Do., 18. Februar 2021, 11:55 Uhr
MOBILITÄT: Umweltverbände zur verschobenen Entscheidung des Radwegneubaus Pfeddersheim-Pfiffligheim
„Müssen konkret vorankommen“
Nach jahrelanger Diskussion sollte am 18. Februar endlich eine Beschlussvorlage im Mobilitätsausschuss verabschiedet werden, welche Variante des Radwegs Pfeddersheim-Pfiffligheim geplant und gebaut werden soll, entweder parallel zur Bahnstrecke (nördlich) oder parallel zu B47 alt (südlich). Darüber muss dann noch im Stadtrat endgültig beschlossen werden. Bei der letzten Sitzung des Mobilitätsausschusses wurde jedoch die Vertagung des Themas beschlossen, um den Ortsbeiräten die Möglichkeit zu geben, intern in deren Sitzungen darüber zu beraten. In einer Sitzung des Ausschusses im April soll über eine Beschlussvorlage beraten und möglicherweise entschieden werden. „ Zu welchem Zeitpunkt dann schließlich mit dem Bau begonnen werden kann, scheint derzeit nicht absehbar“, so die Verbände ADFC, BUND, NABU und VCD in einer Pressemitteilung.
Einstimmiges Ergebnis der Verbände
ADFC, BUND, NABU und VCD haben sich die von der Verwaltung aufgezeigten Vor- und Nachteile für beide Varianten sehr genau angeschaut, intern diskutiert und analysiert und kommen zu dem einstimmigen Ergebnis, dass die Variante entlang der Bahntrasse eindeutig zu präferieren ist. Die von der Verkehrsbehörde als Sicherheitsproblem identifizierte Überquerung der Fahrradfahrer am westlichen Ortseingang von Pfiffligheim, der Heppenheimerstraße, dürfte aus Sicht der Verbände kein unlösbares Problem darstellen. „Wir sind sehr zuversichtlich, dass mit einer Geschwindigkeitsbegrenzung, ausreichender Beschilderung und sinnvollen straßenbaulichen Maßnahmen die Sicherheit an dieser Stelle gewährleistet werden kann. Und warum sollte man nicht auch darüber nachdenken, an dieser Stelle den Radfahrern die Vorfahrt zu geben? Das wäre ein starkes Zeichen pro Radverkehr und würde die Autofahrer automatisch zum Abbremsen zwingen. Bei Variante 2 gibt es übrigens ebenso eine ganze Reihe von gefährlichen Querungen einmündender Straßen in Pfeddersheim“, so Günter Niederhöfer und Klaus Horn, Sprecher der Verbände ADFC, BUND, NABU und VCD.
„Internetbefragung wäre sinnvoll“
„Außerdem sollte man generell mehr von den Interessen der künftigen potentiellen Nutzer ausgehen. In diesem Zusammenhang wäre ein Befragung über das Internet mithilfe entsprechender Tools sehr sinnvoll. Die Auswertung könnte direkt automatisch im Auswertungssystem erfolgen, der Datenschutz wäre gewährleistet. Ergebnisse einer solchen Befragung könnten schon bis zur nächsten Ausschusssitzung vorliegen. Aber bereits jetzt kann man davon ausgehen, dass Schüler, die aus Pfeddersheim in die Schulen im BIZ, die Pfrimmtal- und Westend-Realschule oder ins Elo fahren, eine der größten Nutzergruppen stellen werden. Und in deren Interesse kann es nicht liegen, zunächst von ihrem eigentlichen Ziel weggeführt zu werden, um dann wieder die stark befahrene Alzeyer Straße überqueren zu müssen. Ähnliches gilt auch für Pfeddersheimer Bürger, die zum Einkaufen in die Innenstadt oder auf den Wochenmarkt fahren wollen“, so die Verbände.
„In weiter Ferne“
ADFC, BUND, NABU und VCD fordern erneut, dass es endlich weitergeht, mit dem Ausbau klimafreundlicher Verkehrsinfrastruktur. Auch unter diesem Aspekt spreche für Variante 1, dass sie zeitnah (laut Verwaltung innerhalb von zwei Jahren) umgesetzt werden könne, während für Variante 2 aufgrund der notwendigen Grundstückskäufe mindestens fünf Jahre zu veranschlagen wären. „Im Sinne des Klimaschutzes können wir uns aber solche unnötigen Verzögerungen nicht länger leisten, wir müssen endlich konkret vorankommen, auch mit einem nachhaltigen Mobilitätskonzept. Wir erinnern: Im April 2019 wurde nach vier Jahren Analyse ein Mobilitätskonzept von Habermehl & Follmann vorgestellt. Weitere zwei Jahre sind seither vergangen. Eine Entscheidung lässt weiterhin auf sich warten. Eine Verkehrswende hin zum klimafreundlichen Umweltverbund aus Rad, Fuß und ÖPNV scheint in Worms immer noch in weiter Ferne“, so Niederhöfer und Horn.