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  • Mi., 06. März 2019, 22:25 Uhr
    Nach Krisengespäch: Überplanmäßige Mittelbereitstellung erforderlich / 1.709.600 Euro reichen für Landesausstellung nicht aus / Keine Schuldzuweisung

    Andreasstift verschlingt zunächst weitere 750.000 Euro

    Der Zeitplan ist ambitioniert, die Kosten steigen: Das Museum Andreasstift am Weckerlingplatz soll 2021 Schauplatz einer Landesausstellung im Rahmen der Reformationsfeierlichkeiten sein. Foto: Steffen Heumann


    VON STEFFEN HEUMANN Der Haupt- und Finanzausschuss empfahl dem Stadtrat am Mittwoch einmütig die Zustimmung der Erhöhung des Planungs- und Baubudgets für die Sanierung des Andreasstiftes anlässlich der Landesausstellung um 750.000 Euro. „Eine heikle Situation“, erläuterte Oberbürgermeister Michael Kissel die Lage nach einem Krisengespräch. „Die Mittel reichen nicht aus“, so die nüchterne Erkenntnis von OB Kissel, nachdem für notwendige anstehende Ertüchtigungsmaßnahmen 1.709.600 Euro einschließlich 274.700 Euro für Toilettenanlagen im Erdgeschoss bereitgestellt, um im Jahr 2021 eine Landesausstellung zum 500 – Jahre Reichstag – Jubiläum durchführen zu können. Hinzu floss eine Privatspende in Höhe von 1,5 Millionen Euro in das Projekt.

    Ausstellung mit anspruchsvollen Exponaten
    „Wir wollen die Landesausstellung und haben bezüglich der Exponate einen hohen Anspruch“, erklärte Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek. Die Ausstellung sei in Vorbereitung, die Themeninseln konkretisiert. Jetzt müsse man zu dem Vorhaben stehen und dürfe sich nicht lächerlich machen“, argumentierte Kosubek. Alleine den Verzicht auf eine Containerlösung als Eingangsbereich und dessen Verlagerung in die Kirche schlägt mit Mehrkosten von 100.000 Euro zu Buche. Kosubek: „Trotzdem eine nachhaltige Lösung, denn die Container wären nach der Ausstellung zurückgebaut worden“. Verwaltungsleiterin Ute Breitwieser nahm Bezug auf Ursachen für die Mehrkosten. Nach einer intensiven Grundlagenermittlung sei für die Exponate eine moderne Videoüberwachung gefordert, zudem ein Glasfaseranschluss, da das Thema Medien eine große Rolle spiele. Notwendig sei auch ein ganz neues System der Einbruchsicherung für das gesamte Gebäude. Des weiteren seien im Vorfeld die Maßnahmen für den Brandschutz, sowie die Hebe- und Toilettenanlage ersichtlich gewesen. „Dennoch haben wir den Rotstift angesetzt“, so Breitwieser mit dem Hinweis auf Einschränkungen bei den Besucherführungen oder Türen, die nur über Standardmaße verfügen sowie eine Verkabelung, die aus Kostengründen „über Putz“ verlegt wird.

    „Wir korrigieren also Planungsfehler der Vergangenheit?“, merkte Steffen Landskron (FWG/Bürgerforum) an. Hans-Peter Weiler (CDU) konstatierte allgemeine Verwunderung im Gremium ob der Arbeit der involvierten Fachleute. „Auch Externe können sich verhauen“, merkte OB Kissel an, zumal im Vorfeld die Kosten durch städtische Mitarbeiter weitaus höher geschätzt worden waren. Allerdings sei ein erster Kostenvorschlag auch unter enormem Zeitdruck erfolgt. „Wir sind in einer Zwangslage, können aber nicht zurück“, verwies Richard Grünewald auf eine beinahe Kostenverdopplung.

    Konkrete Anforderungen anfangs nicht ersichtlich
    Michael Kissel wollte aber die Verantwortung nicht den beauftragten Architekten aufbürden. Die konkreten Anforderungen seien trotz Beratung durch Fachleute erst im Laufe der Planungen ersichtlich geworden. Die Crux: Bereits jetzt müsse in den zweiten Bauabschnitt in der zweiten Etage eingegriffen werden, wobei zwischen notwendigen und alternativlosen Maßnahmen unterschieden worden sei. „Ziel war es, das Andreasstift fit für die Ausstellung 2021 zu machen“, kommentierte Dr. Klaus Karlin. Dass eine Generalsanierung notwendig sei, habe man gewusst, jetzt verlagere man Investitionen aus dem zweiten Bauabschnitt vor. Was allerdings schmerze, wie OB Kissel einschob, sei die Tatsache, dass jeder Euro, der jetzt zusätzlich ausgegeben werden müsse, nicht mehr für den zweiten Bauabschnitt förderfähig sei.

    Man müsse sich über die Generalsanierung unterhalten, schlug Timo Horst (SPD) vor, denn „eine weitere Kostensteigerung sei nicht mehr vertretbar“. Mit Blick auf die Bausubstanz entgegnete OB Michael Kissel, dass beim Thema Kosten das Ende der Fahnenstange vielleicht doch noch nicht erreicht sei. Das Haus und die Technik hätten schon viele Jahrzehnte auf dem Buckel. „Wir reden nur über das, was wir schon wissen“, unterstrich Kissel.

    „Keine Schuldzuweisung, keine Fehlplanung“
    „Keine Schuldzuweisung, keine Fehlplanung“, lautete das Fazit von Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek. Dass der Altertumsverein erst den Innenausbau stemmen sollte, dann aber doch nicht, sei Teil des Entwicklungsprozesses. Es sei von Anfang an das Ziel gewesen, auch die Dauerausstellung im Museum beizubehalten, um Wormser Geschichte für Besucher erlebbar zu machen. OB Kissel abschließend über eine Kehrtwende, die nicht möglich und auch nicht gewünscht ist, wie das einstimmige Votum der Empfehlung an den Stadtrat belegt: „Wir haben Zuschüsse von Bund, Land und den Kirchen erhalten. Zudem sei eine Strahlkraft der geplanten Ausstellung weit über die Grenzen Deutschlands möglich.“

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