Museum im Andreasstift: Ausstellung „Walküren“ von Norbert Bisky eröffnet / „Walküren, wie ich sie im 21. Jahrhundert sehe“
Modern, schrill und kraftvoll
Der Künstler Norbert Bisky zeigt seine „Walküren“ im Museum im Andreasstift. Foto: Rudolf Uhrig
Von Rudolf Uhrig › Betritt man momentan das Andreasstift, so wendet sich der Blick automatisch auf den Altar. Aber dieser zentral-sakrale Raum wird derzeit von einem übermächtigen Triptychon, einem dreigeteilten Gemälde eingenommen, dem der Künstler den Titel „Sunday“ gegeben hat. „Sunday“ zeigt allerdings viele einzelne schlimme Geschichten, die sich in den letzten Jahren auf unserem Planeten ereigneten. Zum Beispiel die Brandkatastrophe des Grenfell Towers in London, schwebende Figuren, die durch Zeit und Raum zu fallen scheinen, aber auch Kampfhubschrauber, sehr real und aktuell. Der Schöpfer des Werkes ist Norbert Bisky, einer der erfolgreichsten Vertreter der zeitgenössischen figurativen Malerei. Die Werke des 53-jährigen Leipzigers, der in Berlin lebt und arbeitet, sind in zahlreichen internationalen Sammlungen vertreten, u.a. im Museum of Modern Art, New York, im National Museum of Modern and Contemporary Art, Seoul und dem Israel Museum in Jerusalem.
Nordische Geistwesen
Am Mittwochabend wurde die Ausstellung mit seinen Malereien der nordischen Geistwesen, der Walküren, passend zu den Nibelungen-Festspielen, eröffnet. Museumsleiter Dr. Olaf Mückain zeigte sich im Pressegespräch am Vormittag hoch erfreut, dass nun „alle neun“ Walküren den Weg nach Worms gefunden haben, nachdem im letzten Jahr bereits eine Figur zu sehen war. Ursprünglich war dies eine Arbeit im Rahmen einer Installation, die der Künstler für die Staatsoper Stuttgart schuf, sie waren 2022 in einer vorübergehend stillgelegten BW-Bankfiliale zu sehen.
Eine eigene Bildsprache
Mückain stellte in seiner Ansprache heraus, dass Bisky eine ganz eigene Bildsprache geprägt hat, die sich aber auch immer wandelt und erneuert. „Die Arbeiten sind noch exklusiver und kontrastreicher geworden, sie sind spannungsvoller geraten, mit viel Bildwitz, hintergründig, manchmal abgründig.“
„Damit wollte ich nichts zu tun haben“
„Die Musik Wagners ist stark, aber er war Antisemit und ansonsten hatte er krude Weltanschauungen, er war ein schwieriger Typ, nein, damit wollte ich nichts zu tun haben. Insofern finde ich es toll, dass man in der Kunst die Walküren dem Wagner ein Stück weit wegnehmen kann“, arbeitete Bisky in seiner Erklärung den Charakter Richard Wagners heraus, der zudem auch in seiner Stadt – in Leipzig geboren wurde. „Und das, obwohl es immer noch die vorherrschende Figur in der Opernwelt ist, aber die Geschichte dahinter ist viel größer, dass die starken Frauen die dämonischen Wesen sind, die die Toten in der Schlacht einsammeln oder den Kriegern beistehen und die gefallenen Helden ins Walhall führen“, so Bisky.
Knallbunte Werbe-Ikonen
Die Schildjungfern des Nobert Bisky sind demnach ganz bewusst nicht zu vergleichen mit den Walküren-Abbildungen des 19. Jahrhunderts, sie sind modern, schrill, schreiend, kraftvoll, erotisch auch, sie tragen Kopfhörer und Feuerschale, sind teils aggressiv und sportlich, aber auch zum Teil mit einer Kalaschnikow bewaffnet. Er zeigt ihre strahlend weißen Zähne, moderne vor allem auch diverse Walküren als knallbunte und strotzende Werbe-Ikonen.
In die „Jetzt-Zeit“ katapultiert
„Ich wollte sie in die Jetzt-Zeit katapultieren, also malte ich die Walküren, so wie ich sie jetzt im 21. Jahrhundert sehe. Ganz im Sinne der Kunst und Kultur eben. Denn es ist ja so, dass man sich etwas ausdenkt, aber die nächste Generation verändert das. Aufgabe dieser neuen Bilder war es nicht, die klassischen Operngänger anzusprechen, sondern auch Menschen, die ansonsten gar nichts mit Oper im Sinn haben, das fand ich spannend, herausfordernd und interessant. Ein wichtiger Moment für Malerei und auch Kunst ist, wo Schwellen überwunden und Ängste genommen werden. Dass dann auch Leute zusammenkommen können und sich Kunst angucken können. Mir kommt das sehr entgegen, dass Leute über Kunst ins Gespräch kommen, auch eben Leute, die noch gar nichts damit zu tun haben“, beschreibt Bisky seine Motivation. Und auch das wünschte sich Bürgermeisterin Stephanie Lohr, die die Intension der Stadt zu dieser Ausstellung bekundete.
Die Ausstellung „Walküren“ von Norbert Bisky ist noch bis zum 29. September im Museum Andreasstift zu sehen.