Mi., 07.10.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • So., 06. Januar 2019, 18:31 Uhr
    Jugendliche der Domgemeinde sind mit ihrer Familie zurück nach Armenien gebracht worden

    Mitten in der Nacht abgeschoben

    Ein dunkler Schatten liegt in diesem Jahr über der Sternsingeraktion in der Dom- und St. Martinsgemeinde. Eine 16-jährige Jugendliche, die als Gruppenleiterin fest eingeplant war, wurde zusammen mit ihrer Familie in der Nacht zuvor mit großem Polizeikommando aus der Wohnung geholt und nach Armenien abgeschoben, so Probst Tobias Schäfer in einer Pressemeldung vom 6. Januar.

    Für die Kinder und Jugendlichen der Dom- und Martinsgemeinde, die auch in diesem Jahr wieder unterwegs waren, um den weihnachtlichen Segen in die Häuser zu tragen, sei dies ein Schock gewesen: Nelly war seit Jahren Messdienerin im Dom und fest eingebunden in die Jugendarbeit. Die Nachricht von ihrer Abschiebung schockiert die jugendlichen Sternsinger, aber auch die Verantwortlichen der Domgemeinde.

    Exakt um 0:00 Uhr seien laut Schäfer die Mitarbeiterinnen der Wormser Ausländerbehörde, begleitet von einem großen Polizeiaufgebot, in der Wohnung der Familie angerückt, zu der neben der 16-jährigen Nelly noch zwei jüngere Geschwister im Alter von 7 und 9 Jahren gehören, die zu dem Zeitpunkt bereits schliefen und aus den Betten gerissen worden seien. Gerade einmal eine Stunde habe man der Familie zum Packen gegeben, der Vater sei von der Familie getrennt und vorübergehend in der Polizeiinspektion arretiert worden, die Handys seien ihnen abgenommen und erst in Armenien wieder ausgehändigt worden.

    Kinder traumatisiert
    Mit einem Bus seien sie noch in der Nacht in 6-stündiger Fahrt nach Berlin gebracht und dort direkt in ein Flugzeug nach Armenien gesetzt worden. „Die Kinder waren traumatisiert. Nelly hat uns zwischenzeitlich berichtet, dass der Bus mehrfach an der Straße halten musste, weil die Kinder zitterten, ihnen schlecht war, sie sich übergeben mussten.“, berichten Rita Bachmann und Sybille Fröch laut der Pressemitteilung. Die beiden Frauen engagieren sich ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe der Dom- und Martinsgemeinde und haben die Familie seit Jahren begleitet.

    In einem Brief an den Oberbürgermeister der Stadt Worms Michael Kissel und den für die Ausländerbehörde zuständigen Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek zeigt sich Dompropst Tobias Schäfer entsetzt über das rabiate Vorgehen: die Form der Abschiebung: die Familie mitten in der Nacht abzuholen, die Wohnung mit etwa 10 Polizisten zu besetzen, die Kinder aus den Betten zu holen, das sei angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Familie mit Kindern handelt, die zudem alle samt gut integriert sind, völlig unverhältnismäßig und unmenschlich. Nicht nur die Kinder seien durch dieses rabiate Vorgehen traumatisiert.

    Zum Hintergrund erläutert Hans Himmel, der Koordinator der Flüchtlingshilfe der Dom- und Martinsgemeinde, dass die Familie nach Ablehnung Ihres Asylantrages noch ein Verfahren vor der Härtefallkommission anstehen hatte. Weil sich aber zeigte, dass ein Folgeantrag beim BAMF große Aussicht auf Erfolg hatte, habe der Rechtsbeistand geraten, einen solchen Antrag zu stellen. Auch in Absprache mit Mitgliedern der Härtefallkommission habe sich die Familie daher wenige Tage vor Weihnachten den Antrag bei der Härtefallkommission zurückgezogen; der Antrag beim BAMF war bereits vorbereitet und hätte nun nach den Feiertagen unmittelbar eingereicht werden sollen. Die Ausländerbehörde habe genau das Zeitfenster nach Rückzug des Antrages bei der Härtefallkommission und vor Einreichen des Folgeantrages beim BAMF für die Abschiebung genutzt.

    Gemeinde als Partner
    In seinem Schreiben an die Stadtspitze weist Propst Schäfer darauf hin, dass die Dom- und Martinsgemeinde 2015, als hohe Flüchtlingszahlen zu bewältigen waren, sich sofort der Stadt als Partner angeboten habe und seitdem mit hohem ehrenamtlichen Engagement in diesem Bereich eine gute Arbeit in der Beratung, Integration und Begleitung von Flüchtlingen leiste. Umso enttäuschender sei für ihn nun dieses rabiate Vorgehen ohne jede Rücksprache. „Ich bitte Sie dringend und nachdrücklich, dem geschilderten Sachverhalt nachzugehen. Ich erwarte, dass Sie sicherstellen, dass bei aller Notwendigkeit eines rechtskonformen und konsequenten Handelns die Menschlichkeit nicht auf der Strecke bleibt - wie ganz offensichtlich in diesem konkreten Fall. Das ist in meinen Augen ein Armutszeugnis für unsere Gesellschaft und in diesem Fall auch für die Stadt Worms und ihre Stadtverwaltung.“, so Propst Schäfer wörtlich in seinem Schreiben.

    „Wir bleiben mit der Familie in Kontakt und werden prüfen, was noch zu machen ist. In jedem Fall werden wir auch versuchen, ihnen dort vor Ort so weit als möglich zu helfen.“ unterstreicht Hans Himmel.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige das WormserAnzeige AmtsblattAnzeige Tip Südhessen
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige TicketshopAnzeige 3 Füller 1