erhielt Mario-Adorf-Preis
Mit voller Kraft und vollem Risiko
Glückliche Gewinnerin – Lisa Hrdina erhält den Mario-Adorf-Preis (von links): Stefan Christ, Bruder des Stifters, Gewinnerin Lisa Hrdina, Werner Kilz, Vorsitzende des Kuratoriums. Foto: Julia Helwig
VON JULIA HELWIG | Die Schauspielerin Lisa Hrdina wurde im Rahmen der Nibelungen-Festspiele mit dem Mario-Adorf-Preis geehrt. Die 30-jährige Schauspielerin erhielt die Auszeichnung für ihre außergewöhnlichen Leistungen in der Inszenierung „Überwältigung“ von Thomas Melle. In dieser spielte sie Kriemhilds Sohn Ortlieb und überzeugte mit Authentizität und schauspielerischem Können. Die Rolle des Kindes verkörperte sie laut Jury grandios und beeindruckte mit ihrer besonderen Darstellungsweise zwischen den verschiedenen Generationen und Zeiten. Der Preis und die gläserne Stele mit einem Drachenmotiv des Illustrators Hendrik Dorgathen, der in diesem Jahr zum zweiten Mal verliehen wurde, erhielt die Berlinerin am letzten Spielabend. Die Stele wurde von dem Glashersteller SCHOTT gespendet. Stifter des mit 10.000 Euro dotierten Preis ist der Wormser Unternehmer Harald Christ.
Die Entscheidung der Jury
Zu Tränen gerührt war Lisa Hrdina, als Stefan Christ, der Bruder des Stifters, gemeinsam mit Jürgen Breier von der SCHOTT AG ihr den gläsernen Drachen und den Scheck überreichte. Prof. Dr. Karl-Rudolf Korte, Mitglied des Kuratoriums, begründete die Entscheidung der Jury: „Wie spielt man eigentlich ein Kind? Die Schauspielerin Lisa Hrdina entscheidet sich mit Ortlieb in Thomas Melles Stück „Überwältigung“ auf denkbar lebendigste Weise zu dieser Frage. Mit voller Kraft und vollem Risiko wirft sie sich hinein in die Rolle des Jungen, der entschieden gegen das ewige Morden und Töten um ihn herum aufgebehrt. So wie Lisa Hrdinas Ortlieb gleich zu Beginn des Stückes auftritt und einen neuen Anfang und damit einen besseren Verlauf der Geschichte fordert, so besteht kein Zweifel, was sie will. Sie will leben. Das steht im Zentrum ihrer Energie und ihrer Aufführung. Und man glaubt ihr sofort, dass sie diese Kraft und Beharrlichkeit besitzt, dieses Recht auf Leben durchzusetzen.“ Der Blick eines Kindes habe immer etwas Revolutionäres, zitierte Korte den Autor des Stücks. Hrdina lasse den Zuschauer spüren, was eine solche Revolution bewirken könne. Als intelligentes Schauspiel beschreibt die Jury die Verkörperung der Rolle. Geschickt nutze die Schauspielerin das Recht der kindlichen Naivität. Sie halte den Erwachsenen einen Spiegel vor und mache deutlich, dass eine bessere Welt möglich sei. Sie sei eine tolle Gegenspielerin von Klaus Maria Brandauer, der in diesem Jahr grandios die Hauptrolle des Hagen übernahm. Hrdina sei der Motor diesjährigen Aufführungen gewesen.
Die Freude der Gewinnerin war groß
Sichtlich gerührt sagte Hrdina: „Ich bin total glücklich, ich habe noch nie was gewonnen. Ich hatte hier eine super Zeit mit allen. Besonders die Rolle eines Jungen würde ich mir öfter wünschen. Ich fühle mich wahnsinnig frei damit und gehe mit einem guten Selbstbewusstsein hier raus.“
Oberbürgermeister Adolf Kessel dankte allen Mitwirkenden für die großartige Leistung und die gute Zusammenarbeit. Jeder und jede Einzelne des Ensembles hätte für die gezeigte Leistung den Preis verdient.
Kuratorium wählte die Gewinnerin
Die Preisverleihung, die von dem Vorsitzenden des Kuratoriums, Hans-Werner Kilz, moderierte wurde, fand im Heylshofpark statt. Das Publikum freute sich mit der Gewinnerin. Grußworte überbrachte auch Prof. Dr. Konrad Wolf, Minister für Wissenschaft, Weiterbildung und Kultur des Landes Rheinland-Pfalz. Der Gewinner des Mario-Adorf-Preises wird jährlich vom Kuratorium der Nibelungen-Festspiele ausgewählt. 2018 wurde der Preis an die Schauspielerin Ursula Strauss vergeben. Harald Christ stiftet den Preis für weitere drei Jahre und möchte damit das außergewöhnliche kulturelle Ereignis in seiner Heimatstadt, das zur Wormser Stadtgeschichte gehört, unterstützten.