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  • Mo., 13. November 2017, 08:50 Uhr
    Weltersteinspielung: Ensemble Paulinum singt das Oratorium „Joseph“ von Johann Mattheson für SWR 2 ein / Ursendung und CD-Veröffentlichung an Ostern

    Musikalisch erlesene Qualität des Werkes beeindruckt

    Das Wormser Ensemble Paulinum hat seinen Wiederentdeckungen ein weiteres Kapitel hinzugefügt: Unter Leitung von Christian Bonath standen die Musiker wieder für 5 Tage im Studio, um Matthesons Oratorium „Joseph“ einzuspielen, quasi als Fortsetzung, hatte man doch schon 2015 mit dem SWR das Oratorium „Chera“ ebenfalls von Mattheson erfolgreich produziert. Damit waren die Wormser Musiker einmal mehr die ersten weltweit, die das Oratorium nun auf CD eingespielt haben. Unterstützt wurden sie dabei vom ebenfalls in Worms beheimateten Barockorchester Pulchra musica, das seine Qualitäten bereits in 6 SWR-Produktionen unter Beweis stellen konnte.

    Die Geschichte des Joseph, der von seinen Brüdern nach Ägypten in die Sklaverei verkauft wird, durch sein Talent des Traumdeuten aber dem sicheren Tod entgeht und sich schließlich bei seiner Rückkehr milde gegenüber seinen Brüdern zeigt, findet sich im Buch Mose, Heinrich Schubart hat daraus das packende Libretto verfasst. Beeindruckend ist die musikalisch erlesene Qualität des Werkes: Die Gesangspartien sind sehr anspruchsvoll, wurden sie doch für die Solisten der Hamburger Gänsemarktoper geschrieben.

    Mit dem Bass Johannes Hill (Unbarmherzigkeit/Christ), dem Bariton Malte Fial (Christ), dem Tenor Klemens Mölkner sowie der Sopranistin Cornelia Fahrion stand ein junges Ensemble bereit, das mit viel Können, großer Stiltreue und Freude Matthesons Musik mit Leben erfüllte und gleichzeitig, ergänzt durch den Altus Jan Jerlitscka und den zweiten Tenor Daniel Schmid auch die Choraufgaben übernahm. Jene Chorpartie ist sehr fordernd und bietet dem Zuhörer einige Überraschungen, so ist der musikalische Höhepunkt des Werkes dem Ensemble zugeordnet und auch musikhistorisch interessant: Mattheson bedient sich mit der Musik von Antonio Lotti bei einem anderen Komponisten. Er bearbeitet dessen Madrigal „La vita caduca“ musikalisch (ändert die Stimmaufteilung) und unterlegt einen deutschen Text.

    Der „Neider“ steht im Konflikt mit dem liebenden „Nächsten“, der durch die „Sonne der Freuden“ (Gott) zum Guten gelangt. Ein ungemein ausdrucksstarkes Stück, das noch einmal die hohe Meisterschaft beider Komponisten, also Lotti und Mattheson, deutlich aufzeigt. Ebenfalls kurios ist die Eröffnung des zweiten Teils des Oratoriums: Mattheson schreibt eine Fuge für vier Tenöre, kompositorisch gesehen ist es ein Kanon. Die Botschaft ist einfach: werdet barmherzig und vergebt. Mit dem Tonmeister Thomas Angelkorte, der seit 2004 die zahlreiche preisgekrönten Produktionen von Marcus Creed betreutet, wurden die Aufnahmen hervorragend tonmeisterisch betreut. Für Ostern 2018 ist die Ursendung bei SWR 2 sowie die CD-Veröffentlichung vorgesehen, man darf schon jetzt gespannt sein!

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