Wormser Luther-Bibliothek: Virtuelle Ausstellung zum Reichstag 1521 und Luthers Widerrufsverweigerung
Mit zeitgenössischen Flugschriften
Foto: Stadtbibliothek
In der Landesausstellung „Hier stehe ich. Gewissen und Protest - Worms 1521 – 2021“, die am 3. Juli eröffnet wird, können nur wenige Exponate aus der Wormser Luther-Bibliothek gezeigt werden. Für alle, die sich näher mit dem Thema beschäftigen möchten, bietet sich die Möglichkeit, eine virtuelle Ausstellung im Internet zu besuchen. Die Martin Luther zum Widerruf vorgelegten Schriften und die Flugschriften zum Reichstag sind komplett digitalisiert und mit Kommentaren versehen unter www.lutherschriften1521.de zugänglich.
Die anlässlich von Luthers 400. Geburtstag 1883 von Maximilian Heyl seiner Vaterstadt gestiftete Wormser Luther-Bibliothek umfasst allein 18 Exemplare von Ausgaben deutscher und lateinischer Schriften aus den Jahren 1519–21, die Luther bei seinem Verhör vor dem Reichstag am 17./18. April 1521 von Johannes von der Ecken, dem Offizial des Trierer Erzbischofs, „uff einer banck“ bzw „in fenestra“ (auf der Fensterbank) vorgelegt wurden und für die Luther seine Autorschaft bestätigte. Die insgesamt 22 Druckschriften (12 deutsche und 10 lateinische) waren von Nuntius Hieronymus Aleander zusammengetragen worden. Sie bilden gleichsam die im Druck ‚materialisierte‘ geistige Grundlage für Luthers Widerrufsverweigerung am 18. April.
Der Verlauf von Luthers Verhör ist in zahlreichen Flugschriften überliefert, die noch im selben Jahr erschienen sind, allein sieben Ausgaben befinden sich in der Luther-Bibliothek. Schlüsseldokument der Causa Lutheri ist das Wormser Edikt, in dem Karl V. am 8. Mai 1521 über Luther und seine Anhänger die Reichsacht verhängte. In der Luther-Bibliothek befindet sich das Exemplar eines Plakats aus der Straßburger Druckerei von Johann Grüninger, auf dem das Edikt öffentlich verkündet wurde.